Mitternachtsspitzen
Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen. CHINESISCHES SPRICHWORT

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gemeldet am: 29.05.2018 17:09

MEINE LEINE SCHLEPP´ ICH NICHT, Teil 2: Der Plan

 


Es war herrlich! Ich tobte wie ein übermütiger Welpe durch den Wald und erkundete das Revier in sämtliche Himmelsrichtungen. Dabei dehnte ich meine Streifzüge immer weiter aus. Hatte ich erst die Witterung eines Kaninchens oder Eichhörnchens in der Nase, stellte ich meine Ohren automatisch auf Durchzug. Dann mochten die Großen noch so viel rufen oder pfeifen, ich sah und hörte nichts mehr. Irgendwann habe ich es wohl auf die Spitze getrieben. Als ich nämlich einmal nach von Frauchen gefühlten zwei Stunden wiederkam (in Echtzeit war ich höchstens fünfzehn Minuten lang weg gewesen), gab es weder Lob noch Leckerli. Frauchen sah mich nur stumm und böse an, nahm mich an die kurze Leine und führte mich wie eine Schwerverbrecherin ab nach Hause. Sie erzählte Herrchen davon, und gemeinsam schmiedeten sie einen perfiden Plan.


Ganz ehrlich, nie hätte ich gedacht, dass sie wegen so einer winzigen Eskapade gleich zu derart unfairen Mitteln greifen würden. Um es kurz zu machen: Sie verpassten mir eine Schleppleine! Das zehn Meter lange Nylonseil wurde an meinem Ranzen festgehakt. Am hinteren Ende gingen Frauchen oder Herrchen und dirigierten das Ding; jedenfalls nahm ich das an. Ich bin ein gescheites Mädchen. Ich sah ein, dass unter diesen Umständen ein Ausbruchversuch sinnlos wäre, und probierte es gar nicht erst. Die Großen waren sehr zufrieden und gratulierten sich zu ihrem genialen Einfall.


Ende gut, alles gut! Wirklich? Das erfahren Sie demnächst.


Gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre NELLY




MOLLY mit BELLA, ihrer Seelenschwester.
Beide waren bis zum Ende unzertrennlich.

Nickname 19.06.2018, 08.55| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

MEINE LEINE SCHLEPP´ ICH NICHT, Teil 1: Die Vorgeschichte

 

Nachdem ich in mein neues Zuhause gezogen war, durfte ich die ersten Wochen nur angeleint spazieren gehen. Unser Auslaufgebiet ist ja riesig; wer sich nicht auskennt, kann sich leicht verirren. Wir liefen alle Strecken mehrfach ab und kamen immer aus einer anderen Richtung zurück, damit ich den Heimweg zur Not auch allein finden würde. Bald kannte ich die meisten Rundgänge auswendig. Mit den Hunden, die wir trafen, verstand ich mich im Allgemeinen gut, mochte ab und zu auch mit ihnen spielen; nur ging das wegen der doofen Leine schlecht. Ich fing an, mich ein bisschen zu langweilen. Barny konnte ja immer frei herumlaufen, und ich wäre ihm zu gern auf seinen Extratouren gefolgt.


Endlich kam der große Tag, an dem Frauchen sagte: "Ich denke, wir haben jetzt lange genug geübt. Wir sollten Nelly einen ersten Freigang erlauben." Chef war einverstanden, meinte jedoch, er würde dann lieber das Fahrrad mitnehmen, um mich nötigenfalls verfolgen zu können. Das war lieb von ihm gedacht, aber überflüssig. Die neue Freiheit war ja noch ungewohnt für mich und ich fühlte mich ein wenig unsicher. So entfernte ich mich anfangs nur selten von den anderen, unternahm höchstens mal einen kurzen Streifzug durchs Unterholz, wenn irgendwo ein Vogel aufflog oder ein Mäuschen raschelte. Dabei blieb ich stets in Ruf- und Sichtweite, bis eines Tages... Aber das erzähle ich Ihnen beim nächsten Mal.


Alles Gute und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre Nelly




Eine meiner Vorgängerinnen:

MOLLY.

Sie war eine Seele von Hund und wurde 9 1/2 Jahre alt.

Nickname 18.06.2018, 10.15| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

SO EINE SCH...WEINEREI!

  (OKTOBER 2017)


Junge, Junge, unser Frauchen war vielleicht sauer, als wir vormittags vom Waldgassi heimkamen. So wütend habe ich sie noch nie erlebt. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz und benutzte Ausdrücke, die ich hier lieber nicht wiederhole. Was war passiert? Schon bei der Rückfahrt fiel ihr auf, dass es im Auto strenger roch als sonst. Wie sie dann zuhause die Schuhe auszog, sah sie die Bescherung: Die Sohle vom linken Schuh klebte voll Hundesch...e! Da hatte es mal wieder jemand versäumt, seinem Fifi beizubringen, dass man auch im Wald sein großes Geschäft nicht mitten auf dem Weg erledigt. Sie achtet ja schon immer darauf, wo sie hintrtitt. Aber jetzt, wo alles so schön dick mit Laub bedeckt ist, kann man nicht gleich jede Hinterlassenschaft erkennen.


H
errchen brauchte geschlagene zehn Minuten, bis er den Schuh wieder blank geputzt hatte. Frauchen sagt, man müsste diese Leute packen und mit der Nase direkt in so einen Haufen stecken; dann wüssten sie, wie eklig das ist. Ich finde, sie hat recht.


Mit mir hat es diese Probleme übrigens von Anfang an nicht gegeben. Wie durch ein Wunder war ich nämlich schon total stubenrein, als ich aus Rumänien in meine Pflegestelle kam. Ich wusste auch, dass man an die Seite oder ins Gebüsch geht, wenn man groß muss. Dabei hatte ich niemanden, der mir das beigebracht hätte, als ich noch ein Welpe war. Die beste - wenn auch harte und oft unbarmherzige - Schule ist eben manchmal das Leben selbst.


Also dann, noch einen sonnigen Tag und auf Wiederlesen.


Bleiben Sie sauber!
Ihre NELLY


Nickname 17.06.2018, 11.25| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

ES KANN DIE FRÖMMSTE NICHT IN FRIEDEN LEBEN

 


Eltern und Nachbarn haben eines gemeinsam: Beide kann man sich nicht aussuchen. Das heißt, bei den Nachbarn ginge das schon. Nur müsste man dann erst eine Zeitlang zur Probe wohnen, bevor man sich endgültig entscheidet, in eine bestimmte Gegend zu ziehen. Vielleicht hat man Glück, und da wohnen lauter nette Leute: die ein Auge zudrücken, wenn die Jugend ein-, zweimal im Jahr nach zehn Uhr abends noch ein bisschen lauter feiert. Und die nicht gleich mit ihrem Anwalt kommen, wenn wir Hunde nachts ab und zu bellen, weil wir etwas Verdächtiges gehört haben. Oft liest man ja fellsträubende Geschichten, von Gartenzwergmorden und Zoff am Maschendrahtzaun. Manchmal enden solche Streitereien sogar erst vor Gericht, oder wenn einer der Kampfhähne seine Siebensachen packt und sich eine neue Bleibe sucht.


Ich habe auch eine Nachbarin, ein Airedaleterriermädchen namens Suse. Die benimmt sich aber leider gar nicht mädchenhaft, sondern wie eine rüpelige Straßengöre! Sie kann mich nicht ausstehen (das beruht übrigens auf Gegenseitigkeit), und seit ich hier eingezogen bin, hat sie mich auf dem Kieker. Ein anderes Frauchen erzählte neulich, dass Suse in unserem Kiez unbedingt so eine Art Bandenchefin sein und den Ton angeben will. Von mir aus soll sie, ich möchte in Frieden leben und lege es nicht auf ein Kräftemessen an. Das kriegt die doofe Suse aber nicht ihren eckigen Kopf, da hat sie, scheint´s, nur Hundekuchen drin. Sobald wir uns treffen, stürzt sie sich wie eine Furie auf mich und beginnt eine wüste Rauferei. Zwar beißt sie nicht richtig zu, schnappt nur in die Luft, schmeißt sich auf mich und spektakelt herum wie eine Irre. Ich wehre mich natürlich so gut ich kann, denn ich habe zwar fürchterliche Angst, doch feige bin ich nicht!


Suses Frauchen ist nicht besonders gut zu Fuß; bis die kommt, haben meine Großen längst eingegriffen. Eigentlich soll man das ja nicht, es kann gefährlich werden, weil der Hund in seiner Wut manchmal nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. Das ist ihnen in dem Moment aber völlig gleich, Herrchen packt die Töle kurzerhand am Schlafittchen oder schubst sie einfach zur Seite. Da sitzt sie dann total belämmert und ist auf einmal mäuschenstill. Ich hocke daneben und zittere am ganzen Körper, für mich bedeutet es puren Stress. Ihrem Frauchen ist das immer sehr peinlich, sie entschuldigt sie jedes Mal in den höchsten Tönen. Und was habe ich davon? Lieber soll sie mit ihrer Halbstarken eine gute Hundeschule besuchen, da können beide eine Menge lernen.


Eins steht auf jeden Fall für mich fest: Ganz gleich, was die blöde Suse sich noch ausdenkt, um mich einzuschüchtern – ich ziehe hier nicht weg!


Viel Schönes und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre NELLY




Guck mal, du dumme Suse,

was du mich kannst!

Nickname 16.06.2018, 13.25| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

ANGEKOMMEN!

   


Kinder, wie die Zeit vergeht! Vier Monate lebe ich jetzt in meinem neuen Zuhause und mir kommt es vor, als sei ich schon immer hier gewesen. Meine beiden Menschen sind sehr verständnisvoll und geduldig. Frauchen hat mir „Platz“ und Pfötchen geben beigebracht, mit Herrchen habe ich „bei Fuß“ gehen geübt. Ich besitze eine gute Auffassungsgabe und lerne schnell. Seit drei Wochen darf ich im Wald frei herumlaufen, da machen die Spaziergänge gleich doppelt so viel Spaß. Auf der Straße bleiben wir Hunde natürlich angeleint, das ist einfach sicherer. Wir wohnen zwar in einer äußerst ruhigen Gegend mit nur wenig Autoverkehr, aber verrückte Raser gibt es ja überall. Besonders vor Motorrädern habe ich Angst. Wenn die mit ihrem Höllenlärm an uns vorbreibrettern, mache ich schon mal unvermutet einen Seitensprung.


Mein Rudelkumpel, der blonde Barny, und ich verstehen uns schon richtig gut. Er ist ein feiner Kerl, ich orientiere mich an ihm und er gibt mir Sicherheit. Sonst habe ich noch keine neuen Hundefreundschaften geschlossen. Ich weiche meinen Artgenossen lieber aus und gehe meiner eigenen Wege. Allerdings habe ich eine Lieblingsfeindin, aber die ist ein Kapitel für sich.


Frau T. kam uns schon bald besuchen, so wie sie es versprochen hatte, begrüßte mich herzlich und brachte sogar ein paar Leckerlis mit. Sie sah sich alles genau an, den Garten und das ganze Haus, und schien sehr zufrieden. Ich freute mich natürlich auch, sie zu sehen, war aber nicht weiter betrübt, als sie wieder ging. Inzwischen hatte ich Herrchen und Frauchen ja liebgewonnen und wollte nicht mehr zurück in die Pflegestelle.


So rückt meine traurige Vergangenheit in immer weitere Ferne. Nur manchmal werden schlimme Erinnerungen wach – zum Beispiel gestern. Da wurde morgens im Auslaufgebiet ein Hund vermisst. Es herrschte helle Aufregung, alle fahndeten nach dem Ausreißer. Der war hier nämlich nur zu Besuch und kannte sich im Revier nicht aus. Vermutlich hatte er ein Eichhörnchen, ein Kaninchen oder sogar ein Wildschwein gewittert, die Verfolgung aufgenommen und dabei die Orientierung verloren. Überall im Wald waren Rufe, Schreie und Pfiffe zu hören, wie ich sie von den rumänischen Hundefängern her kenne. Die kamen ja nicht nur in der Stille der Nacht. Manchmal trieben sie uns mit fürchterlichem Krach in die Enge, um uns so leichter einfangen zu können.- Mir war das alles zu viel, ich wollte nur nach Hause. Zum Glück hatte Herrchen ein Einsehen und brach die Runde vorzeitig ab. Wir holten sie mit Frauchen dann später nach.


Es dauert sicher noch eine Weile, bis ich mich ganz an ein normales Hundedasein gewöhnt habe. Aber wir lassen uns Zeit, und jeden Tag gewinne ich ein Stück Selbstvertrauen hinzu. Das Leben kann wunderschön sein!


Also dann, gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre Nelly! 



Noch einmal DANKESCHÖN,

du liebes JULCHEN!

Nickname 15.06.2018, 07.35| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

ZUHAUSE! ZUHAUSE?

   


Die Fahrt nach Berlin dauert nur eine Dreiviertelstunde, viel zu kurz für meinen Geschmack. Wie wird mein künftiges Leben aussehen? Wird es mir dort gefallen und wird man mich gut behandeln? Von den vielen Fragen schwirrt mir der Kopf und mein Bauch tut vor Aufregung weh. Zum Glück fährt der Mann sehr vorsichtig, besonders wenn Kurven kommen. So wird mir wenigstens nicht übel. Ich sitze im Heckraum des Autos, durch ein Gitter von den anderen getrennt. Die Frau hat es sich mit Barny (so heißt der Blonde) auf der Rückbank bequem gemacht. Warum lassen sie mich nicht mit ihm zusammensitzen? Haben sie Angst, ich könnte ihn beißen? Das fiele mir nicht im Traum ein! Aber vielleicht verhält es sich auch umgekehrt, schließlich hat er hier die älteren Rechte.


Dann sind wir am Ziel. Mir wird nun doch ein bisschen schlecht und ich muss würgen. Leider merkt es keiner, und die Bescherung landet im Auto. Sofort ist mir besser, dafür wird es wohl ein Donnerwetter und womöglich sogar Schläge setzen. Aber nichts dergleichen passiert, stattdessen werde ich getröstet und behutsam aus dem Wagen gehoben. Scheu, mit geducktem Kopf sehe ich mich um. Von außen wirkt das Haus riesig, wie soll ich mich je darin zurechtfinden? Wir gehen auch nicht sofort hinein, sondern drehen erst eine Runde durch den Garten. Ein Glück, ich muss nämlich dringend mal Pipi und … na, Sie wissen schon. Der Stress und die Aufregung schlagen durch. Hinterher fühle ich mich erleichtert und sehe mich ein bisschen um. Schön groß ist der Garten ja und nicht zu ordentlich. Gepflegte Wildnis sozusagen. Wie es scheint, nimmt man hier auf die Bedürfnisse von uns Hunden Rücksicht. Aber jetzt wird es kritisch, wir gehen ins Haus. Das heißt, die anderen gehen rein. Ich weigere mich strikt, da können die beiden Menschen bitten und locken, soviel sie wollen. Bin ich nämlich erst einmal drinnen, sitze ich in der Falle, dann ist jeder Gedanke an Flucht aussichtslos.


Sie haben ein Einsehen und lassen mich in Ruhe. Erst nach einer Weile kommt der Mann und trägt mich ins Haus. Zitternd hebe ich meine Nase in die Luft und schnuppere: Wenigstens riecht es hier nicht steril, sondern angenehm würzig nach Hund. Die Frau stellt mir eine Schüssel mit Futter hin. Das duftet verlockend, und weil ich furchtbar hungrig bin, schlinge ich es in Sekundenschnelle hinunter. Sie zeigen mir den Wassernapf und meinen Schlafplatz. In der Küche und im Flur lassen sie eine kleine Lampe brennen. Dann streicheln sie mich noch einmal, reden mir gut zu und gehen ins Bett. Die erste Nacht im neuen Heim steht mir bevor - umgeben von fremden Gerüchen, fremden Geräuschen und fremder Stille. Ich fürchte mich ein bisschen. Ob ich hier wohl heimisch werde? Morgen ist ein neuer Tag, dann sehen wir weiter.


Also dann, gutes Nächtlein und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre Nelly 


 

Nickname 14.06.2018, 19.55| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

GESCHAFFT!

 


Kurz und froh gesagt: Sie haben mich genommen! Es lief alles ganz leicht. Zugegeben, als Frau T. die Haustür aufmachte und die Beiden hereinließ, bin ich erst einmal erschrocken: So ein großer Mann, mindestens 1,90 m! Sie können sich denken, dass mir ein bisschen bange ums Herz war; bisher hatte ich von Männern ja nichts anderes als Fußtritte und Schläge kennengelernt. Vorsichtshalber legte ich mich vor dem Riesen auf den Rücken und präsentierte ihm mein Bäuchlein. Wenn er nur ein paar Brocken Hündisch konnte, dann würde er diese Demutsgeste schon verstehen. Ich kniff die Augen fest zu und wartete. Es dauerte gar nicht lange, bis er anfing, mir mit den Fingerspitzen vorsichtig die Brust zu kraulen. War das angenehm, von mir aus hätte er ewig weitermachen können. Doch da hörte ich die Frau sagen: „So, jetzt bin ich aber auch mal dran!“ Sie hatte sich bis dahin im Hintergrund gehalten, wohl um zu sehen, wie ich auf den Mann reagierte. Nun holte sie eine große Tüte mit Leckerlis hervor, und es dauerte nur eine Minute, bis wir zehn uns um sie versammelt hatten. Das heißt nein, wir waren elf, denn sie hatten noch jemanden mitgebracht: Einen hübschen, blonden Hundejungen, der sich wie selbstverständlich zu uns setzte. Ob sie den gegen mich austauschen wollten? Das hätte mir für ihn leid getan, er gefiel mir nämlich ausgesprochen gut. Aber da irrte ich mich zum Glück.


Nachdem die Tüte mit den Leckereien leer gefuttert war, durften der Blonde und ich uns in aller Ruhe beschnuppern. Das taten wir ausgiebig, drehten gemeinsam ein paar Runden durch den Garten, und im Nu war das Eis zwischen uns gebrochen.


Der Rest ist schnell erzählt: Es mussten nur noch einige Formalitäten erledigt und etwas Geld bezahlt werden, dann hieß es Lebewohl sagen zu Frau T. und meinen Pflegegeschwistern. Sie werden verstehen, ein bisschen wehmütig war mir dabei schon zumute. Ich hatte mich hier ja wohl gefühlt, und wer wusste denn, was mich dort draußen erwartete? Frau T. strich mir beim Abschied über den Kopf, wünschte mir viel Glück und versprach, mich bald besuchen zu kommen, um zu sehen, wie ich es getroffen hätte. Zum Dank für alles leckte ich ihr kurz die Hand und fuhr ihr mit der Zunge einmal quer übers Gesicht. Dann stiegen wir zu viert ins Auto, und die Reise in mein neues Leben begann.


Beim nächsten Mal berichte ich Ihnen mehr darüber.

Also dann, gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Danke, liebes JULCHEN,

dass Du mir den Weg hierher gewiesen hast!

Nickname 13.06.2018, 14.35| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

FAST AM ZIEL!

 


Auf der Pflegestelle bei Frau T., in der Nähe von Berlin, ging es mir gut. Zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich anständiges Fressen und für mich allein ein Körbchen mit einer weichen Decke darin. Das Schönste war, dass ich nicht mehr vor schwarz angezogenen, nach Alkohol stinkenden Männern mit Holzknüppeln und Eisenstangen um mein Leben rennen musste.


Wir waren zu zwölft in dem Haus. Frau T. und ihre Kinder sprachen immer sehr freundlich mit uns und gaben uns viele Streicheleinheiten. Natürlich nie genug, dafür reichten die Hände und auch die Zeit nicht aus. In dem großen, ein bisschen verwilderten Garten durften wir nach Herzenslust buddeln und toben. Mir war das meistens zuviel, ich mochte lieber meine Ruhe haben. Deswegen zog ich mich oft in mein Körbchen zurück und träumte vor mich hin. Wovon? Das wusste ich damals nicht genau, heute ist es mir klar.


Unsere Pflegemama sprach häufig in so ein kleines Ding, das sie Händi nannte. Manchmal kamen danach Menschen, um einen von uns zu besuchen und meistens nahmen sie ihn anschließend mit. Frau T. war dann immer sehr zufrieden, und für uns Zurückgebliebene gab es ein paar extra Leckerlis. Ich habe keine Ahnung, was aus meinen Kameraden geworden ist, aber ich hoffe, sie mussten nicht zurück auf die Straße.


Eines Morgens redete Frau T. wieder mit dem kleinen Apparat. Als sie fertig war, setzte sie sich zu mir, kraulte mich hinter den Ohren und sagte: „Na, meine süße Bona“, (diesen Namen hatte man mir in Rumänien gegeben), „vielleicht wird das heute dein Glückstag, und für dich fängt ein ganz neues Leben an.“ Ein neues Leben? Eigentlich war ich hier mit meinem momentanen recht zufrieden, es war das angenehmste, das ich je geführt hatte. Aber Frau T.´s fröhliche Stimme ließ mich ahnen, dass da draußen womöglich etwas noch Besseres auf mich wartete.


Schluss für heute, ich merke, dass ich schläfrig werde.

Also dann, gutes Nächtlein und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly


Nickname 12.06.2018, 20.25| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

DER HÖLLE ENTRONNEN


Über mein Dasein in Rumänien mag ich gar nicht viel erzählen. Brütende Hitze und klirrende Kälte, auf glühendem Asphalt verbrannte oder am Eis festgefrorene Pfoten; ewiger Hunger, Fressen aus Mülltonnen – falls die Stärkeren in der Gruppe etwas übriggelassen hatten – und ständig auf der Flucht vor den Hundefängern. Mich hatten sie schon erwischt. Zu meinem Glück kamen deutsche Tierschützer, kauften mich frei und brachten mich in ihre Hundeauffangstation. Dort wurde ich kastriert, erhielt meine offiziellen Papiere und durfte endlich ausreisen: Nach Deutschland in ein hoffentlich besseres Leben.


Das alles möchte ich liebend gern möglichst schnell vergessen. Aber Erinnerungen sind hartnäckig. Sie folgen dir überall hin, und die Angst vor grausamen Menschen bleibt. Ich erschrecke immer noch bei lauten Geräuschen, misstraue jedem Fremden, möge er mir noch so freundlich begegnen. Am meisten fürchte ich mich vor dunkel gekleideten Männern. Mein Frauchen (so nenne ich sie inzwischen; bis vor kurzem war sie bloß 'die Frau') wusste das. Sie hatte es in meiner Beschreibung auf der Tierschutzseite gelesen und zu 'dem Mann' (der mittlerweile mein Herrchen ist) gesagt: "Zieh dir am besten helle Kleidung an, wenn wir die Kleine kennen lernen, damit sie keine Angst bekommt." Das war wirklich rücksichtsvoll von ihr. Aber ich habe ja ein feines Gespür und merkte gleich am Geruch, dass er wohl einer von den Guten sein müsse. Ganz allmählich, in kleinen Schritten, lerne ich nun auch zu vertrauen; erst einmal nur den Beiden und ein bisschen der netten Tierärztin, alles Weitere findet sich.


Das genügt für heute, mir fallen schon wieder die Augen zu.

Also dann, gutes Nächtlein auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre NELLY


Nickname 11.06.2018, 20.05| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

INS AUGE GEGANGEN

, Ihr Lieben alle!


Als ich am Dienstag frühmorgens aufgewacht bin, bekam ich einen Riesenschreck. Mein rechtes Auge ging nicht auf und tat höllisch weh. So weh, dass ich ganz laut gejault habe, was ich sonst nie tue. Frauchen ist dann gleich um halb zehn mit mir zur Tierärztin gefahren. Die hat ein ernstes Gesicht gemacht und gemeint, das müssen wir ausschaben. Och nee, dachte ich, nicht schon wieder! Ich hab das nämlich schon dreimal mitgemacht, und immer war es scheußlich.


Das Problem ist mein schwaches Immunsystem, ein Andenken an mein früheres Leben als Straßenhündin in Rumänien. Da gab es nicht so gute und nahrhafte Sachen zu fressen wie hier. Jetzt päppeln wir mit homöopathischen Tabletten und bestem Futter meine Abwehrkräfte auf. Bis die richtig stark sind, bleibe ich eben anfällig und rufe ganz schnell „Hier!“, wenn zum Beispiel Erkältungsviren verteilt werden. Dann schwellen die Lymphknoten in meinem rechten Auge, das wegen der Hornhautverletzung besonders empfindlich ist, stark an. Eklige Pickelchen entstehen da, so wie die kleinen Kerne auf den Erdbeeren. Sie können sich wohl denken, wie schmerzhaft das ist. (Wenn Ihnen schon mal ein paar Sandkörner ins Auge geflogen sind, wissen Sie, was ich meine.) Die müssen dann ausgekratzt werden, natürlich mit örtlicher Betäubung. Die reichte diesmal aber nicht aus; kaum hatte die Tierärztin mein Auge berührt, habe ich auch schon geschrien. Da hat sie noch ernster geguckt und gesagt, dann müssen wir es wohl unter kurzer Vollnarkose machen. Frauchen rief zu Hause an, und Herrchen kam auch in die Praxis. Das Ganze hat nur ein paar Minuten gedauert, und nach einer halben Stunde wusste ich schon wieder, wer und wo ich war. Jetzt heißt es, weiter jeden Tag morgens, mittags, abends und vor dem Schlafengehen Augensalbe schmieren. Darin haben wir schon wochenlange Übung und ehrlich gesagt, wir finden es alle lästig. Aber wenn´s hilft…


In der Narkose habe ich viel buntes Zeug durcheinander geträumt: Von Rumänien, wie ich nach Deutschland gebracht wurde, von der Pflegestelle hier und wie ich in mein neues Zuhause kam. Am besten erzähle ich Ihnen das der Reihe nach. Aber erst morgen, jetzt bin ich müde. Das Schreiben ist ja noch ungewohnt für mich.


Also dann, gutes Nächtlein und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre NELLY 


Nickname 10.06.2018, 20.55| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

WE PRODLY PRESENT...

... Miss Nelly!


Von vorwärts...,





seitwärts...






und rückwärts.




Jeder Schnappschuss ist ein Glückstreffer,

weil unsere kleine Rumänin immer noch große Angst

vorm Fotografieren hat.

Nickname 09.06.2018, 08.15| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

VON FLIEGENDEN HUNDEN UND ABGEBROCHENEN KRONEN

AHOI! (30. Oktober 2017)


Liebe Leute, das wehte hier ja wieder mal tüchtig um die Häuser. Herwart hieß die Kanaille. Zum Glück hat er´s weniger toll getrieben als sein Vorgänger Xavier, aber uns hat´s auch so gereicht. Leichtgewichte wie Nelly und ich mussten tierisch aufpassen, dass wir nicht die Bodenhaftung verlieren und abheben, wenn wir so eine Sturmbö in die Flanke kriegten!


Bei uns im Wald sieht´s aus wie Kraut und Rüben, das kann ich Ihnen bellen. Überall liegen umgestürzte Bäume rum, die Forstarbeiter kommen gar nicht nach mit dem Aufräumen. Wir müssen entweder drüber hüpfen oder drunter durch kriechen oder einen Riesenumweg außen rum laufen. Ganz schön anstrengend auf die Dauer, man ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste. Emmys Frauchen hat erzählt, eine abgebrochene Baumkrone ist praktisch genau vor ihrer und Emmys Nase gelandet und hat sie beide nur um Haaresbreite verfehlt. Gott sei Dank war ihr Schutzengel auf seinem Posten, wäre ja sonst nicht auszudenken gewesen!

 

Dazu hat´s in den letzten Tagen auch noch Strippen geregnet, und alles ist voller Pfützen und Morast. Chef sieht in seinen Gummistiefeln aus wie Peter Alexander beim Angeln und ich, als käme ich direkt aus einer Moorpackung in Bad Nauheim. Frauchen ist not amused, weil sie jeden Tag unsere Handtücher waschen darf.

 

Da fällt mir ein, unsere Große wirkt in letzter Zeit manchmal recht trübsinnig und bedrückt. Liegt vielleicht daran, dass es wieder so früh dunkel wird. Außerdem friert sie ständig, auch wenn´s draußen noch gar nicht so kalt ist. Sie müssen wissen, alles unter 20 Grad (plus, versteht sich) heißt für sie Winter.

 

Ehrlich gebellt glaube ich eher, es kommt daher, dass sie um diese Jahreszeit immer besonders viel an unsere Artgenossen denkt, die in Rumänien, Russland und anderswo auf der Welt ihr trauriges Dasein auf der Straße fristen, wo sie in eisiger Kälte ums nackte Überleben kämpfen müssen. Dort gibt´s keine gefüllten Näpfe und warmen Kuschelbetten. Die Ärmsten müssen sich irgendein Versteck suchen, in dem sie sich verkriechen können und werden obendrein von brutalen, gewissenlosen Menschen verfolgt und gequält. Wir spenden und spenden, sagt Frauchen, aber es ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und das Elend wird immer größer statt kleiner. Dabei, wenn mehr Leute was geben würden, jeder nur so viel, dass er selbst nichts entbehren muss, käme ordentlich was zusammen. Aber die Menschen werden immer gleichgültiger und jeder denkt nur noch an sich, sagt sie. Das merken auch die im Tierheim Herzsprung, die mich damals vor der polnischen Gaskammer gerettet haben. Traurig das, wirklich traurig.

 

Das war´s für heute, gleich ist es Zeit für meine Medizin. Also, bis denne.

 

Macht´s gut, Nachbarn!

Euer BARNY


 

Bei solchem Wetter jagt man doch keinen Hund vor die Tür

(jedenfalls nicht mich!)


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Lieber mach´ ich´s mir im Bett gemütlich und ratze,

bis die Sonne wieder scheint!

Nickname 08.06.2018, 18.10| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

BEINAHE WIE ODYSSEUS

  AHOI! (14. Juli 2015)

 

Liebe Leute, die vergangenen Wochen waren der reinste Höllentrip; eine wahre Odyssee, wie Frauchen sagt. Sowas braucht kein Mensch, erst recht kein Hund. Sie haben mich regelrecht auf den Kopf gestellt, um herauszufinden, was mir fehlt: Röntgen, Ultraschall, Blutbild, Kot- und Urinproben fürs Labor (das war bestimmt ein Bild für Götter, wie Herrchen mit dem Marmeladenglas hinter mir her hechelte und versuchte, den Strahl einzufangen) – sogar den Bauch haben sie mir aufgeschnitten, weil sie glaubten, ich hätte vielleicht eins von meinen Spielzeugen verspeist. Da gibt es die unglaublichsten Sachen. Ein anderer Patient von Frau K., ein Schäferhund, hat zum Beispiel mal einen ganzen Tennisball verschluckt, aber fragt mich bitte nicht, wie. Und ein Cockerspaniel bekam den Spitznamen „Ü – Ei“, weil er immer die kleinen Figürchen aus den Überraschungseiern so lecker fand, weswegen er dreimal operiert werden musste, damit die Kinder ihre Sammlung wieder vollständig hatten.


Bei mir endete die Sache allerdings wie das berühmte Hornberger Schießen. Sämtliche Befunde waren negativ, was in dem Fall ja eigentlich positiv wäre – nur dass es mir trotzdem weiterhin dreckig ging. Ich wurde immer schlapper, hing herum wie ein Schluck Wasser und fraß kaum noch. Frauchen gab sich alle erdenkliche Mühe. Sie kaufte mir die feinsten Leckerbissen, nach denen jeder andere Hund sich alle vier Pfoten geleckt hätte, aber ich kriegte einfach nix runter. Die Ärmste verzweifelte beinahe. Sie weinte viel und betete immer wieder zum lieben Gott um ein Wunder für mich.



Ich hatte schlimmes Bauchweh und bekam jeden zweiten Tag ein starkes Schmerzmittel gespritzt. Das brachte sie dann endlich auf eine heiße Spur. Nachdem ich mich nämlich trotz allem kein bisschen besser fühlte und immer weiter abnahm, zapfte Frau K. mir noch einmal Blut ab, und diesmal gab es tatsächlich einen Befund: Ich hatte wohl inwendig ein bisschen geblutet; dadurch waren zwei Werte erhöht und die deuteten klar auf ein Magengeschwür hin. Das Schmerzmittel war also genau verkehrt gewesen, denn bekanntlich gehen derartige Medikamente ja tierisch auf den Magen; ohne diesen unbeabsichtigten Behandlungsfehler würden wir aber wahrscheinlich heute noch im Dunkeln tappen, oder ich wäre vielleicht schon gar nicht mehr da.


Nun fragt Ihr Euch sicher, wie gerät ein Hund an ein Magengeschwür? Schwer zu sagen, da gibt es verschiedene Möglichkeiten; beispielsweise eine Vergiftung oder eine Infektion mit bestimmten Bakterien. Ehrlich gesagt ist es uns auch total piepegal, woher es kam – Hauptsache, ich werde das fiese Ding möglichst schnell wieder los. Jetzt kriege ich einen Säureblocker, dazu Tabletten, die die Magenwände schützen und natürlich Diät. Wie die allerdings genau auszusehen hat, daran scheiden sich hier bei uns die Geister. Das erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal.


Also, bis die Tage.


Macht´s gut, Nachbarn!

Euer Barny


Nickname 07.06.2018, 19.15| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

UNSER HELD DES TAGES

  Hallo, mein Barnybärchen! (6. Juni 2015) 


Unverhofft kommt oft, davon können wir alle hier ein Lied mit vielen Strophen singen! Eigentlich war Deine Zahn – OP ja erst für nächste Woche angesetzt; aber wie heißt es noch: Wer vorher plant, muss doppelt planen. Am Donnerstag wolltest Du lieber neben Deinem gefüllten Napf verhungern, als nur einen einzigen Happen fressen. Du hattest offensichtlich große Schmerzen. Also rief ich kurz entschlossen bei der Tierärztin an, und sie sagte: „Gut, dann machen wir es morgen früh.“ Da hatten wir Glück, denn ursprünglich stand schon ein anderer Termin auf ihrem Kalender, den sie aber verschoben hatte – warum, das wusste sie selbst nicht mehr genau. Es sollte wohl so sein.


Die Operation war kein Zuckerschlecken, und Frau K. leistete Schwerstarbeit. Über eine Dreiviertelstunde lang fuhrwerkte sie in Deinem Mäulchen herum, die Narkose musste zweimal vertieft werden. Die eine Zahnwurzel steckte so „festgemauert in der Erden“, dass sie nur in Einzelteilen regelrecht heraus gemeißelt werden konnte. Ein Stückchen blieb trotzdem drin, aber Frau K. versicherte uns, dass es keinen Schaden mehr anrichten würde. Um es zu entfernen, hätte sie die Narkose ein weiteres Mal verlängern müssen. Das mochte sie nicht riskieren, denn Dein Blutdruck war so niedrig, dass sie schon Probleme hatte, eine Vene zu finden, um die Braunüle zu legen. So stellte sich ganz nebenbei heraus, dass Dein Herz nicht mehr das kräftigste und wohl auch schon ein bisschen ausgeleiert ist. Eigentlich wäre es dafür bei einem Hund von sieben bis acht Jahren zu früh, aber wir kennen ja Deine Vorgeschichte nicht. Wenn Du Dich von dem Eingriff erholt hast, werden wir eine Ultraschalluntersuchung machen, danach wissen wir mehr. Zum Glück lässt sich so etwas gut behandeln und mit den passenden Medikamenten kannst Du steinalt werden.


Um elf Uhr durften wir Dich abholen. Da wusstest Du schon wieder, wer wir waren und freutest Dich, uns zu sehen. Allerdings warst Du noch recht wackelig auf den Beinchen und knicktest immer wieder ein, darum trug Herrchen Dich vorsichtshalber ins Auto. Kaum zu Hause angekommen, wurde Dir schlecht. Die Tierärztin hatte uns vorgewarnt, dass das als Folge der Narkose passieren könne. Ich wunderte mich allerdings, was da alles zutage kam. Der Menge nach hättest Du nämlich mindestens ein Bernhardiner sein müssen!


In den nächsten Stunden schliefst Du erst einmal Deinen Rausch aus, und gegen Abend warst Du fast wieder der Alte. Dein Magen meldete Hunger, das gabst Du mir deutlich zu verstehen. Gedünstete Hähnchenleber, mikrofein zerkleinert mit Reis war genau das richtige Menü für einen Zahnkranken. Du verspeistest es mit größtem Behagen - so genüsslich hatten wir Dich lange nicht mehr futtern gesehen!


Ich staune immer wieder, wie hart im Nehmen Ihr Hunde seid. Beim Julchen verhielt es sich ebenso. Der Ärmsten wurden ja gleich sechs Zähne auf einmal ausgerupft. Na und? Hinterher ein paar Stunden ratzen, einmal kräftig schütteln und die Angelegenheit war so gut wie vergessen. Dagegen würde unsereiner noch tagelang jammern, sich die Backe halten und sich mit Schmerztabletten dopen.


Heute ging es dann zur Nachkontrolle. Die Tierärztin zeigte sich recht zufrieden; nur an einer kleinen Stelle war die Wundnaht aufgegangen, aber in ein paar Tagen wird auch das verheilt sein. Du bekommst jetzt ein Antibiotikum, damit sich die Knochenhaut vom Kiefer nicht entzündet, und bald kannst Du wieder Deine geliebten Beefsticks kauen.


Hast Dich tapfer geschlagen, mein Kleiner, wir sind mächtig stolz auf Dich. Hoffentlich war es das erst einmal für lange, lange Zeit. Wir lieben Dich von ganzem Herzen!


Dein sehr erleichtertes Frauchen


Nickname 06.06.2018, 13.00| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

EIN SCHUSS IN DEN OFEN

Hey, Barny! (3. Juni 2015)


Gratuliere, mein Lieber - das hast Du sauber hingekriegt! Ein paar Stunden vor dem Besuch bei der Tierärztin fängst Du mitten in der Nacht plötzlich an, Dir die Seele aus dem Leib zu husten und spuckst jede Menge weißes Zeug, dass einem angst und bange werden kann. Frauchen kriegt natürlich voll die Panik, Du könntest was Giftiges gefressen haben. Sie rüttelt Herrchen wach und sagt: „Los, steh auf, wir müssen sofort mit Bärchen in die Klinik fahren!“ Dann springt sie aus dem Bett, zieht sich in Schallgeschwindigkeit an und steht frühmorgens um halb vier vor dem Spiegel, um sich zu schminken. Sie ist ja so eitel, dass sie ohne Farbe im Gesicht nicht mal dem Postboten die Tür aufmachen würde. Ich wette, wenn ihr das Haus überm Kopf abbrennt, legt sie auch erst noch Make-up auf, bevor sie sich von der Feuerwehr retten lässt!


Irgendwann beruhigt sich Dein Husten etwas, und sie wollen nun doch bis neun Uhr warten, wenn du sowieso zur Tierärztin musst. Die zeigt sich verständlicherweise not amused, diagnostiziert eine saftige Erkältung, und damit ist Deine Zahnbehandlung fürs Erste vom Tisch. Aber freu Dich nicht zu früh, das gewährt Dir nämlich nur eine Galgenfrist: Dein neuer Termin für nächsten Mittwoch steht bereits fest!


Der ganze Tag ist irgendwie daneben. Chef kommt nur schwer in die Gänge, das Fraule läuft wie eine Schlafwandlerin durch die Gegend; aber das Beste hast Du Dir mit dem Hustensaft geleistet. Frauchen will ihn Dir richtig professionell mittels einer Spritze ins Maul geben, und was machst Du? Schnalzt einmal kräftig mit der Zunge, und anstatt in Deinem Hals landet das klebrige Zeug mitten in Frauchens linkem Auge! Na, die hat vielleicht geweint! Erstens vor Schmerz, weil es höllisch gebrannt hat und zweitens vor Wut, weil sie sich nun noch mal neu schminken musste. Ich erwähnte wohl schon, wie eitel sie ist. Dann musste sie aber doch lachen und sann auf eine List, wie sie Dir den Saft erfolgreich einflößen könnte. Not macht bekanntlich erfinderisch, und sie kennt ja ihr Leckermäulchen. Frischkäse – Doppelrahmstufe, versteht sich – mit Hustensirup vermischt (in angemessenem Verhältnis, also drei Teile Frischkäse und ein Teil Hustensaft), dann klappt´s auch mit der Medizin!


Ehrlich gesagt beneide ich Dich nicht um das, was Dich nächste Woche erwartet. Ich habe ein bisschen gelauscht, wie Frauchen mit der Tierärztin telefonierte, und was ich da zu hören bekam, klang richtig gruselig. Aber ich weiß ja, Du bist hart im Nehmen, ein ganzer Kerl eben, und sicher werden sie Dich hinterher nach Strich und Faden verwöhnen. Hühnchen, Leber und Schabefleisch, mmhhh... mir läuft gleich das Wasser im Maul zusammen. Bobby und ich kriegen natürlich unseren Anteil, da passen wir schon auf. Jetzt schlaf Dich erst mal gesund, dann sehen wir weiter.


Gute Nacht, und schnarch uns was Feines.

Deine NELLY


Nickname 05.06.2018, 19.30| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

AU BACKE, MEIN ZAHN!

!!  (2. Juni 2015)


Na, Kumpel, da hast Du morgen einen richtig bescheidenen Tag vor Dir: Um neun Uhr früh heißt es antreten bei der Tierärztin zur Zahnbehandlung. Das Ganze unter Vollnarkose, wir machen schließlich keine halben Sachen. Wie es scheint, hast Du echt Zahnweh, weil Du nur noch weiches Zeug fressen magst. Frauchen macht sich natürlich Vorwürfe, dass sie so lange gewartet haben, Du kennst sie ja. Aber jetzt ist sicher genau der richtige Zeitpunkt, damit Du auch über- und überübermorgen noch kraftvoll zubeißen kannst!
(WIR LIEBEN REKLAME!!!)



Bobby und ich drücken Dir sämtliche Pfoten, dass alles gut vonstattengeht. Bist ja ein tapferes Kerlchen, und Chef bleibt bei Dir, da kann gar nichts passieren. Viel Glück, Freund Barny, und halte die Öhrchen fein steif!


Deine Rudelgefährtin

NELLY

Nickname 04.06.2018, 17.15| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

ENDSTATION SEHNSUCHT


Eines Tages geschah es. Meine Mama hatte Pit und mich zum Einkaufen mitgenommen. Vor der Drogerie band sie ihn an einem Fahrradständer fest, dann gingen wir in das Geschäft. Als wir zehn Minuten später wieder herauskamen, war der Hund verschwunden. Leine und Halsband hingen immer noch an dem Ständer, aber von Pit fehlte jede Spur. Er hatte es geschafft, seinen Kopf aus dem Halsband zu ziehen und war wieder einmal auf und davon. Wir konnten uns denken, wohin er gelaufen war und machten uns auf den Weg. Zu Fuß, versteht sich, ein Auto besaßen wir noch nicht. Als wir zur Lindenthaler Allee, einer auch damals schon recht belebten Hauptverkehrsstraße kamen, herrschte dort ziemliche Aufregung. Zwei Autos waren ineinander gefahren, vor dem einen lag ein kleiner Hund – unser Pit. Auf dem Weg zur geliebten „Ömi“ hatte er beim Überqueren der Straße wohl nicht auf die rote Ampel geachtet. Zum Glück war er nur leicht verletzt, er hatte lediglich ein paar Prellungen und ein verstauchtes Hinterbein davon getragen. Den Schaden an den Autos mussten natürlich meine Eltern bezahlen, damals dachte ja noch niemand an eine Haftpflichtversicherung für Hunde. Die geplante erste Urlaubsreise (sie sollte in den Schwarzwald gehen) wurde also noch einmal um ein Jahr verschoben.


Nach diesem Vorfall reichte es meiner Großmutter endgültig. Sie besprach sich mit meinen Eltern und setzte sich dann – vielleicht zum ersten Mal in ihrer Ehe – gegen meinen Großvater durch, indem sie Pit bei sich im Haus behielt. Ich war sehr traurig, dass ich mich von meinem Spielgefährten trennen musste; aber so viel verstand ich schon, um einzusehen, dass es für ihn das Beste war. Außerdem übernachtete ich jede Woche mindestens zweimal bei meinen Großeltern; und das Allerschönste war, dass der Hund dann bei mir im Bett schlafen durfte.


Pit starb ein halbes Jahr später. Nachmittags ging ich mit meiner Omi zum Stachelbeerpflücken in den Garten. Der Kleine lag neben meinem Sandkasten in der Sonne und döste; zumindest glaubten wir das. Als wir jedoch näher kamen und schließlich dicht vor ihm standen, rührte er sich nicht und zuckte mit keiner Wimper. Meine Omi schickte mich zurück ins Haus, um noch eine Schüssel für die Beeren zu holen. Sie ahnte wohl schon, was passiert war. Nachdem sie Pit aus der Sonne genommen und auf einen Stuhl im Schatten gelegt hatte, kam sie zu mir, nahm mich in die Arme und erklärte mir, dass der Hund keine Schmerzen gelitten hätte und einfach ganz friedlich eingeschlafen sei. Bald darauf kamen meine Eltern, und wir begruben Pit unter einem Klarapfelbaum. Ich bin mir sicher, er hat seine letzten Monate noch sehr zufrieden und glücklich verlebt.



Auf Wiedersehen, kleiner PIT!

Nickname 03.06.2018, 12.45| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

WO, BITTE, GEHT´S DENN HIER NACH HAUSE?



Ich gestehe es nur ungern, aber mein Orientierungssinn lässt allerhand zu wünschen übrig. Der beste aller Ehemänner formuliert das so: „Wenn du in Zukunft aus dem Haus gehst, häng dir einen Peilsender um, damit ich dich orten kann, falls du dich mal wieder (soll heißen: so wie immer) verläufst.“


Er hat recht, leider. Für mich sieht eine Straße eben wie die andere aus. In einem Kurbad habe ich vor Jahren am Tag meiner Heimreise sämtliche Konditoreien abgeklappert (es waren siebzehn) und prompt meinen Zug verpasst, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, wo ich diese köstlichen, handgefertigten Trüffelpralinen als Mitbringsel für meine Lieben bestellt hatte. Ein anderes Mal suchte ich in einer Münchner Tiefgarage stundenlang vergeblich nach meinem Auto. Dabei hatte ich mir die Parketage gemerkt und die Nummer des Stellplatzes vorsorglich auf dem Parkschein notiert. Sicher ist sicher. Aber das Auto blieb verschwunden, wahrscheinlich war es geklaut worden. Ich wollte gerade die Polizei verständigen und den Wagen als gestohlen melden, als mir eine innere Stimme zuflüsterte: „Vielleicht probierst du es vorher noch mal im Parkhaus gegenüber…“.


Gestern habe ich das Radfahren für mich wiederentdeckt. Es heißt ja, damit wäre es wie mit dem Schwimmen oder dem Küssen: Wer es kann, der verlernt es nie mehr. Trotzdem fühlte ich mich anfangs etwas unsicher; kein Wunder, denn mein Drahtesel hatte etliche Jahre im Geräteschuppen ein wenig beachtetes Schattendasein geführt. Nach mehreren Anläufen saß ich dann doch wieder fest im Sattel und trat vergnügt in die Pedale. Eine Zeitlang fuhr ich so durch unseren herrlichen Wald, genoss den Sonnenschein, den warmen Wind, das Vogelzwitschern – und wusste plötzlich nicht mehr, wo ich war. Ein Baum sieht ja wie der andere aus. Es dämmerte schon, und langsam wollte ich nach Hause. Mein Instinkt riet mir, ich sollte rechts abbiegen; also war es wohl besser, mich links zu halten. Vorsichtshalber entschied ich mich, doch lieber jemanden nach dem Weg zu fragen. Ich stieg ab und hielt den ersten Radfahrer an, der mir entgegen kam. „Bitte, können Sie mir sagen, wie ich zurück zur Dreilindenbrücke komme?“ Es war eine Dame, die mir bereitwillig und mit unverkennbarem badischen Akzent erklärte: „Ha noi, des isch nimmer weit, des isch glei da vorn, wo´s wieder lichter wird!“ Sodann begann sie, mir ausführlich die Geschichte unseres ehemaligen Berliner Kontrollpunktes Dreilinden zu schildern. Ich hörte ihr zehn Minuten lang zu, dann verabschiedete ich mich mit der Ausrede, dringend aufs Klo zu müssen, bedankte mich und fuhr auf dem von ihr beschriebenen Weg nach Hause.


Für alle, die bis jetzt vergeblich auf eine Pointe warten, hier ist sie: Als ich die hilfsbereite Schwäbin um Auskunft bat, war ich höchstens dreihundert Meter Luftlinie von unserem Haus entfernt – dem Haus wohlgemerkt, in dem ich aufgewachsen bin und seit über fünfzig Jahren lebe. Nicht einmal ich hätte mich da wohl noch verfahren können. Aber schließlich, sicher ist sicher.

Nickname 02.06.2018, 21.53| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: C´EST LA VIE!

ZUHAUSE, ABER NOCH NICHT DAHEIM


Wir waren umgezogen, von Krumme Lanke nach Schlachtensee. Unsere Wohnung lag im oberen Stock einer Gründerzeitvilla, deren Erdgeschoss und Souterrain von den Hauseigentümern bewohnt wurden. Fräulein S. und Herr L. waren ein seltsames Paar. Sie lebten in wilder Ehe miteinander (für damalige Moralvorstellungen unerhört), gingen fast nie aus und empfingen auch nur selten Besuch. Niemand begriff, warum sie überhaupt zusammen blieben, denn sie stritten sich fast ständig, und wir bekamen oben alles mit. Fräulein S. war eigentlich ganz nett, aber vor Herrn L. hatte ich eine Heidenangst. An einen Vorfall kann ich mich noch genau erinnern, obwohl ich damals erst vier Jahre alt war:


Trotz strengsten Verbotes war ich mit Pit in den völlig verwilderten Garten gegangen und hatte dort ein bisschen herum gestöbert. Natürlich fand er alles hochinteressant. Er hatte wohl ein Mauseloch entdeckt, denn er buddelte auf einmal wie verrückt und verschwand beinahe völlig in dem Loch. Nur sein kleines Hinterteil ragte noch heraus. In dem Moment tauchte urplötzlich Herr L. auf und fing an, wie ein Wahnsinniger zu toben. Er hielt eine Schaufel in der Hand und drosch auf den armen Hund ein. Ich muss vor Angst geschrien haben wie am Spieß. Zum Glück hatte meine Mutter oben das Küchenfenster offen stehen und konnte alles mit anhören. Sie kam in den Garten gerannt, stürzte sich auf Herrn L. und riss ihm die Schaufel aus der Hand. Von einer Sekunde zur anderen war er wie ausgewechselt, die Liebenswürdigkeit selbst, so als hätte jemand in seinem Kopf einen Schalter umgelegt. Meiner Mutter gegenüber verhielt er sich sowieso immer äußerst zuvorkommend, er schien tatsächlich Respekt vor ihr zu haben. Außerdem war sie damals eine bildschöne junge Frau, was vermutlich auch eine Rolle spielte. Abends gab es noch eine heftige Auseinandersetzung zwischen meinem Vater und Herrn L., und von da an lebten wir mehr oder weniger in friedlicher Koexistenz, bis wir zwei Jahre später auszogen. In den Garten haben Pit und ich allerdings nie wieder eine Pfote oder einen Fuß gesetzt.


Kein Wunder, dass der Lütte sein Großfrauchen schmerzlich vermisste und Heimweh nach seinem früheren Zuhause hatte. Er liebte uns zwar, aber meine Omi vergötterte er - genau wie ich. Immer wieder büxte er aus und fand mit schlafwandlerischer Sicherheit den Weg in die W…straße, wo er dann völlig erschöpft ankam. Von Haus zu Haus waren es beinahe vier Kilometer; mit dem Auto ein Katzensprung, aber für den kleinen Kerl mit seinen kurzen Beinchen der reinste Marathon. Anscheinend hatte er dabei auch einen guten Schutzengel, denn obwohl er einige belebte Straßen passieren musste, ist ihm nie etwas zugestoßen. Natürlich herrschte damals noch weitaus weniger Verkehr, und diejenigen, die schon ein Auto besaßen, fuhren langsamer und rücksichtsvoller, als es heutzutage viele tun. Gefährlich war es trotzdem, besonders für einen so winzigen Hund. Meiner Omi brach es jedes Mal fast das Herz, wenn wir ihn wieder abholten oder sie ihn uns zurückbringen musste.



Die schönen Beine (züchtig bedeckt) gehören meiner Mama.

 Ganz rechts unser Pit, im Vordergrund

ein Spielkamerad von ihm

und links außen? Ach, das bin ja ich!

Nickname 02.06.2018, 12.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

KLEINER HUND, GANZ GROSS


An unseren Allerersten, den „lütten Pit“, erinnere ich mich eigentlich nur aus Erzählungen. Als ich zur Welt kam, war er schon ein paar Jahre alt. Nach ihrer Heirat hofften meine Eltern lange Zeit vergeblich auf Nachwuchs; dann eröffneten die Ärzte meiner Mutter, dass sie keine Kinder bekommen könne. Sie wünschte sich trotzdem etwas zum Liebhaben und Verwöhnen, also adoptierten sie den kleinen Mischlingsrüden aus dem Tierheim. Aber es heißt nicht umsonst: „Unverhofft kommt oft!“ Sie kam schließlich doch noch zum Kind – na ja, vielleicht nicht ganz wie die sprichwörtliche Jungfrau, nur für meine Eltern war ich tatsächlich so eine Art Überraschungsei.



In ihre Freude mischte sich ein Wermutstropfen: Sie mussten umziehen, denn das Zimmer, in dem sie bis dahin zur Untermiete wohnten, wäre für uns alle viel zu klein geworden. Außerdem hätte der Vermieter kein Baby im Haus geduldet. Das Hundchen hatte er gerade noch toleriert (wohl nur, weil Pit – für seine Rassenmischung eher untypisch – überhaupt kein Kläffer war und so gut wie niemals bellte); aber ein schreiender Säugling, nein danke! Für eine größere Wohnung fehlte ihnen, wie den meisten in den 50er Jahren, das Geld. Zwar hatte mein Vater als technischer Zeichner eine feste Anstellung beim Berliner Senat gefunden, aber fragt nicht nach der Bezahlung! Meine Mutter suchte seit Jahren vergeblich eine Arbeit als Hauswirtschaftslehrerin, und so blieb nur der Weg zurück in ihr Elternhaus. Das Problem war: Mein Großvater (Opa K.) mochte überhaupt keine Hunde. Da er jedoch tagsüber im Büro und fast jeden Abend, sowie an den meisten Wochenenden, in der Kneipe saß, konnte man sich arrangieren. Meine Omi verliebte sich auf Anhieb in den kleinen Hund, und er hing abgöttisch an ihr. Die Leckerbissen, die sie ihm zusteckte, der Garten, das Plätzchen auf ihrem Sessel – für ihn waren es paradiesische Zustände. Aber bekanntlich kann man aus dem Paradies auch wieder vertrieben werden. Als mein Onkel J., der Bruder meiner Mutter, sein Abitur gemacht hatte und mit dem Studium begann, beanspruchte er die Mansarde für sich. Wir zogen also wieder um, damals war ich zwei Jahre alt. Da mein Vater inzwischen besser verdiente, durfte es diesmal eine etwas größere Wohnung sein. Dort gab es zwar auch einen Garten, den zu betreten allerdings unter „Todesstrafe“ stand.


Die Trennung fiel allen schwer – besonders meiner Omi und unserem Pit. Er war ein kleiner Hund mit einem großen Herzen, buchstäblich treu bis in den Tod. Er ließ nichts unversucht, um zu seinem geliebten Großfrauchen und ihren Blumenbeeten zurückzukehren und legte dabei sogar eines Tages den gesamten Straßenverkehr lahm. Darüber beim nächsten Mal mehr.



Meine Mama, Pit und

- im Wägelchen - ich

Nickname 01.06.2018, 09.15| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE

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ÜBER MICH:Geboren vor 62 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.


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