Mitternachtsspitzen

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: SEELENGARTEN

GROSSE WORTE

"Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön." Dieser kluge Rat stammt ausgerechnet von  meinem Lieblingsdramatiker Gotthold Ephraim Lessing. Er war schuld an meinem Einserabitur in Deutsch. Es gab eine Literaturliste, aus der wir wählen durften. Während meine Mitschüler sich auf die zeitgenössischen Autoren stürzten, fand ich als Einzige  Gefallen an der "ollen Kamelle". Recht ungewöhnlich für eine Siebzehnjährige; aber ich hatte schon damals eine Schwäche für alles Ältere. Vielleicht rührte mein Interesse auch einfach daher, dass wir hier in einem Lessing - Viertel wohnen: Sämtliche Straßen sind nach Schauspielfiguren des Dramatikers benannt.

 

Mein Thema war "Nathan der Weise". Bis heute hat mich kein anderes Stück Literatur so beeindruckt und geprägt. Vor kurzem fielen mir beim Ausmisten die beiden, im Laufe der Jahrzehnte reichlich vergilbten Reclamheftchen mit dem Text und den Erläuterungen in die Hände.  

 

Nachdem ich dieses Drama jetzt wieder einmal gelesen habe, fällt mir auf,  wie modern und hochaktuell es auch heute noch ist. (Schließlich stammt der Text aus dem Jahre 1779 und wurde am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt). Leider, möchte ich sagen. Denn mir kommt es vor, als seien wir von einer Welt, in der kluge und weise Menschen wie Nathan leben, der in der Ringparabel so wunderschön aufzeigt, was Religion n i c h t ist und was sie sein k a n n, weiterhin Lichtjahre entfernt.

 

Wir halten uns für aufgeklärt und fortschrittlich; aber angesichts des religiösen Terrors, des Widerstandes und Kampfes gegen Flüchtlinge und Andersdenkende sieht es eher so aus, als würden wir wieder zurückfallen in ein intolerantes, besserwisserisches Zeitalter. Immerhin ist bei mir der religiöse Toleranzgedanke, die Aufforderung, sich stetig um die Wahrheit zu bemühen, ohne Anspruch auf sie zu erheben und sich einem Gott (welchen Namen man ihm auch geben mag) durch gutes, liebevolles Handeln zu nähern, durchaus auf fruchtbaren Boden gefallen. Ich hoffe es wenigstens.

Nickname 28.09.2020, 19.34 | (0/0) Kommentare | PL

TRÄUME SIND KEINE SCHÄUME

Seit einiger Zeit träume ich nachts manchmal die kuriosesten Geschichten. Lauter Dinge, die mit meinem aktuellen Dasein rein gar nichts zu tun haben. Mein Unterbewusstsein kramt sie wohl aus irgendwelchen früheren Leben hervor, damit ich sie endlich auflöse und heile. Das strengt ganz schön an, deswegen bin ich morgens oft unausgeschlafen und komme nur schwer in die Gänge.

 

Mit meinem letzten Traum kann ich wenigstens etwas anfangen: Ich saß mit einer Gruppe von Leuten zusammen – alle zwischen Dreißig und Vierzig, also bedeutend jünger als ich – und wir spielten Kniffel. Das ist ein vergnügliches, nicht allzu anspruchsvolles Würfelspiel, bei dem man sich zwar konzentrieren muss, sich aber trotzdem immer noch angeregt unterhalten kann. Leider war ich die Einzige mit echten Würfeln, Spielblock und Stift. Alle anderen hatten sich das Spiel als App auf ihr Smartphone heruntergeladen und knobelten still vor sich hin.

 

 

 

Das wurde mir bald zu dumm und ich sagte: „Also, mir reicht´s, ich habe keine Lust mehr. Kniffel ist schließlich ein Gesellschaftsspiel und wie der Name sagt, spielt man es miteinander und nicht allein auf einem fremden Stern.“ Zwar hörte niemand hin, dafür waren alle zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber kennen Sie das befreiende Gefühl, wenn Sie endlich etwas ausgesprochen haben, das Sie schon lange loswerden wollten? So war mir nach dem Aufwachen zumute.

 

Wie ich gerade auf Kniffel kam, liegt nahe; ich spiele es regelmäßig mit zwei alten Damen im Heim. Über Smartphones kann ich wenig sagen, denn ich besitze keins. Vor kurzem habe ich gelesen, dass viele Menschen die wachsende Isolation und Vereinsamung in unserem Land beklagen. Mir scheint, sie arbeiten gerade fleißig daran mit.

Nickname 27.09.2020, 20.12 | (0/0) Kommentare | PL

WEM GOTT DIE RECHTE GUNST ERWEISEN WILL

Hier in unserer Gemeinde lebt eine kleine, alte Dame; die Achtzig hat sie längst weit überschritten. Ich kenne sie vom Sehen und Grüßen, weil sie immer um die Monatsmitte das Kirchenblatt austrägt und bei der Gelegenheit unserer ebenfalls hochbetagten Nachbarin einen Besuch abstattet. Das tut sie schon seit über zwanzig Jahren, bei brütender Hitze und eisiger Kälte - egal, ob es draußen gerade regnet, stürmt oder schneit. Unverdrossen zieht sie ihren Einkaufswagen mit den Heftchen, die sie gewissenhaft verteilt. Auch wir finden regelmäßig eines im Briefkasten vor. Dabei zahlen wir schon ewig keine Kirchensteuer mehr. Ich habe ihr das wohl einmal angedeutet. Sie meinte aber, das mache nichts, der liebe Gott brauche sowieso kein Geld. (Sein Bodenpersonal dürfte da ganz anderer Meinung sein; aber das nur nebenbei.)

 

Menschen wie dieses alte Muttchen bewundere ich. Sie hat ihre Bestimmung gefunden, eine Aufgabe, die sie ausfüllt, die sie zufrieden und glücklich macht. Jeder von uns sollte so etwas haben. Dabei spielt es keine Rolle, wofür wir uns entscheiden: Ob wir uns um verlassene Tiere kümmern, Kindern vorlesen, dementen Senioren unsere Zeit schenken oder einen Ökogarten anlegen möchten. Es kommt einzig darauf an, dass das, was wir tun, unsere Seele erfreut und unser Herz zum Lachen bringt.


Nickname 08.09.2020, 16.20 | (0/0) Kommentare | PL

BALL PARADOX

"Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie die anderen mich haben wollen." Diesen Satz habe ich schon auf diversen Seiten als Leitmotiv gelesen. Für mich klingt er fast rührend trotzig, dabei ist er wohl eher provokativ gemeint. Im Grunde trifft er aber genau den Kern der Sache.


Es ist nicht der Sinn unseres Lebens, den Vorstellungen und Erwartungen anderer zu entsprechen. Unser Ego redet uns das zwar ein: "Du musst nur den anderen gefallen, dann hast du Erfolg und wirst geliebt." Unser höheres Selbst, das heißt unser eigentliches ICH, weiß es besser. Wenn wir nicht authentisch sind und auch mal gegen den Strom schwimmen (was das Leben zugegebenermaßen anstrengender macht), dann sind wir auf Dauer nicht glaubwürdig. Und wenn wir uns selbst nicht lieben und wertschätzen, wie soll es dann sonst jemand tun? Wie innen, so außen, ganz einfach und logisch.


Trotzdem stört mich etwas an dieser Aussage, sie erscheint mir irgendwie unvollständig. Wenn man dagegen den Umkehrschluss zieht und beides hintereinander liest, wird das Bild komplett: "Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie die anderen mich haben wollen – und die anderen sind nicht auf der Welt, um so zu sein, wie ich sie haben will!". Toleranz pur. Wobei das Wort für mich immer so einen negativen Beigeschmack hat: Zwar heiße ich es nicht gut, wie er/sie denkt, sich kleidet oder benimmt, aber ich toleriere es halt, weil ich so ein weltoffener, großzügiger Mensch bin. Akzeptanz gefällt mir persönlich besser, denn das bedeutet, den anderen ohne Vorurteile und Vorverurteilungen anzunehmen, genauso wie er ist.


Nun bin ich selbst von dieser Haltung noch Lichtjahre entfernt, ertappe mich täglich dabei, wie ich mir über Menschen eine Meinung bilde, die ich überhaupt nicht kenne und nur flüchtig im Vorbeigehen registriere. Aber wenn wir irgendwann dahin kommen könnten, diesen Satz zu leben, dann wäre das das Ende aller Feindseligkeiten und Kriege. Wir hätten unseren Garten Eden wieder.



Nickname 23.08.2020, 16.07 | (0/0) Kommentare | PL

SO SEI ES!



Der Engel Gottes sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen.


Der Engel Gottes sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen
und dich zu schützen.


Der Engel Gottes sei hinter dir,

um dich zu bewahren
vor der Heimtücke böser Menschen.


Der Engel Gottes sei unter dir,
um dich aufzufangen, wenn du fällst,
um dich aus der Schlinge zu ziehen.


Der Engel Gottes sei in dir,
um dich zu trösten,
wenn du traurig bist.


(Nach einem irischen Segenswunsch)


Nickname 07.08.2020, 14.41 | (0/0) Kommentare | PL

BETREUUNGSWUNSCH EINER ALTENPFLEGERIN FÜR DAS JAHR 2031

"Da ich im Jahr 2031 stolze 75 Jahre sein werde, möchte ich mich Ihnen bei vorstellen:

 

Lassen Sie mir bitte meine Identität. Ich heiße Helga W. und möchte auch so genannt werden. Nicht Oma oder Helga, auch bin ich kein Zirkusmitglied und heiße Floh.


Wahrscheinlich werde ich nicht mehr in der Lage sein, meine Wünsche zu äußern, darum möchte ich es jetzt tun. Aus finanziellen Gründen kann ich mir kein Einzelzimmer leisten, aber meine Bitte: Bei der morgendlichen Grundpflege stellen Sie doch bitte einen Sichtschutz auf, damit ich nicht allen Blicken preisgegeben bin. Beim Duschen zum Abschluss bitte einmal ganz kalt, das bin ich von Kind auf so gewöhnt (daher selten erkältet). Trocknen Sie mich bitte gut ab, damit ich nicht wund werde. Solange ich noch als Altenpflegerin tätig war, habe ich immer auf kurze, saubere Fingernägel Wert gelegt. Würden Sie das bitte für mich übernehmen (auch zu Ihrem eigenen Schutz, damit ich Sie nicht kratzen kann). Falls ich mich nicht mehr allein anziehen kann, hätte ich gern, dass mir die Schwester dabei behilflich ist. Ich möchte so nett wie möglich gekleidet sein. Bitte keinen bunten Paradiesvogel kleiden! Strümpfe ohne Laufmaschen sehen dazu gepflegt aus.


Mein Bargeld reicht wahrscheinlich dazu, dass ich einmal im Monat zum Friseur kann. Ach ja, und einmal Fußpflege bitte, die Hühneraugen tun so schrecklich weh.


Wenn man mir ein gutes Buch zu lesen gibt, zum Beispiel Eugen Roth, reichen Sie mir dann bitte auch meine Brille?


Sollte ich nicht mehr allein essen können, zerkleinern Sie doch bitte die großen Stücke für mich mundgerecht. Gern will ich versuchen, mit dem Löffel auch allein zu essen, damit Sie mich nicht zu füttern brauchen. Der Teller dürfte wohl einen höheren Rand haben, damit ich das Essen nicht über den ganzen Tisch jagen muss. Sie sind sonst verärgert mit mir (was ich vielleicht nicht mehr verstehe), und ich bekomme keine neue Tischdecke.




Wenn ich Blase und Darm nicht mehr kontrollieren kann, würden Sie mich bitte trotzdem wie einen normalen Menschen behandeln? Könnten Sie versuchen, die Nase nicht zu rümpfen, wenn Sie die Bettdecke aufschlagen und es nicht so gut riecht? Nennen Sie mich bitte auch nie einen Schmutzfink, auch wenn es im Sozialhilfegesetz die erhöhte Geldzulage für Schmutzer gibt.


Sollte ich einmal senil sein, Ihre Wünsche nicht verstehen können, schimpfen Sie nicht mit mir, das macht mich nur noch unruhiger und aggressiver.

 

Behandeln Sie mich bitte mit Ruhe und Nachsicht. Meine Welt wird zunehmend kleiner, darum lassen Sie mich doch an Ihrer ein klein wenig teilhaben. Erzählen Sie mir doch etwas von Ihrer Familie oder wie Ihr Urlaub war.


Meine Wünsche nehmen kein Ende, doch sind sie alle echt einfach zu erfüllen. Was ich brauche ist ein gutes Essen, menschliche Wärme und jemand, der mich liebevoll betreut und versorgt. Ich habe Ihnen viel zum Nachdenken gegeben, vielleicht kann ich auch das später nicht mehr und Sie müssten es für mich tun. Würden Sie das für mich übernehmen?

 

Für alle Ihre Bemühungen möchte ich mich jetzt bei Ihnen bedanken, vielleicht kann ich das später nicht mehr.

Helga W.


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Ich gestehe, dass mir beim Lesen regelmäßig die Tränen kommen. Im Grunde klingt das alles selbstverständlich, ist es aber leider nicht immer und überall. Nachdenkenswert ist es allemal, finde ich.

Nickname 26.07.2020, 18.35 | (0/0) Kommentare | PL

BEGLEITSÄTZE FÜR FREITAG, DEN 24. JULI 2020




"Heute entscheide ich mich bewusst dafür,
dankbar über all die guten Dinge nachzudenken,
die das Leben mir schenkt."


***********


"Ich bin in meiner Welt
die schöpferische Macht.
Ich entfalte meine Kreativität
auf bestmögliche Weise."


Louise L. Hay

Nickname 24.07.2020, 06.30 | (0/0) Kommentare | PL

MEINE ERKLÄRUNG DER SELBSTACHTUNG



Ich bin ich.
Auf der ganzen Welt gibt es niemanden, der genauso ist wie ich.


Es gibt Menschen, die mir in Teilen ähnlich sind, aber niemand ist ganz wie ich. Deswegen gehört alles, was von mir kommt, auf authentische Weise mir, weil ich allein es wähle.


Mir gehört alles von mir - mein Körper und alles, was er tut; mein Verstand und alle Gedanken und Ideen; meine Augen und alle Bilder, die sie erblicken; meine Gefühle, welche immer sie sein mögen: Wut, Freude, Frustation, Liebe, Enttäuschung, Aufregung; mein Mund und alle Worte, die aus ihm kommen - höflich, süß und roh, richtig oder falsch; meine Stimme, laut und leise; alle meine Taten, ob sie auf andere oder mich selbst gerichtet sind.


Mir gehören meine Phantasien, meine Träume, meine Hoffnungen, meine Ängste.
Mir gehören alle meine Triumphe und Erfolge, ebenso alle meine Niederlagen und Fehler.


Weil mir alles von mir gehört, kann ich mir selbst eng vertraut werden. Dadurch kann ich mich lieben und in allen Teilen freundlich zu mir sein. Ich kann es dann allem von mir möglich machen, in meinem besten Interesse zu wirken.


Ich weiß, es gibt Aspekte von mir selbst, über die ich im Unklaren bin und andere Aspekte, die ich nicht kenne. Aber solange ich mir selbst gegenüber freundlich und liebend bin, kann ich mutig und hoffnungsvoll nach Lösungen für das Rätsel und nach Möglichkeiten suchen, mehr über mich herauszufinden.


Wie auch immer ich in einem gegebenen Augenblick aussehe und klinge, was immer ich sage und tue und was immer ich denke und fühle, bin ich. Dies ist authentisch und repräsentiert, wo ich zur Zeit stehe.


Wenn ich später überblicke, wie ich aussah und klang, was ich sagte und tat, wie ich dachte und fühlte, können sich einige Aspekte als unpassend herausstellen. Ich kann das Unpassende verwerfen und das behalten, was sich als passend erwiesen hat und etwas Neues erfinden für das, was ich verwarf.


Ich kann sehen, hören, fühlen, denken, sagen und tun. Ich besitze das Handwerkszeug um zu überleben, anderen nahe zu sein, produktiv zu sein, aus der Welt der Menschen und Dinge, die mich umgeben, Sinn und Ordnung zu schaffen.


Ich gehöre mir, und deswegen kann ich mich gestalten.
ICH BIN ICH, UND DAS IST OKAY.

(VIRGINIA SATIR)

***************


Nun, ich denke,es täte sicher uns allen gut, wenn wir uns wieder darauf besinnen würden.


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VIRGINIA SATIR(* 26. Juni 1916, Neillsville, Wisconsin; † 10. September 1988, Kalifornien) war eine der bedeutendsten Familientherapeutinnen. Sie wird auch häufig als Mutter der Familientherapie bezeichnet.

Nickname 19.07.2020, 18.39 | (0/0) Kommentare | PL

ALLES HALB SO WILD!

Wissen Sie…, manchmal wächst mir das alles hier über den Kopf. Diese tausenderlei Dinge, die ständig zu erledigen sind: Hunde und Ehemann versorgen (man beachte die Reihenfolge!), Haus und Häuschen halbwegs in Ordnung halten, der Garten, die Tierschutzarbeit, die Vorbereitungen für meine Seniorenbeschäftigung, und, und, und… Da hocke ich dann manchmal da, bin den Tränen nahe und denke, oh, Gott, wie schaffe ich das bloß? 


Dabei ist das die reine Hysterie, von mir selber hausgemacht. Denn erstens hat mich niemand gezwungen, den weltbesten Mann, der zu haben war, zu heiraten; ich hätte ebenso gut Single bleiben können. Es hat auch keiner von mir verlangt, mehrere Hunde zu halten. Das war allein meine Herzensentscheidung, mitgetragen vom Besten, wofür ich ihm ewig dankbar bin. Das vorstellbar schönste Fleckchen Erde hätten wir leicht verkaufen und uns irgendwo anders niederlassen können. Mich für gequälte, missbrauchte Tiere einzusetzen, ist mir seit meiner frühen Jugend ein Grundbedürfnis; und von der Arbeit mit meinen lieben Alten – von unseren Musik- und Spielenachmittagen – habe ich selbst am meisten, weil sie mir das gute Gefühl geben, anderen Menschen nützlich zu sein.


Vor kurzem geriet ich beim Fernsehen in das Interview mit einem Autor, der ein Buch über Nordkorea geschrieben hat. Ich wusste schon, dass dort schlimme Zustände herrschen, aber derart katastrophal hatte ich sie mir nicht vorgestellt.  Seitdem sage ich mir, wenn ich mal wieder ins Trudeln komme und mich wie im Hamsterrad fühle, das ist nichts als reiner Luxus. Ich muss das alles nicht tun, sondern ich darf. Das ist nicht nur so dahin gedacht, sondern die Wahrheit. Ich weiß oft gar nicht, wie gut es mir geht.



Nickname 16.07.2020, 19.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

SPÄTSOMMER TEIL 9: LEBENSANZEIGE



Mein Großvater


KARL FRIEDRICH E. (Anm.: Namen und Jahreszahl können beliebig ausgetauscht werden)


feiert heute seinen 87. Geburtstag.


Seit Jahren ist er durch eine sehr schwere Krankheit Tag und Nacht ans Bett gefesselt. Er, der ehemals so beliebt und hochgeachtet war, fristet nun sein Dasein in großer Einsamkeit.


Wenn wir Angehörigen statt dieses vielleicht sonderbaren Aufrufes die traurige Nachricht von dem in Gott erfolgten Ableben unseres verehrten Karl Friedrich Eberling hier hätten abdrucken lassen, wäre des geäußerten Bedauerns kein Ende gewesen. Sein Leichenzug hätte sich durch die Anzahl von Trauenrden, durch Ehrengeleit, Pracht der Blumen und die Feierlichkeit der Nachrufe zu einer Massenkundgebung seltener Wertschätzung eines Mitbürgers ausgeweitet.


Ich erlaube mir vorzuschlagen, dass man von dieser einem Toten zu spät dargebrachten Ehrung absehen möge, dafür aber die wenigen Wochen, die dem Kranken und Einsamen noch zu erleben verbleiben, durch abwechselnde Besuche und gelegentliche Ansichtskarten, die ihn sicher sehr freuen würden, zu verschönen.


Im Namen der Angehörigen
Manfred E.

Nickname 08.07.2020, 19.00 | (0/0) Kommentare | PL

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ÜBER MICH:Geboren vor 65 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von sieben allerliebsten Fellnasen.



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