Mitternachtsspitzen

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Weg

Wo geht´s denn hier nach Hause?

Ich gestehe es nur ungern, aber mein Orientierungssinn lässt allerhand zu wünschen übrig. Der beste aller Ehemänner formuliert das so: „Wenn du in Zukunft aus dem Haus gehst, häng dir ein GPS um, damit ich dich orten kann, falls du dich mal wieder (soll heißen: so wie immer) verfährst oder verläufst.“


Leider hat er recht. Für mich sieht eine Straße eben wie die andere aus. In einem Kurbad habe ich einmal am Tag meiner Heimreise siebzehn Konditoreien abgeklappert und prompt meinen Zug verpasst, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, wo ich diese köstlichen, handgefertigten Trüffelpralinen als Mitbringsel für meine Lieben bestellt hatte. Und vor Jahren suchte ich in einer Münchner Tiefgarage stundenlang vergeblich nach meinem Auto. Dabei hatte ich mir die Parketage gemerkt und die Nummer des Stellplatzes vorsorglich auf dem Parkschein notiert. Sicher ist sicher. Aber das Auto blieb verschwunden, wahrscheinlich war es geklaut worden. Ich wollte gerade die Polizei verständigen und den Wagen als gestohlen melden, als mir eine innere Stimme zuflüsterte: „Vielleicht probierst du es vorher noch mal im Parkhaus gegenüber…“.


Im vergangenen Sommer habe ich das Radfahren für mich wiederentdeckt. Es heißt ja, damit wäre es wie mit dem Schwimmen oder dem Küssen: Wer es einmal kann, der verlernt es nie mehr. Trotzdem fühlte ich mich anfangs etwas unsicher; kein Wunder, denn mein Drahtesel hatte mindestens zehn Jahre lang im Geräteschuppen ein kaum beachtetes Schattendasein geführt. Nach mehreren Anläufen saß ich dann doch wieder fest im Sattel und trat vergnügt in die Pedale. Eine Zeitlang fuhr ich so durch unseren herrlichen Wald, genoss den Sonnenschein, den leichten Wind, das Vogelzwitschern – und wusste plötzlich nicht mehr, wo ich war. Ein Baum sieht ja wie der andere aus. Es dämmerte schon, und langsam wollte ich nach Hause. Mein Instinkt riet mir, ich sollte rechts abbiegen; also war es wohl besser, mich links zu halten. Vorsichtshalber entschied ich mich, doch lieber jemanden nach dem Weg zu fragen. Ich stieg ab und hielt den ersten Radfahrer an, der mir entgegen kam. „Bitte, können Sie mir sagen, wie ich zurück zur Dreilindenbrücke komme?“ Es war eine Dame, die mir bereitwillig und mit unverkennbar schwäbischem Akzent erklärte: „Ha noi, des isch nimmer weit, des isch glei da vorn, wo´s wieder lichter wird!“ Sodann begann sie, mir ausführlich die Geschichte unseres ehemaligen Berliner Kontrollpunktes Dreilinden zu schildern. Ich hörte ihr zehn Minuten lang zu, dann verabschiedete ich mich mit der Ausrede, dringend aufs Klo zu müssen, bedankte mich und fuhr auf dem von ihr beschriebenen Weg nach Hause.


Für alle, die bis jetzt vergeblich auf eine Pointe warten, hier ist sie: Als ich die hilfsbereite Touristin um Auskunft bat, war ich höchstens dreihundert Meter Luftlinie von unserem Haus entfernt – dem Haus wohlgemerkt, in dem ich aufgewachsen bin und seit fünfundfünfzig Jahren lebe. Nicht einmal ich hätte mich da wohl noch verfahren können. Aber schließlich, sicher ist sicher.

Nickname 11.01.2017, 15.33 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

So muss das!

Wenn Du einen Weg eingeschlagen hast, der Dein Glück bedeutet, und andere Dich nicht verstehen - dann betrachtest Du unter den vielen Meinungen DEINE eigene hoffentlich als die wichtigste!

Nickname 23.10.2016, 15.08 | (0/0) Kommentare | PL

Weite Wege



"Mögest du wertschätzend
auf deine Ahnen zurückblicken können,
die weite WEGE gegangen sind,
dein Leben erst ermöglichten
und bis zum heutigen Tag
hinter dir stehen."

(Irischer Segen) 

Nickname 03.08.2016, 08.46 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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ÜBER MICH:Geboren vor 61 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.


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Komisch! Meine Socken sind immer paarweise au
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So eine Eselsbrücke habe ich mir für Stalakmi
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mondbub:
Dankeschön! Heute Abend hat der Michel etwas
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Anne:
Liebe Sabine,durch die Erkältung und den Hust
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Geschäftstüchtig der Mann!Gruß, G.
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Überaus schön! Herzlichen Dank für die Lach-A
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Gudrun:
Ja! Da haben die Tiere eigentlich vollkommen
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Anne:
Guten Morgen, liebe Bärliner,heute muss ich a
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:
Liebe Sabine,ja,sehr schön ist das geschriebe
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Karin:
Sehr schön geschrieben. Hoffentlich denkt man
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