Mitternachtsspitzen
Gelassen zu sein bedeutet, losgelassen zu haben

...mehr

gemeldet am: 28.06.2017 12:00

ZUM GUTEN SCHLUSS

   


Erinnern Sie sich an die 'unheimliche Begegnung der dritten Art' mit meinem Klon? Ich sage Ihnen, das war echt gruselig! Jeder hat ja angeblich irgendwo auf der Welt einen Doppelgänger. Bekannte wollen unser Frauchen zum Beispiel mal am Strand von Mallorca gesichtet haben. Die schwören heute noch Stein und Bein, dass sie und nur sie es gewesen sein kann. Dabei hat die Große noch nie im Leben einen Fuß auf die Insel gesetzt. Aus der Ferne mag das ganz lustig scheinen. Aber wenn man sich dann selbst leibhaftig gegenübersteht, sieht die Sache schon anders aus.


Zurück zu Benny, so heißt mein Schwippzwilling. Stellen Sie sich vor, es könnte sein, dass wir gemeinsame Vorfahren haben! Sein Frauchen erzählte nämlich, sie hätte ihn von ihrem Schwiegerpapa geerbt. Der war damals schon achtzig, als er den Hund aus dem Tierschutz übernahm. Wenn Sie mich fragen, ein bisschen alt für einen zweijährigen, quirligen Hundejungen! Die beiden lebten in einer Zweizimmerwohnung. Viel Auslauf hatte Benny da nicht. In der Nähe gab es zwar einen kleinen Park, aber dort durften die Hunde natürlich nicht herumtoben, sondern mussten brav an der Leine laufen.


Ursprünglich stammt Benny genau wie ich aus Rumänien. Er hat dort auf der Straße gelebt, bis er von den Hundefängern gekascht wurde. Gott sei Dank haben deutsche Tierschützer ihn aus dem Tötungslager gerettet, nur ist nicht bekannt, wo genau das war. Wir sind auch gleichaltrig, beide so sieben bis acht Jahre. Wer weiß, am Ende sind wir sogar echte Geschwister! Benny lebt jetzt bei seiner neuen Familie in Kleinmachnow – das liegt direkt bei uns um die Ecke – in einem Haus mit großem Garten. Vielleicht können wir ihn da ja mal besuchen. Umgekehrt wird´s ein bisschen schwierig, weil unser Woody mit fremden Hunden noch nicht so richtig gut Freund ist.


Irgendwie schon komisch, auf einmal einen Bruder zu haben, von dem man bisher nicht wusste, dass es ihn gibt. Aber vielleicht ist unsere Ähnlichkeit ja auch bloß ein Zufall, sozusagen eine Laune der Natur. Was soll´s, für mich bleibt so oder so alles beim Alten. Frauchen hat nämlich gesagt, egal, wie viele Brüder, Schwestern, Vettern oder Kusinen von mir noch auftauchen – sie hält es mit einem bekannten Schlager aus den 60ern. Der geht so:

„…es gibt Millionen von Sternen,

in der Nacht brennen tausend Laternen,

Gut und Geld gibt es viel auf der Welt,

aber dich gibt´s nur einmal für mich!“


Ist das nicht schön?

Also dann, gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre NELLY


Nickname 28.06.2017, 16.13| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

DIE WELT IST EIN DORF!

 


Wie man sich doch irren kann. Bisher dachte ich immer, ich sei ein Unikat, und Frauchen meint das auch. Wenn ich meine selbst einstudierte Ballakrobatik zeige oder einen Indianertanz aufführe, bei dem garantiert jeder Häuptling vor Neid erblasst, lacht sie, bis ihr die Tränen kommen und sagt, Nelly, du bist wirklich einmalig. Stellen Sie sich nun mein Entsetzen vor, als ich mich heute beim Waldgassi urplötzlich meinem Zwilling gegenübersah! Ich stehe jetzt noch unter Schock, das können Sie mir glauben. Der Schrecken schlug mir augenblicklich auf die Eingeweide, und ich musste mich schleunigst ins Unterholz verdrücken.


Zuerst glaubte ich an irgendeinen dämlichen Aprilscherz, oder mein Double wäre eine Art Fata Morgana und würde sich bei genauerem Hingucken in Luft auflösen. Aber weit gefehlt. Nachdem sich mein Innenleben beruhigt hatte und ich wieder aus dem Gebüsch hervorkroch, sah ich ihn mitten auf dem Waldweg liegen, wo er zwei Schmetterlinge beobachtete, die in der Sonne spielten und sich abwechselnd hinter dem linken und dem rechten Ohr kratzte. Hoffentlich hatte der keine Flöhe! Die springen ja meilenweit und hätten uns auch leicht verwechseln können, ähnlich wie wir uns waren. Er drehte sich nach mir um, wedelte freundlich mit seinem – meinem! - Schwanz und zwinkerte mir vertraulich zu.


Es war einfach unglaublich. Er hatte genau meine Größe, meine Statur, das gleiche dezente Grau um Schnauze und Brustansatz sowie – leider muss ich es zugeben – das gleiche schwarzglänzende, seidige Fell. Zum seinem Glück besaß er – anders als ich – noch beide Augen. Davon abgesehen glichen wir uns wie ein Ei dem anderen und wären glatt als doppeltes Lottchen durchgegangen – hätte es da nicht „den kleinen Unterschied“ gegeben. Sie verstehen schon, und ich brauche nicht weiter in intime Details zu gehen.


Ansonsten schien mein Klon nicht die hellste Kerze im Leuchter zu sein. Unsere Ähnlichkeit war ihm offenbar noch nicht aufgefallen; er tat zumindest so, als wäre das alles ganz normal. Ich brauchte dringend moralische Unterstützung. Unsere Frauchen waren längst in eine lebhafte Unterhaltung vertieft; sie schwatzten und lachten und achteten nicht weiter auf uns. Hilfesuchend sah ich mich nach Barny um. Aber der hatte inzwischen seine Busenfreundin Emmy entdeckt, ein hübsches Retrievermischlingsmädel; wenn die auf der Bildfläche erscheint, vergisst er alles andere und hat nur noch Augen für sie.


Mir war schlecht, ich wollte nach Hause. Zum Glück hatten unsere Frauchen gerade ihren Plausch beendet und verabschiedeten sich mit dem Versprechen, bald wieder gemeinsam spazieren zu gehen. Na, aber das nächste Mal dann bitteschön ohne mich! Wir fingen Barny ein, der sich nur schwer von seiner Emmy losreißen konnte und fuhren nach Hause, wo ich mich sofort in mein Körbchen flüchtete und mir die Decke über den Kopf zog. Bloß nichts mehr hören und sehen. Mir reichte es, vielen Dank, und von Doppelgängern bin ich für den Rest meines Lebens bedient! 


 


Bin ich´s oder bin ich´s nicht???

(Auflösung: Ja, ich bin es - Gott sei Dank!

Frauchen hatte nämlich keine Kamera dabei)


Jetzt am Abend – nach einem ausgiebigen Nickerchen, einem ordentlichen Abendfresschen und mit genügend Abstand – betrachte ich die Angelegenheit schon etwas anders. Ein Zwillingsbruder wäre vielleicht gar nicht so übel. Wenn ich mir überlege, was wir zwei alles anstellen könnten… Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass wir tatsächlich um ein paar Ecken miteinander verwandt sind. Das Leben geht ja manchmal seltsame Wege, und sein Frauchen hat da was erzählt. Mehr darüber demnächst. Mir fallen schon wieder die Augen zu, obwohl ich gerade erst ein paar Stunden geschlafen habe. Das alles war wohl doch ein bisschen viel für mich.


Also dann, gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre Nelly


Nickname 28.06.2017, 16.13| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

UNTER DEN BLINDEN



Das Sprichwort sagt, dort sei der Einäugige König. Allzu wörtlich würde ich das aber nicht nehmen. Du hast dich gestern sicher kein bisschen wie eine Königin gefühlt, als du nach der Operation aus der Narkose aufgewacht bist und einäugig warst. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und uns nur schweren Herzens zu dem Schritt entschlossen, das darfst du mir glauben. Gemeinsam mit der Tierärztin haben wir alles versucht, um dir das Auge zu erhalten. Wochenlang hast du Medikamente geschluckt, wir haben geträufelt und gesalbt. Leider trat keine Besserung ein, es wurde im Gegenteil immer schlimmer. Ich will gar nicht wissen, was für Schmerzen du ausgehalten hast; ich wäre wahrscheinlich schon längst schreiend durch die Decke gegangen, wehleidig wie ich bin. Die Tierärztin hatte gleich den Verdacht, dass ein Tumor dahinter steckt, und das hat sich nun bestätigt. Die Geschwulst hat auf den Sehnerv gedrückt und obendrein den Augapfel gequetscht. Armes Mäuschen, das muss höllisch weh getan haben. Verglichen damit sind die Wundschmerzen jetzt wohl ein Klacks; und dass ein Hund auch mit einem Auge ein glückliches und zufriedenes Leben führen kann, sehen wir am Böbchen. Jetzt hinterher tut es uns natürlich leid, dass wir so lange gewartet haben. Aber ein Auge zu entfernen ist schließlich etwas anderes, als einen Splitter aus der Pfote zu ziehen. Da überlegt man dreimal, bevor man etwas tut, das nicht mehr rückgängig zu machen ist.

 

Bis in zehn Tagen die Fäden gezogen werden, musst du den doofen Kragen anziehen. Dumme Witze gibt es gratis dazu – von wegen Rettungsweste oder Kardinal Richelieu. Aber mach dir nichts draus, betrachte ihn einfach als modisches Accessoire. Herrchen hat auch gesagt, dass die Farbe dir super steht. Außerdem sind diese modernen aufblasbaren Teile wesentlich bequemer als die Plastikdinger, die es früher gab. Die hatten so scharfe Kanten, dass nach dem Tragen erst mal die Wände frisch tapeziert und die Möbel restauriert werden mussten.

 

Gute Heilung, meine Kleine. Wirst sehen, bald ist alles vergessen. Dann guckst du wieder fröhlich ins Leben. „Wer dich liebt, lacht doch“, hat mein Papa immer gesagt; und für uns bleibst du auch mit Handicap das hübscheste Hundemädchen der Welt.


Nickname 28.06.2017, 16.10| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

OHNMÄCHTIGE TRÄNEN

 


Seit dem frühen Nachmittag sitzt Frauchen da und weint immer wieder bittere Tränen. Sie tut mir so leid! Es fing an, als sie dieses Gedicht hier gelesen hat:


DER ALTE KETTENHUND


"Ich bin allein; es ist schon Nacht und stille wird's im Haus.
Dort ist ein Feuer angefacht, dort ruht mein Herr sich aus.
Er liegt im warmen Federbett, deckt bis ans Ohr sich zu,
und ich auf meinem harten Brett bewache seine Ruh'.


Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht,
der Wind aus Ost weht kalt;
die Kälte ins Gebein mir kriecht,
ich bin ja auch schon alt.
Die Hütte, die mein Herr versprach, erlebe ich nicht mehr,
der Regen tropft durch's morsche Dach,
Stroh gab's schon längst nicht mehr.


Die Nacht ist kalt, der Hunger quält,
mein Winseln niemand hört -
und wüßt mein Herr auch, was mir fehlt -
er wird nicht gern gestört.
Die Nacht ist lang - zum zehnten Mal leck ich die Schüssel aus,
den Knochen, den ich jüngst versteckt, den grub ich längst schon aus.


Die Kette, die schon oft geflickt, sie reibt den Hals mir bloß.
Sie reicht nur noch ein kurzes Stück, und nie werd' ich sie los.
Was Freiheit ist, das lern' ich nie,
doch weiß ich, ich bin treu.
So lieg ich, warte auf den Tod,
denn dieser macht mich frei."


Leider ist nicht bekannt, wer dieses Gedicht geschrieben hat, es muss aber wohl jemand mit einem weichen, mitfühlenden Herzen gewesen sein. Herrchen, Barny und ich haben immer wieder versucht, unsere Große zu trösten, doch bisher war unsere Mühe vergeblich. Sie sagt, sie hat eine unbändige Wut auf die Menschen, fühlt sich so ohnmächtig und manchmal möchte sie am liebsten alles kurz und klein schlagen. Ich kann sie gut verstehen. Aber wer unser Frauchen kennt, der weiß, sie belässt es nicht beim Weinen, sondern muss selbst etwas tun. Und sie sagt, die besten Ideen kommen ihr immer dann, wenn sie so richtig wütend ist. Ich weiß noch nicht genau, was sie vorhat; nur dass es dabei um Tierschutz gehen soll, ist klar. Jetzt hört sie endlich auf zu weinen, Gott sei Dank! Ich habe nämlich schon Bauchweh vor lauter Mitgefühl. Aber das verschwindet sofort wieder, wenn es nachher Abendbrot gibt.


Also dann, gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Das ist WENDY, eine meiner Vorgängerinnen.

Sie musste hier nie an der Kette liegen -

ebenso wenig wie wir anderen!



Nickname 28.06.2017, 16.07| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

NACHGETRAGENES

So eine Sch…weinerei! Nachtrag von Frauchen


Trotz des unerfreulichen Intermezzos haben wir diesen und noch einen zweiten schönen Spaziergang sehr genossen. Es war aber auch ein richtiger Traumtag: Wolkenloser, strahlend blauer Himmel, das Laub raschelte unter den Füßen und leuchtete in den prächtigsten Farben, die Sonne schien unverdrossen bei sagenhaften 20 Grad. Um die Mittagszeit sang sogar eine Amsel ein spät-, spätsommerliches Lied. Nach der Gassirunde habe ich mich im Garten in die Sonne gelegt und noch einmal meinen natürlichen Vitamin – D – Speicher aufgefüllt. Einfach herrlich!


Mithilfe meines Engels übe ich gerade mehr Achtsamkeit: Bewussteres Atmen, Laufen, Hören und Sehen. Leben im Hier und Jetzt. Ich möchte lernen, Tage wie heute als Erinnerung in meinem Herzgedächtnis zu speichern. Daraus kann ich sie dann abrufen, damit sie mir über die dunkle, trübe Zeit hinweghelfen, bis wieder hellere Tage kommen. Vorhin gab es bei uns einen einzigartigen Sonnenuntergang mit ganzen Herden von rosaroten Schäfchenwolken. Jeder weiß, dass sie Schlechtwetterboten sind, und mein erster Gedanke war: Schade, nun ist der goldene Oktober wohl endgültig vorbei. Aber dann sagte ich mir: STOPP! Was zählt, ist nur dieser Moment. Jetzt ist es schön, du siehst das zauberhafte Farbenspiel am Himmel, das allein dafür gemacht ist, dich zu erfreuen. Also genieße es und sei dankbar, dass du das kannst. Kennen Sie das Lied „Fang das Licht“ von Karel Gott? Genauso sollte man es machen.


Einen angenehmen Feierabend wünscht
Ihre

Nickname 28.06.2017, 15.58| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

SO EINE SCH...WEINEREI!

 


Junge, Junge, unser Frauchen war vielleicht sauer, als wir vormittags vom Waldgassi heimkamen. So wütend habe ich sie noch nie erlebt. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz und benutzte Ausdrücke, die ich hier lieber nicht wiederhole. Was war passiert? Schon bei der Rückfahrt fiel ihr auf, dass es im Auto strenger roch als sonst. Wie sie dann zuhause die Schuhe auszog, sah sie die Bescherung: Die Sohle vom linken Schuh klebte voll Hundesch...e! Da hatte es mal wieder jemand versäumt, seinem Fifi beizubringen, dass man auch im Wald sein großes Geschäft nicht mitten auf dem Weg erledigt. Sie achtet ja schon immer darauf, wo sie hintrtitt. Aber jetzt, wo alles so schön dick mit Laub bedeckt ist, kann man nicht gleich jede Hinterlassenschaft erkennen.


Herrchen brauchte geschlagene zehn Minuten, bis er den Schuh wieder blank geputzt hatte. Frauchen sagt, man müsste diese Leute packen und mit der Nase direkt in so einen Haufen stecken; dann wüssten sie, wie eklig das ist. Ich finde, sie hat recht.


Mit mir hat es diese Probleme übrigens von Anfang an nicht gegeben. Wie durch ein Wunder war ich nämlich schon total stubenrein, als ich aus Rumänien in meine Pflegestelle kam. Ich wusste auch, dass man an die Seite oder ins Gebüsch geht, wenn man groß muss. Dabei hatte ich niemanden, der mir das beigebracht hätte, als ich noch ein Welpe war. Die beste - wenn auch harte und oft unbarmherzige - Schule ist eben manchmal das Leben selbst.


Also dann, noch einen sonnigen Tag und auf Wiederlesen.


Bleiben Sie sauber!
Ihre Nelly


Nickname 28.06.2017, 15.01| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

NICHTS VERSÄUMT - NUR GETRÄUMT?

 


Manchmal werde ich in aller Herrgottsfrühe wach, wenn es draußen noch dunkel ist. Barny schnarcht friedlich in seinem Körbchen, die Großen schlafen tief und fest. Meine innere Uhr zeigt mir an, dass ich sie erst in ungefähr zwei Stunden wecken darf. Ich strecke mich genüsslich, schüttle mein Fell und kratze mich hinterm Ohr (dem rechten oder linken, wo es gerade juckt). Dann mache ich ein paar Drehungen und kuschle mich wieder in meine Decke. Sekunden später bin ich eingenickt.


Im Halbschlaf träume ich die verrücktesten Sachen: Gestern zum Beispiel von einer Schlange, die zusammengerollt vor Herrchens Bett neben seinem Stummen Diener lag. Sie ähnelte ein bisschen der von neulich im Wald. Nur war diese hier anders gemustert – breite, silberfarbene Streifen auf dunkelblauem Grund – und um einiges länger. Eben wollte ich sie ausgiebig beschnuppern, da wurde ich von einem Geräusch geweckt. Ich gähnte herzhaft, blinzelte und blickte im Zimmer umher: Auf dem Boden, dicht an Chefs Bett, schlief tatsächlich eine Schlange! Ich rieb mir die Augen mit den Pfoten und sah ein zweites Mal hin. Da lag sie noch immer reglos wie ein Stein, es war also kein Traum gewesen. Jetzt ließ Herrchen auch noch seinen Fuß aus dem Bett baumeln, direkt über dem Kopf des Untiers. Wenn das aufwachte und sich erschreckte, würde es ganz sicher zubeißen! Ich musste handeln und das schnell; denn schließlich ging es um Leben und Tod. In meiner Not packte ich Herrchens Schlafanzughosenbein mit den Zähnen und zerrte aus Leibeskräften daran. Er schimpfte und versuchte, mich abzuschütteln, aber ich ließ nicht locker. Endlich zog er seinen Fuß zurück und stand auf, dem gestreiften Biest immer noch gefährlich nahe. Um ihn aus dem Schlafzimmer zu locken, tat ich so, als müsse ich unbedingt nach draußen. Gott sei Dank, er folgte mir ins Esszimmer und öffnete die Terrassentür zum Garten. Damit hatte ich ihn fürs erste aus der Gefahrenzone. Dumm nur, dass ich jetzt wirklich ein dringendes Bedürfnis verspürte, die ganze Aufregung hatte mein Innenleben in ziemlichen Aufruhr versetzt. So ein Hund ist ja auch nur ein Mensch! Ich musste mich also zunächst um mein Geschäft kümmern und Herrchen seinem Schicksal überlassen.


Bis ich ins Haus zurückkam, schien einige Zeit vergangen zu sein. Chef hatte inzwischen geduscht und war bereits fertig angezogen. Er trug eine graue Jeans, ein hellblaues Hemd und dazu – ich traute meinen Augen nicht – die Schlange! Um seinen Hals war sie zu einem Knoten gebunden, Kopf- und Schwanzende hingen schlaff an seiner Brust herunter. Er hatte sie also auch ohne meine Hilfe zur Strecke gebracht. Natürlich gönnte ich ihm seine Trophäe. Trotzdem, hätte ich ihn nicht rechtzeitig gewarnt, wer weiß, wie die Sache ausgegangen wäre!


Viel Schönes und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Guck mal, was da fliegt!

Nickname 28.06.2017, 14.57| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

NICHTS FÜR FAUCHEN!

 


(Montag, 15. September 2014:) Liebes Tagebuch!


Heute morgen große Aufregung beim Waldgassi: Beinahe hätte ich eine Schlange gefrühstückt! Ich steckte mit meiner Schnauze gerade augentief in einem Mauseloch. Zuvor hatte ich erfolglos versucht, einem Eichhörnchen nachzuklettern und mit ihm ein wenig Fangen zu spielen. Nun hoffte ich bei Mäuschen auf mehr Glück. Plötzlich blieb Frauchen stehen wie ein Stock und flüsterte voller Angst: "Psssssssssssssst! Nelly, sei schön leise und rühr dich nicht vom Fleck!" Ich tat wie mir geheißen, sagte keinen Mucks und rührte mich nicht. Frauchen griff mich am Halsband und hakte die Leine ein. Sie zog mich weiter, erst ganz langsam, dann immer schneller. Nun riskierte ich doch einen Blick aus dem Augenwinkel und erspähte nur ein paar Zentimeter neben dem Mauseloch ein längliches, cremefarbenes Etwas mit einem schmalen, dunklen Strich auf dem Rücken, das sich in ulkigem Zickzack fortbewegte und wieselflink im Unterholz verschwand. So ein Ding hatte ich noch nie gesehen! Gern hätte ich Barny gefragt; er hätte mir sicher sagen können, was das war. Doch der trödelte natürlich wieder mal zehn Meter hinter uns her und kriegte von alldem nichts mit.


Zuhause berichteten wir Herrchen von unserem Abenteuer. Er meinte, das sei wohl bloß eine harmlose Blindschleiche gewesen. Na, ich weiß nicht. Blind vielleicht, sie wand sich ja, als würde sie den geraden Weg nicht finden. Aber von Schleichen keine Spur! Trotzdem hätte ich sie mühelos einholen und mit ihr ein wenig Fangen spielen können, wenn Frauchen mich nur gelassen hätte. Echt schade, manchmal ist sie so eine Spaßbremse!


Gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



LIEBES JULCHEN, wir denken oft an Dich!


Nickname 28.06.2017, 14.51| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

EINS ,ZWEI, DREI, KEILEREI

 


(11. November 2014:) Liebes Tagebuch!


Heute wieder ein Wildschwein gesehen. Diesmal habe ich es im Unterholz aufgestöbert, Barny steckte gerade kopfüber in einem Kaninchenbau. Ein Bild für Götter! Schade, dass wir keine Kamera dabei hatten. Chef war übrigens absolut not amused, besonders als ich auch noch anfing zu bellen. Es sollte furchterregend klingen und das Borstenvieh in die Flucht schlagen. Herrchen erzählte jedoch hinterher zuhause, es sei nur ein ängstliches "Wiff, Wiff" gewesen. War vielleicht auch besser so; wer weiß, wieviel Hündisch so ein Schwarzkittel beherrscht. Es wird einem ja so leicht das Wort im Maul verdreht, und am Ende kommt es dann zu folgenschweren Missverständnissen. Da geht´s uns Hunden wie den Menschen, habe ich gehört.


Nachdem Herrchen meinen Kumpel aus dem Kaninchenbau gezogen hatte (sonst hätte der sich noch bis Australien durchgebuddelt) und wir langsam weitergingen, stand der Keiler auf und schubberte sein dickes Hinterteil am nächsten Baum. Was er uns wohl damit sagen wollte?



Also dann, auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly

Nickname 28.06.2017, 14.46| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

BLEIB WEG VON MEINEM WIGWAM!

 


Kinder, war das ein Schreck! Da gingen wir, nichts Böses ahnend, vergnügt im Wald spazieren. Frauchen hatte mich anfangs noch an der Flexileine. Das macht sie immer so, bis wir die neuralgischen Punkte (so nennt sie die Stellen, an denen ich gern mal stiften gehe) passiert haben. Barny lief uns ein Stück voraus und stöberte links vom Weg im Unterholz. Auf einmal blieb er wie angenagelt stehen und starrte gebannt auf etwas. Meine scharfen Äuglein entdeckten es ebenfalls sofort, und ich kläffte vor Aufregung im höchsten Diskant. Am liebsten hätte ich mich losgerissen; aber die Leine ist ja sehr stabil und Frauchen hielt mich eisern fest.


Jetzt sah sie auch, was uns so faszinierte: Etwa zwanzig Meter neben dem Weg hatten Kinder im Sommer aus Ästen und Stöcken eine Art Wigwam gebaut. Und davor lag – nee, nicht Winnetou, sondern ein ausgewachsener Keiler! Es war halb elf am hellen Vormittag, noch dazu bei strahlendem Sonnenschein, wer rechnet denn da mit sowas? Anscheinend hatte der Bursche sich das hölzerne Zelt als Schlafplatz ausgesucht. Als er uns hörte, stand er behäbig auf und fixierte uns. Frauchen kriegte voll die Panik, das können Sie sich wohl denken. Leise, um das Wildschwein nicht zu erschrecken, rief sie nach Barny. Das war natürlich zwecklos, denn der gehorcht meistens nur, wenn er will. Und jetzt wollte er nicht. Aber da fing der Keiler zu quieken an; richtig drohend klang das und hieß auf Wildschweinisch wohl so viel wie: „Mach dich schleunigst vom Acker, du Zwerg! Ein bisschen dalli, wenn ich bitten darf, sonst nehme ich dich auf meine Hauer und lehre dich das Fliegen, dass dir Hören und Sehen vergeht!“ Das wirkte. Barny drehte sich um und trottete gemächlich zu uns zurück. Zack, da hatte Frauchen ihn auch schon am Haken. Dann gingen wir möglichst unauffällig weiter. Frauchen zitterten die Knie, und für den Rest der Strecke blieben wir angeleint. Das war zwar doof, aber sie kennt ihre Pappenheimer. Sie wusste genau, dass wir die erste sich bietende Gelegenheit zur Wildschweinjagd nutzen würden - und wie die hätte enden können, das malen wir uns lieber nicht aus!


Also dann, gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Nickname 28.06.2017, 14.42| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

DIE 5. JAHRESZEIT

 


Manche nennen sie Karneval oder Fasching. Bei unserem Frauchen heißt sie „Frühjahrsputz“. Zwar sagt sie selbst von sich, sie sei alles andere als eine perfekte Hausfrau. Es gäbe soviel Schöneres zu tun als sauberzumachen, und bei drei Hunden hätte man ohnehin selten ein blitzblankes Haus. Aber einmal im Jahr überkommt sie die Arbeitswut, dann gibt es kein Halten mehr. Heuer ist sie spät dran, weil ihr immer wieder etwas dazwischenkam. Deswegen muss Chef ordentlich mit ran. Sie hat ihn eingeteilt, um den Keller aufzuräumen, die Garage zu entrümpeln und die Küche neu zu streichen. In jedem Zimmer werden Gardinen abgenommen, Fenster geputzt und Teppichböden shampooniert. Frauchen kriecht bis in die hintersten Winkel, um auch noch die letzte Staubflocke zu vernichten. Für uns Hunde bedeutet das puren Stress. Überall stehen Wischeimer, Besen und Staubsauger herum, wir finden nirgends mehr ein stilles Örtchen. Und ständig heißt es: „Nelly, nun geh doch mal zur Seite!“, „Bobby, musst du ausgerechnet hier liegen?“ oder „Barny, du stehst schon wieder im Weg!“


Am ätzendsten finde ich den Geruch nach Essigreiniger, der in allen Räumen herumfliegt, in unsere Augen kriecht und unsere empfindlichen Nasen beißt. Warum eigentlich gibt es keine Putzmittel mit der erfrischenden Brise von knusprig gebratenem Hühnchen? Zum Glück ist das Wetter schön, da können wir wenigstens in den Garten flüchten. Dort haben wir unsere Ruhe – bis Herrchen wieder mit dem grässlichen Rasenmähdingsbums einen Höllenlärm veranstaltet und ich mich zu Tode fürchte. Wieso schaffen sie sich nicht lieber ein paar Heidschnucken an? Die machen wenig Krach, halten das Gras schön kurz und wir hätten noch jemanden zum Spielen.


Hoffentlich geht der Anfall bald vorbei, ich halte die ganze Aktion nämlich für reine Zeitverschwendung. Der Schmutz kommt sowieso wieder, und der Rasen wächst schneller, als du „Hundekuchen“ sagen kannst. Man könnte die Zeit viel sinnvoller nutzen, mit Ball spielen, Schmusen oder einfach gemeinsam in der Sonne dösen. Aber so sind unsere Zweibeiner – lieb und nützlich und gut, nur manchmal schwer zu begreifen.


Also dann, auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Während die Großen rackern, genießen wir den Tag!
(Ich liege ganz links, bin ein bisschen schwer zu erkennen.
)

Nickname 28.06.2017, 14.31| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

EIN FLOTTER DREIER


    


Barny hat einen tierischen Schreibkrampf, deswegen übernehme ich heute.


Also…, die beiden Großen haben es noch einmal getan, und wir Hunde sind wieder zu dritt. Honi soit, qui mal y pense! Ganz ehrlich, das mit dem „Nur–für–ein–paar–Tage–und–Nächte–auf–Probe“ hat sowieso niemand ernsthaft geglaubt. Wer einmal hier ist, der bleibt auch da; außer, es hätte zwischen uns eine unüberwindliche Abneigung gegeben. Die gab es aber nicht, ganz im Gegenteil.


Ich bin kein Schmetterling, der von Blüte zu Blüte flattert. Unseren Bobby hatte ich aufrichtig gern, und Barny läuft sowieso außer Konkurrenz. Aber beim Woody hatte ich von Anfang an das Gefühl, als würde ich ihn schon seit einer Ewigkeit kennen. Das erste Treffen gab es, wie mit dem Böbchen, auf neutralem Boden im Auslaufgebiet. Das heißt, diesmal fand es am Waldrand statt, weil der Kollege sich zu der Zeit noch entschieden weigerte, auch nur einen einzigen Meter an der Leine zu laufen. Er stand bloß wie angewachsen da und ließ sich beschnuppern. Ich merkte, da war einer, der noch mehr Angst hatte als ich, das gab mir Selbstvertrauen. Barny akzeptiert grundsätzlich jeden, solange der ihm nur seine Ruhe lässt und Herrchen als sein - also Barnys - persönliches Eigentum anerkennt, und damit war die Sache soweit geritzt.


Als wir zu Hause ankamen, hatte ich ein Déja – vu. Genau wie derzeit Bobby zögerte Woody höchstens ein paar Minisekunden, dann hopste er ins Haus. Wegen seines verkürzten Hinterbeins sah er dabei zum Brüllen aus. Sorry, ich weiß, man soll sich darüber nicht lustig machen, aber es war einfach urkomisch! Er guckte sich nur kurz um, fand auf Anhieb eines unserer kuscheligsten Hundebetten und plumpste hinein. Barny verdrehte die Augen, als wollte er sagen, war das nötig? Wir hatten es doch gerade so gemütlich zu zweit! Aber wir wollten ja gastfreundlich sein. Außerdem gibt´s hier jede Menge an weichen Kissen und Decken, wo ausdrücklich "Reserviert für Hunde" draufsteht, wir müssen uns also deshalb nicht ins Fell kriegen.


Inzwischen sind dreieinhalb Monate vergangen. Von Kleinigkeiten abgesehen leben wir ganz zufrieden miteinander; und wenn wir nicht gestorben sind, dann bellen wir morgen noch. Klingt märchenhaft, ich weiß, ist aber trotzdem wahr.


Also dann, gute Zeit und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!

Ihre NELLY




Nickname 27.06.2017, 21.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

WIR ÜBERLEGEN NOCH

 AHOI! 


Liebe Leute, unser Frauchen hat seit gestern einen dicken Knoten im Gehirn von dem Bandwurmsatz, den sie geschrieben hat. Deswegen mach´ ich hier mal weiter.


Also: Wo der Woody - der ja damals noch Grigore hieß -, vorübergehend Quartier bezogen hatte, das war keine richtige Pflegestelle, sondern ein Gnadenhof für alte und kranke Hunde. Die sollen gar nicht mehr vermittelt werden und dort friedlich bis zu ihrem Ende leben. Eigentlich eine schöne Sache. Da gab es aber eine Schäferhündin, die jünger und fitter war als die anderen und die das Sagen hatte. Anscheinend witterte sie in dem Neuzugang einen unerwünschten Konkurrenten und fing prompt an, ihn zu mobben. Sie hatte sozusagen das Hausrecht, und den Leuten fiel nichts Besseres ein, als den Grigore in eine Transportbox zu sperren (das ist eine Art Käfig, in dem wir Hunde zum Beispiel eine Flugreise aussitzen müssen). Darin brachte er viele Stunden am Tag und die meisten Nächte zu. Nicht eben komfortabel, und für seine angeknacksten Knochen war es das reine Gift. In dem engen Kasten konnte er sich ja kaum umdrehen, geschweige denn richtig ausstrecken.


Nach dem Telefongespräch mit Frau T. und zwei schlaflosen Nächten hielt unser Frauchen Familienrat mit Chef. Der kennt sie seit über vierzig Jahren und weiß, wie sie tickt. Darum wunderte er sich auch kein bisschen, als sie vorschlug, den Hund einfach mal so für ein paar Tage und Nächte auf Probe bei uns wohnen zu lassen. Er gab nur zu bedenken, wie ich und Nelly darauf reagieren würden. Wir hatten uns ja gerade erst wieder in unserer gemütlichen Zweisamkeit eingerichtet.


Genug für heute. Ich bin das viele Schreiben nicht gewohnt, und mir fallen gleich die Pfoten ab. Morgen gibt´s den Rest der Geschichte. Also, bis denne.


Macht´s gut, Nachbarn!

EUER BARNY




Nickname 27.06.2017, 21.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

WAS TUN? SPRACH ZEUS

 GANZ EHRLICH... 


Woody ist ein best dog ever, ein weltbester Hund. Wieso nur ein bester und nicht der beste überhaupt? Weil unsere Vierbeiner allesamt beste Hunde waren und sind. Tatsächlich haben wir mit unseren tierischen Lebensabschnittsgefährten unglaubliches Glück gehabt. Klar gab es hin und wieder Schwierigkeiten. Nicht jeder war hundertprozentig pflegeleicht – das bin ich übrigens auch nicht – und unsere Holly würde mancher vielleicht sogar als Problemhund bezeichnen. Sie hatte ja auch schon einiges durch, bevor sie zu uns kam. Für uns war sie eine feine Kameradin, wir haben sie innig geliebt und oft herzhaft über ihre Einfälle gelacht.


Back to Woody. Ich könnte schwören, dass unser Böbchen dabei seine Pfoten im Spiel hatte. Denn eigentlich sollte das mit drei Hunden eine einmalige Sache bleiben. Wir sind nicht mehr die Jüngsten und möchten auf keinen Fall, dass unsere Lieblinge uns überleben.


Hätte ich seinem früheren Pflegefrauchen nicht von seinem Fortgehen geschrieben und hätte sie nicht angerufen und gesagt, ach, das sind ja traurige Nachrichten, und gerade habe ich zwei von Bobbys Art hier, von denen der eine aber zurzeit in einer anderen Pflegestelle untergebracht ist, - übrigens heißt er zufällig auch Grigore, so wie früher der Bobby, ist ja in Rumänien ein gebräuchlicher Hundename -, weil er sich mit dem Spotty nicht versteht, der will nämlich immer den Chef spielen, aber ihn konnte ich nicht weggeben, weil er total auf mich fixiert ist und sonst niemanden an sich ran lässt und der Grigore ist ja mehr so eine Art Teddy, der lässt sich alles gefallen, nur hat er es in der Pflegestelle nicht besonders gut und das macht mir viel Kopfzerbrechen, ich muss ihn unbedingt von da wegholen, aber ich weiß nicht, wo ich ihn hier bei mir unterbringen soll, ich kann ihm höchstens in der Garage etwas herrichten…


So, den letzten Satz lernen Sie jetzt auswendig, und morgen erzählen wir Ihnen, wie es weiterging!




Nickname 27.06.2017, 21.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

LEHRMEISTER HUND: DIE KLUGHEIT DER SCHNÜFFELNASEN

 AHOI!


Liebe Leute, das ist ja schon wieder ewig lange her, seit ich zuletzt etwas geschrieben habe. Hier war in den vergangenen Monaten einiges los. Zuerst mussten wir dem Julchen nachwinken, als sie über die Regenbogenbrücke lief. Mit ihr war ich zwar nicht so dicke wie vorher mit Wendy, trotzdem ging mir der Abschied an die Nieren. Drei Tage später zog Nelly bei uns ein; und als hätte ich mit ihr nicht genug zu tun, kam auch noch Bobby ins Haus. Fairerweise muss ich sagen, dass es mit ihm keinerlei Probleme gibt. Der alte Knabe ist recht bescheiden, mimt nicht den Boss und freut sich, wenn er seine Ruhe hat. Die sei ihm gegönnt, so brauche ich bei den Mädels wenigstens keine Konkurrenz zu fürchten!


Vor kurzem hörte ich Frauchen mit Chef darüber sprechen, wie es früher war, bevor sie sich kannten. Sie erzählte von den Tieren, die bisher ihr Leben begleitet haben. Das waren echt viele: Mit uns Dreien insgesamt fünfzehn Hunde, ein Wellensittich, rund ein Dutzend Meerschweinchen und sogar ein Pony! Die hatte sie alle sehr lieb; aber sie meinte, besonders wir Hunde seien gute Lehrmeister und könnten den Menschen mancherlei beibringen. Das brachte mich auf eine Idee. Wie wäre es, wenn ich ein paar Kapitel darüber schriebe, was die Zweibeiner sich so alles von uns abgucken und wie sie sich selbst in uns wiedererkennen können? Das ist ein spannendes Thema, und ich bin auf dem Gebiet ja sozusagen Fachhund. Bevor ich anfange, muss ich mich nur noch ein wenig sammeln.


Das geht am besten mit Yoga:




Also dann, bis in Bälde.


Macht´s gut, Nachbarn!
Euer Barny

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH

EIN STERN, DER DEINEN NAMEN TRÄGT

Ganz leise gingst Du von uns fort,
nun fehlst Du uns an jedem Ort.
Unsere Herzen sind traurig und schwer,
wir vermissen Dich so sehr.

UNSER LIEBER





19. NOVEMBER 2016

"Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können. Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben."


Antoine de Saint-Exupéry,

Der kleine Prinz


****************************


Mach es fein, mein Böbchen. Inzwischen bist Du wohl schon, begleitet von vielen Engeln, im Regenbogenland angekommen, wo unsere Süßen Dich mit "großem Bahnhof" empfangen haben. Grüße sie von uns, ja? Vielleicht besuchst Du mich manchmal im Traum, damit ich weiß, dass es Dir gut geht.



Auf Wiedersehen, Du treue Hundeseele. Zwei unvergessliche, erfüllte Jahre waren uns vergönnt, und keiner hätte dankbarer sein können als Du. In unseren Herzen hast Du tiefe Pfotenspuren hinterlassen. Wir werden immer an Dich denken, und eines schönen Tages sind wir alle wieder zusammen.


In liebevoller Erinnerung,

Deine Familie

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

SUNNY SUNDAY

Ach, wie haben wir sie genossen - die ersten Sonnenstrahlen im Freien! Zwar nur für ein Viertelstündchen, weil der Boden und die Luft noch zu kalt sind. Das sagte zumindest Frauchen und kam gleich mit einer warmen Decke angerannt. Wir hätten es auch so noch eine Zeitlang ausgehalten, aber für´s Böbchen war es schon besser. Sein Fell am Bauch wächst ja erst langsam wieder nach, weil es ihm der Tierarzt wegen der Ultraschalluntersuchung doch hatte abrasieren müssen. Schön war´s in jedem Fall und hat Vorfreude auf mehr gemacht (auf die Sonne, meine ich, nicht auf den Tierarzt).


Also dann, guten Abend und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly




Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH

WAS KANN DER BOBBY DENN DAFÜR DASS ER SO SCHÖN IST?

 


Was sagen Sie? Der Knabe in dem Lied heißt Sigismund? Ja, ich weiß, und für meinen Geschmack ist das ein reichlich alberner Name. Außerdem liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters, und so mancher hat ein Gesicht, das nur seine Mutter lieben kann. Aber unseren Bobby finde ich richtig hübsch mit seinem einen Auge, der demolierten Schnauze, dem gespaltenen Ohr und den verkrüppelten Vorderbeinen. Sein weiches, weißes Fell mit den lustigen Kuhflecken hat es mir angetan, und wenn er mir manchmal zublinzelt, kommt er mir direkt verwegen vor. Dabei ist er alles andere als das. Statt auszuteilen steckt er lieber ein, möchte es jedem recht machen und niemandem im Wege sein. Ein echter Seelenhund!


Halten Sie mich bitte nicht für flatterhaft. Ich liebe Barny nach wie vor heiß und innig. Sein Herz ist aus purem Gold; er hat mich hier mit offenen Pfoten aufgenommen und ganz schnell heimisch werden lassen. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein. Obendrein besitzt er sehr viel Charme, trotz seiner manchmal etwas ruppigen Art. Aber Bobby ist eben ganz anders, eher ein Hund zum Anlehnen, und das gefällt mir gut. Übrigens, wer sagt denn, dass man nicht zwei lieben kann? Rein platonisch, wohlgemerkt, zu etwas anderem reicht´s beim Böbchen ohnehin nicht mehr. Jedenfalls hat er bisher meine sämtlichen Flirtversuche höflich, aber doch entschieden zurückgewiesen. Dabei dachte ich, Männer wollen immer… Frauchen sagt, das liegt am Alter, er ist froh, wenn man ihm seinen Frieden lässt. Den hat er sich auch verdient nach allem, was er durchmachen musste. Ich fühle mich trotzdem hundewohl mit meinen beiden Jungs und bin, wie Lucylectric (noch so ein komischer Name) froh, „dass ich´n Mähähädchen bin“!


Gute Nacht und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Sie sehen, meine Männer liegen mir zu Füßen!


(ERINNERUNGEN)

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: ZEITREISE UND GEDANKENFLUG

UND DANN HAU´ ICH MIT DEM HÄMMERCHEN

 

Wissen Sie, unser Fraule gilt allgemein als friedliebende Person. Sie möchte immer ausgleichen und verabscheut jede Streiterei. Um bloß nicht die Harmonie zu zerstören, schluckt sie so manchen Ärger hinunter, der ihr dann als schwerverdauliche Kost tagelang im Magen liegt. Auf die Dauer ist sowas natürlich ungesund. Ihre beste Freundin hat ihr deswegen geraten, sie solle ihre Wut ruhig mal raus lassen, zum Beispiel einfach laut losbrüllen oder mit der Faust auf den Tisch hauen. Das liegt unserer Großen ja nun gar nicht. Da schien guter Rat teuer, doch wie heißt es gleich: „Immer, wenn du meinst, du erträgst den Druck nicht mehr, dann kommt ein Ventil von irgendwoher.“ (Ich weiß, der Spruch heißt anders, aber so passt er besser.)

Ausgerechnet unsere Tierärztin hatte die rettende Idee, und das kam so: Barny, mein Rudelkumpel, ist ein echtes Goldstück, und ich möchte ihn um nichts auf der Welt gegen einen anderen eintauschen. Aber wie wir alle hat auch er seine kleinen Macken und Marotten. Zum Beispiel war er schon immer ein bisschen kaufaul. Er mochte nie so gern Trockenfutter fressen, weil man das ja zerbeißen muss, und nach seiner Zahn-OP hat sich das noch verstärkt. Nun ist es leider so, dass seine doofe Autoimmunkrankheit eine Futterumstellung notwendig gemacht hat. Dose darf zwar weiterhin sein, aber nur noch ein Drittel der Tagesration. Was hat Frauchen nicht alles angestellt, um ihm das Trockenfutter schmackhaft zu machen: Mit Leberwurst einbalsamiert oder sorgfältig mit Fleisch vermischt, und was macht er? Leckt sämtliche Bröckchen fein säuberlich ab und lässt sie dann liegen!

Das Fraule wollte schon verzweifeln, da verriet ihr die Tierärztin einen bewährten Trick: Man gebe das Trockenfutter in einen gut verschlossenen Leinenbeutel und schlage mit einem Hammer oder Fleischklopfer so lange drauf, bis nur noch größere Krümel übrig sind. Natürlich hat Chefin das gleich ausprobiert, und der Erfolg war überwältigend! Inzwischen frisst der Blonde das Trockenfutter, mit gedünstetem Fleisch gemixt, lieber als Dose. Ich würde sagen, 1:0 für Frauchen, die sich obendrein beim Zerhämmern gleich noch ein bisschen abreagieren kann. Das tut ihren Nerven gut, und meinem Kumpel schmeckt´s. Zwei Fliegen mit einer Klappe, was wollen Mensch und Hund mehr? Jetzt muss ich meine Pfoten ausschütteln, ich kriege schon einen Krampf vom vielen Tippen.

Also dann, auf Wiederlesen.

Haben Sie es fein!
Ihre Nelly


Warten aufs Mittagessen
************


Satt und zufrieden,
nur Bobby hätte gern noch etwas mehr 

(ERINNERUNGEN)

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

MENSCHEN TUN SO ETWAS

Eine Kugel im linken Schulterblatt - das ergab heute eine Röntgenuntersuchung bei unserem lieben Bobby. Man hat ihn also nicht nur getreten, mit dem Auto angefahren, ihm das Auge ausgestochen und versucht, ihn mit dem Spaten zu erschlagen, sondern obendrein auch noch auf ihn geschossen.


Sie wissen, sonst plaudere ich gern mit Ihnen, aber dazu fällt mir einfach nichts mehr ein.


Also dann, Auf Wiederlesen.
Ihre fassungslose Nelly

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

ANSCHAUEN KOSTET NICHTS

(10. Dezember 2014)

 

Unsere erste Begegnung hatten wir auf neutralem Boden: Wir trafen Frau T. mit Bobby im Auslaufgebiet. Dort gab es für niemanden einen Heimvorteil, so konnten wir uns ganz zwanglos beschnuppern. Barny machte es wie immer: Er ignorierte den fremden Artgenossen und ließ ihn links liegen. So schien es zumindest. Seltsam war nur, dass er jedes Mal genau den Baum goss, den der Neue eben bewässert hatte und sich für dieselben Nachrichten interessierte, die der andere gerade las. Ein reichlich plumpes Manöver, wenn Sie mich fragen. Männer sind ja so leicht zu durchschauen! Ich ging natürlich diskreter vor. Erstens, weil ich ein Mädchen bin und zweitens, weil große Hunde mir nach wie vor Angst einjagen. Es ist zwar schon viel besser geworden, aber ein bisschen fürchte ich mich noch immer. Der hier schien allerdings harmlos zu sein. Er wedelte mich freundlich an, zwinkerte mir mit seinem einen Auge lustig zu und tat sonst nichts Anstößiges oder Beunruhigendes. Auch war er wohl schon ein älteres Semester, aber das musste ja nichts heißen. Schließlich sagt man zu Recht: Je oller, je doller. Trotzdem flößte mir der nette Bursche mit seinem gescheckten Fell gleich Vertrauen ein.


Nach etwa einer halben Stunde kamen wir zurück an den Ausgangspunkt. Die Großen besprachen sich kurz; dann sprangen Barny und ich in unser Auto, und Bobby stieg bei Frau T. ein. Mach´s gut, Kumpel, es war nett, dich kennenzulernen. Vielleicht sieht man sich irgendwann.


Wir ahnten noch nicht, was unsere Menschen ausgeheckt hatten! Davon in Kürze dann mehr.


Gute Nacht und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly


Zwei Wochen später...



...warten wir gemeinsam aufs Abendbrot.


(ERINNERUNGEN)

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH

DIE BEIDEN HABEN ES GETAN!

(2. Dezember 2014)

 


Und nun sind wir zu dritt. Honi soit, qui mal y pense! Vielleicht erinnern Sie sich, was ich Ihnen über Frauchens Prinzipien erzählt habe: "Drei sind einer zu viel", "Zwei Hände, zwei Hunde" und derlei Weisheiten mehr. Aber ein anderes Sprichwort sagt: Grundsätze sind dafür da, um sie zu brechen. Bobby (der vorher Grigo hieß) ist allerdings nicht aus irgendeiner weiblichen Laune heraus angeschafft worden, die Sache hat eine sehr ernste Vorgeschichte. Frauchen ist im Internet auf einen Artikel über die entsetzlichen italienischen „Canili“ gestoßen, hat auch etwas über die so genannten Todeshäuser in der Ukraine und die Hundemassaker in Rumänien (bei denen die Hunde zu Hunderten mit Spaten erschlagen werden) gelesen. Danach war sie nicht mehr dieselbe. Tagelang lief sie herum wie Falschgeld, weinte und tat nur das Allernötigste. Eines Abends bekam ich dann mit, wie sie betete: "Gott, bitte lass mich sterben. Lass mich jetzt einschlafen und morgen früh nicht mehr aufwachen. Diese Erde ist kein guter Ort und Mensch zu sein ist eine Schande. Für Barny und Nelly ist ja gesorgt und D. kommt auch allein zurecht. Ich mag nicht mehr, bitte lass Schluss sein." Sie hat es nur gedacht, aber ich konnte es trotzdem hören und bekam schreckliche Angst um sie. Zum Glück ist sie dann am nächsten Morgen doch wieder aufgewacht. Sie sprach mit Herrchen und sagte, sie würde gern noch einen Hund haben; einen, der wie Barny und ich das Grauen überlebt hat und mit dem sie sozusagen stellvertretend all die vielen Millionen ehren wolle, für die sie nichts tun könne. Sie schauten auf der Seite von Frau T., meiner ehemaligen Pflegemama, nach und entdeckten dort den Grigo. Über ihn stand folgendes zu lesen:


"Grigo ist einer von diesen ganz armen Socken: Als er hier ankam, war ein Auge total vereitert und verschrumpelt und wir mussten feststellen, dass genau darunter der Backenzahn gespalten war, ebenso wie sein linkes Ohr. Wie kann so etwas passieren? Durch einen Schlag mit dem Spaten vielleicht...? Das Auge und der Zahn - und noch 12 weitere Zähne waren total vereitert und mussten schnellstmöglich herausoperiert werden. Mittlerweile hat der liebe Grigo diesen Eingriff hinter sich und erholt sich zusehends. Er ist ein alter Hund, der auch noch auf den Vorderläufen stark humpelt. So möchte er keine langen Spaziergänge mehr und liebt es, im Garten zu liegen. Er ist ein sehr ruhiger und verträglicher Hund, sein größtes "Hobby" ist Fressen, das genießt er sehr und kann nicht genug kriegen. Für Grigo suchen wir einen ruhigen Platz mit Garten und möglichst ebenerdiger Wohnung. Er ist absolut stubenrein und liebt es, auf einer weichen Matte zu liegen. Außerdem fährt er sehr gerne im Auto mit und läuft halbwegs gut an der Leine. Grigo ist kastriert, geimpft, gechipt sowie entwurmt und gegen Flöhe/Zecken behandelt. Seine Schulterhöhe beträgt 53 cm. er wiegt ca. 20 kg. Wer gibt ihm ein liebevolles Zuhause für seine letzten Jahre?"





 

Die Antwort lautete kurz und bündig: WIR! Danach ging dann im Grunde alles ganz fix, und nun gehört er also zu unserem Familienrudel. Nur den Namen haben wir geändert, bei uns heißt er jetzt Bobby. Ihm ist es wurscht, wie er gerufen wird, er hört sowieso nicht mehr besonders gut. Wie wir uns kennenlernten, wie sein Einzug verlief und wie wir miteinander leben, darüber berichte ich Ihnen beim nächsten Mal. Und wissen Sie was? Ich kenne da noch so eine Spruchweisheit, die trifft es genau, finde ich. Sie lautet: „Aller guten Hunde sind drei“!

Auf Wiederlesen bis zum nächsten Mal!

Haben Sie es fein!
Ihre Nelly

(ERINNERUNGEN)

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

OH, DIESE MÄNNER!

 

(13. Oktober 2014)

Ihnen vertraue ich es an, Sie werden mich sicher nicht verraten: Mein neuer Rudelgefährte Barny gefällt mir von Tag zu Tag besser. Ich finde ihn äußerst attraktiv mit seinem blonden, seidenweichen Fell; er wird ja auch zweimal die Woche von Herrchen gestriegelt und gebürstet wie beim teuersten Hundefrisör. Kein Wunder, dass ihm so manches Rasse- oder Mischlingsmädchen nachguckt und mit ihm zu flirten versucht. Dann denke ich immer, ätschebätsch, der gehört mihir! Aber erzählen Sie ihm das bloß nicht weiter, sonst wird er noch eitel. Mir gegenüber verhält er sich höflich und zurückhaltend, wie ein echter Kavalier eben. Er wird nie zudringlich oder so, wenn Sie wissen, was ich meine. Sowieso ist er nur wenig interessiert am weiblichen Geschlecht; das hängt wohl damit zusammen, dass wir beide kastriert sind. Gut, manchmal kommt er mir etwas schwerfällig vor. Ein bisschen mehr Temperament dürfte er gern zeigen, da muss ich ihm noch auf die Sprünge helfen. Er hat ja sein Leben bisher mit zwei lieben, älteren Hundedamen geteilt, das färbt eben ab.

Trotz aller Vorzüge hat er eine fürchterliche Unart: Seine ewige Spülerei. Jedesmal, wenn er beim Waldgassi die Hundenachrichten liest und eine Randnotiz oder einen Kommentar hinterlässt, unterschreibt er das mit seinem Namen. Dabei scharrt er dermaßen heftig mit den Hinterpfoten, dass haufenweise Blätter, Kiefernnadeln und Erdreich in alle Himmelsrichtungen fliegen. Auf die Weise tut er der übrigen Hundewelt kund: "Barny was here!" Oft stehe ich direkt hinter ihm und kriege die volle Ladung ins Gesicht. Nicht gerade angenehm, das können Sie mir glauben; besonders bei meinen empfindlichen Augen. Frauchen oder Herrchen müssen mich dann regelmäßig saubermachen. Warum ich ihm nicht lieber ausweiche und anderswo meine Zeitung lese? Sehr einfach, weil gerade dort, wo er ist, etwas  Interessantes drinstehen könnte. Nicht, dass ich besonders neugierig wäre, oh nein, aber schließlich will man ja auch als Mädchen überall mitreden können!

Das ist eigentlich schon alles, was mich an ihm stört. Irgendwie gewöhne ich ihm das auch noch ab. Ich wäre nicht die erste, die sich ihren Partner nach eigenen Wünschen erzieht. Dafür braucht es nur Geduld, starke Nerven, und man muss ausgeschlafen sein.

Also dann, gute Nacht und auf Wiederlesen.

Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Er ist so süß, wie er da liegt und schläft...!


(ERINNERUNGEN)

Nickname 27.06.2017, 21.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

DUMME HABEN´S LEICHTER

(28. September 2014)

Ich stecke gerade richtig in der Zwickmühle. Das tut zwar nicht so weh, wie es klingt, ist aber doch sehr unangenehm. Ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll.

Es geht um folgendes:
Ich lebe ja erst seit kurzem hier bei meiner Familie. Bisher kenne ich kein normales Hundedasein, muss alles, was dazu gehört, von der Pieke auf erlernen. Ich bin mit Feuereifer dabei, und die Großen sind sehr stolz auf mich, denn ich begreife schnell. Es heißt, ein Lehrer muss selbst die dümmsten Schüler von Zeit zu Zeit loben, damit sie nicht die Lust verlieren. Das gilt erst recht für eine kluge Hündin wie mich! Herrchen und Frauchen wissen das und belohnen mich immer mit einem feinen Leckerli, wenn ich etwas richtig mache. Das spornt an, denn ich futtere für mein Leben gern. Und wenn eine Sache nicht gleich auf Anhieb klappt, kriege ich trotzdem ein Häppchen. Barny kassiert ebenfalls tüchtig ab, er mischt ja überall mit.

Jetzt kommt´s: Er hat mir im Vertrauen erzählt, dass es nur anfangs so viele Leckerlis gibt. Sobald ich alle Kommandos kenne und befolge, werden es weniger, bis die Quelle irgendwann versiegt. Er sagt, zu seiner Zeit als Neuer war das genauso. Damals hat sich Wendy über die Extrabröckchen gefreut. Sie verstehen mein Problem? Um noch lange abzusahnen, müsste ich mich möglichst dumm anstellen und recht begriffsstutzig tun. Das ginge aber entschieden gegen meine Ehre. Schließlich habe ich einen Ruf zu verlieren, ich bin ja nicht umsonst als blitzgescheites Mädchen bekannt. Barny und ich hielten heimlich Kriegsrat und fanden die Lösung: Ein dritter Hund! Der hätte dann auch alles neu zu lernen, und es gäbe wieder Häppchen im Überfluss. So einfach, so genial. Die Sache hat leider einen Haken: Herrchen und Frauchen möchten keinen weiteren Hund. Das heißt, eigentlich schon. Wenn es nach Frauchen ginge, hätten sie sogar ihr privates, kleines Tierheim. Aber sie hat da ein Prinzip: „Zwei Hände zum Streicheln, zwei Hunde“, und sie meint, „Drei sind einer zuviel“ sei nicht nur der Titel einer erfolgreichen Fernsehserie, sondern ein sehr wahrer Satz. Insgeheim gebe ich ihr recht. Mit Barny teile ich unsere Zweibeiner ja gern, er ist ein prima Kumpel. Aber mit noch einem Artgenossen? Nein danke! Sie sehen, ich sitze wirklich arg in der Klemme.
Was raten Sie mir?

Also dann, auf Wiederlesen.

Haben Sie es fein!
Ihre Nelly

Nickname 27.06.2017, 21.21| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

BEINAHE WIE ODYSSEUS

 AHOI!


Liebe Leute, die vergangenen Wochen waren der reinste Höllentrip; eine wahre Odyssee, wie Frauchen sagt. Sowas braucht kein Mensch, erst recht kein Hund. Sie haben mich regelrecht auf den Kopf gestellt, um herauszufinden, was mir fehlt: Röntgen, Ultraschall, Blutbild, Kot- und Urinproben fürs Labor (das war bestimmt ein Bild für Götter, wie Herrchen mit dem Marmeladenglas hinter mir her hechelte und versuchte, den Strahl einzufangen) – sogar den Bauch haben sie mir aufgeschnitten, weil sie glaubten, ich hätte vielleicht eins von meinen Spielzeugen verspeist. Da gibt es die unglaublichsten Sachen. Ein anderer Patient von Frau K., ein Schäferhund, hat zum Beispiel mal einen ganzen Tennisball verschluckt, aber fragt mich bitte nicht, wie. Und ein Cockerspaniel bekam den Spitznamen „Ü – Ei“, weil er immer die kleinen Figürchen aus den Überraschungseiern so lecker fand, weswegen er dreimal operiert werden musste, damit die Kinder ihre Sammlung wieder vollständig hatten. Bei mir endete die Sache allerdings wie das berühmte Hornberger Schießen. Sämtliche Befunde waren negativ, was in dem Fall ja eigentlich positiv wäre – nur dass es mir trotzdem weiterhin dreckig ging. Ich wurde immer schlapper, hing herum wie ein Schluck Wasser und fraß kaum noch. Frauchen gab sich alle erdenkliche Mühe. Sie kaufte mir die feinsten Leckerbissen, nach denen jeder andere Hund sich alle vier Pfoten geleckt hätte, aber ich kriegte einfach nix runter. Die Ärmste verzweifelte beinahe. Sie weinte viel und betete immer wieder zum lieben Gott um ein Wunder für mich.


Ich hatte schlimmes Bauchweh und bekam jeden zweiten Tag ein starkes Schmerzmittel gespritzt. Das brachte sie dann endlich auf eine heiße Spur. Nachdem ich mich nämlich trotz allem kein bisschen besser fühlte und immer weiter abnahm, zapfte Frau K. mir noch einmal Blut ab, und diesmal gab es tatsächlich einen Befund: Ich hatte wohl inwendig ein bisschen geblutet; dadurch waren zwei Werte erhöht und die deuteten klar auf ein Magengeschwür hin. Das Schmerzmittel war also genau verkehrt gewesen, denn bekanntlich gehen derartige Medikamente ja tierisch auf den Magen; ohne diesen unbeabsichtigten Behandlungsfehler würden wir aber wahrscheinlich heute noch im Dunkeln tappen, oder ich wäre vielleicht schon gar nicht mehr da. Nun fragt Ihr Euch sicher, wie gerät ein Hund an ein Magengeschwür? Schwer zu sagen, da gibt es verschiedene Möglichkeiten; beispielsweise eine Vergiftung oder eine Infektion mit bestimmten Bakterien. Ehrlich gesagt ist es uns auch total piepegal, woher es kam – Hauptsache, ich werde das fiese Ding möglichst schnell wieder los. Jetzt kriege ich einen Säureblocker, dazu Tabletten, die die Magenwände schützen und natürlich Diät. Wie die allerdings genau auszusehen hat, daran scheiden sich hier bei uns die Geister. Das erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal. Also, bis die Tage.


Macht´s gut, Nachbarn!

Euer Barny



Heile, heile, Hundchen -

es wird bald wieder gut!


(ERINNERUNGEN)


Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

UNSER HELD DES TAGES

Hallo, mein Barnybärchen!


Unverhofft kommt oft, davon können wir alle hier ein Lied mit vielen Strophen singen! Eigentlich war Deine Zahn – OP ja erst für nächste Woche angesetzt; aber wie heißt es noch: Wer vorher plant, muss doppelt planen. Am Donnerstag wolltest Du lieber neben Deinem gefüllten Napf verhungern, als nur einen einzigen Happen fressen. Du hattest offensichtlich große Schmerzen. Also rief ich kurz entschlossen bei der Tierärztin an, und sie sagte: „Gut, dann machen wir es morgen früh.“ Da hatten wir Glück, denn ursprünglich stand schon ein anderer Termin auf ihrem Kalender, den sie aber verschoben hatte – warum, das wusste sie selbst nicht mehr genau. Es sollte wohl so sein.


Die Operation war kein Zuckerschlecken, und Frau K. leistete Schwerstarbeit. Über eine Dreiviertelstunde lang fuhrwerkte sie in Deinem Mäulchen herum, die Narkose musste zweimal vertieft werden. Die eine Zahnwurzel steckte so „festgemauert in der Erden“, dass sie nur in Einzelteilen regelrecht heraus gemeißelt werden konnte. Ein Stückchen blieb trotzdem drin, aber Frau K. versicherte uns, dass es keinen Schaden mehr anrichten würde. Um es zu entfernen, hätte sie die Narkose ein weiteres Mal verlängern müssen. Das mochte sie nicht riskieren, denn Dein Blutdruck war so niedrig, dass sie schon Probleme hatte, eine Vene zu finden, um die Braunüle zu legen. So stellte sich ganz nebenbei heraus, dass Dein Herz nicht mehr das kräftigste und wohl auch schon ein bisschen ausgeleiert ist. Eigentlich wäre es dafür bei einem Hund von sieben bis acht Jahren zu früh, aber wir kennen ja Deine Vorgeschichte nicht. Wenn Du Dich von dem Eingriff erholt hast, werden wir eine Ultraschalluntersuchung machen, danach wissen wir mehr. Zum Glück lässt sich so etwas gut behandeln und mit den passenden Medikamenten kannst Du steinalt werden.


Um elf Uhr durften wir Dich abholen. Da wusstest Du schon wieder, wer wir waren und freutest Dich, uns zu sehen. Allerdings warst Du noch recht wackelig auf den Beinchen und knicktest immer wieder ein, darum trug Herrchen Dich vorsichtshalber ins Auto. Kaum zu Hause angekommen, wurde Dir schlecht. Die Tierärztin hatte uns vorgewarnt, dass das als Folge der Narkose passieren könne. Ich wunderte mich allerdings, was da alles zutage kam. Der Menge nach hättest Du nämlich mindestens ein Bernhardiner sein müssen!


In den nächsten Stunden schliefst Du erst einmal Deinen Rausch aus, und gegen Abend warst Du fast wieder der Alte. Dein Magen meldete Hunger, das gabst Du mir deutlich zu verstehen. Gedünstete Hähnchenleber, mikrofein zerkleinert mit Reis war genau das richtige Menü für einen Zahnkranken. Du verspeistest es mit größtem Behagen - so genüsslich hatten wir Dich lange nicht mehr futtern gesehen!


Ich staune immer wieder, wie hart im Nehmen Ihr Hunde seid. Beim Julchen verhielt es sich ebenso. Der Ärmsten wurden ja gleich sechs Zähne auf einmal ausgerupft. Na und? Hinterher ein paar Stunden ratzen, einmal kräftig schütteln und die Angelegenheit war so gut wie vergessen. Dagegen würde unsereiner noch tagelang jammern, sich die Backe halten und sich mit Schmerztabletten dopen.


Heute ging es dann zur Nachkontrolle. Die Tierärztin zeigte sich recht zufrieden; nur an einer kleinen Stelle war die Wundnaht aufgegangen, aber in ein paar Tagen wird auch das verheilt sein. Du bekommst jetzt ein Antibiotikum, damit sich die Knochenhaut vom Kiefer nicht entzündet, und bald kannst Du wieder Deine geliebten Beefsticks kauen.


Hast Dich tapfer geschlagen, mein Kleiner, wir sind mächtig stolz auf Dich. Hoffentlich war es das erst einmal für lange, lange Zeit. Wir lieben Dich von ganzem Herzen!


Dein sehr erleichtertes Frauchen



Ihr werdet sehen,

bald helfe ich wieder

bei der Gartenarbeit!


(ERINNERUNGEN)

Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

EIN SCHUSS IN DEN OFEN

 


Hey, Barny!


Gratuliere, mein Lieber - das hast Du sauber hingekriegt! Ein paar Stunden vor dem Besuch bei der Tierärztin fängst Du mitten in der Nacht plötzlich an, Dir die Seele aus dem Leib zu husten und spuckst jede Menge weißes Zeug, dass einem angst und bange werden kann. Frauchen kriegt natürlich voll die Panik, Du könntest was Giftiges gefressen haben. Sie rüttelt Herrchen wach und sagt: „Los, steh auf, wir müssen sofort mit Bärchen in die Klinik fahren!“ Dann springt sie aus dem Bett, zieht sich in Schallgeschwindigkeit an und steht frühmorgens um halb vier vor dem Spiegel, um sich zu schminken. Sie ist ja so eitel, dass sie ohne Farbe im Gesicht nicht mal dem Postboten die Tür aufmachen würde. Ich wette, wenn ihr das Haus überm Kopf abbrennt, legt sie auch erst noch Make-up auf, bevor sie sich von der Feuerwehr retten lässt!


Irgendwann beruhigt sich Dein Husten etwas, und sie wollen nun doch bis neun Uhr warten, wenn du sowieso zur Tierärztin musst. Die zeigt sich verständlicherweise not amused, diagnostiziert eine saftige Erkältung, und damit ist Deine Zahnbehandlung fürs Erste vom Tisch. Aber freu Dich nicht zu früh, das gewährt Dir nämlich nur eine Galgenfrist: Dein neuer Termin für nächsten Mittwoch steht bereits fest!


Der ganze Tag ist irgendwie daneben. Chef kommt nur schwer in die Gänge, das Fraule läuft wie eine Schlafwandlerin durch die Gegend; aber das Beste hast Du Dir mit dem Hustensaft geleistet. Frauchen will ihn Dir richtig professionell mittels einer Spritze ins Maul geben, und was machst Du? Schnalzt einmal kräftig mit der Zunge, und anstatt in Deinem Hals landet das klebrige Zeug mitten in Frauchens linkem Auge! Na, die hat vielleicht geweint! Erstens vor Schmerz, weil es höllisch gebrannt hat und zweitens vor Wut, weil sie sich nun noch mal neu schminken musste. Ich erwähnte wohl schon, wie eitel sie ist. Dann musste sie aber doch lachen und sann auf eine List, wie sie Dir den Saft erfolgreich einflößen könnte. Not macht bekanntlich erfinderisch, und sie kennt ja ihr Leckermäulchen. Frischkäse – Doppelrahmstufe, versteht sich – mit Hustensirup vermischt (in angemessenem Verhältnis, also drei Teile Frischkäse und ein Teil Hustensaft), dann klappt´s auch mit der Medizin!


Ehrlich gesagt beneide ich Dich nicht um das, was Dich nächste Woche erwartet. Ich habe ein bisschen gelauscht, wie Frauchen mit der Tierärztin telefonierte, und was ich da zu hören bekam, klang richtig gruselig. Aber ich weiß ja, Du bist hart im Nehmen, ein ganzer Kerl eben, und sicher werden sie Dich hinterher nach Strich und Faden verwöhnen. Hühnchen, Leber und Schabefleisch, mmhhh... mir läuft gleich das Wasser im Maul zusammen. Bobby und ich kriegen natürlich unseren Anteil, da passen wir schon auf. Jetzt schlaf Dich erst mal gesund, dann sehen wir weiter.


Gute Nacht, und schnarch uns was Feines.
Deine Nelly



Wer schläft, hustet nicht!


(ERINNERUNGEN)


Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: ERINNERUNGEN

AU BACKE, MEIN ZAHN!

Na, Kumpel, da hast Du morgen einen richtig bescheidenen Tag vor Dir: Um neun Uhr früh heißt es antreten bei der Tierärztin zur Zahnbehandlung. Das Ganze unter Vollnarkose, wir machen schließlich keine halben Sachen. Wie es scheint, hast Du echt Zahnweh, weil Du nur noch weiches Zeug fressen magst. Frauchen macht sich natürlich Vorwürfe, dass sie so lange gewartet haben, Du kennst sie ja. Aber jetzt ist sicher genau der richtige Zeitpunkt, damit Du auch über- und überübermorgen noch kraftvoll zubeißen kannst!
(WIR LIEBEN REKLAME!!!)

Bobby und ich werden Dir ganz feste die Pfoten drücken, dass alles gut vonstattengeht. Bist ja ein tapferes Kerlchen, und Chef bleibt bei Dir, da kann gar nichts passieren. Viel Glück, Freund Barny, und halte die Öhrchen fein steif!

Deine Rudelgefährtin
NELLY
  


(ERINNERUNGEN)

Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

MEINE LEINE SCHLEPP´ ICH NICHT Teil 3: Der Erfolg

 


Beim nächsten Ausflug fiel mir etwas Sonderbares auf: (ich erwähnte ja schon, dass ich ein gescheites Mädchen bin): Trotz des lästigen Anhängsels konnte ich mich ganz locker bewegen und deutlich weiter als zehn Meter laufen! Die Schleppleine war scheinbar bloß eine Attrappe, ein gemeiner Trick, um mich am Wegrennen zu hindern. Aber meine Herrschaften, nicht mit mir! Ich zählte heimlich bis drei, dann schoss ich ab wie eine Rakete, mitten hinein ins Unterholz. Spaß, Spaß, Spahaß! Plötzlich passierte es: An einem Ast oder einem Gestrüpp blieb ich hängen, verhedderte mich und konnte weder vor noch zurück. Je mehr ich mich bemühte, freizukommen, desto fester zog sich die Leine um das Hindernis. Sie war also doch keine Attrappe...


Die Zeit verging, ich hing unverändert fest und begann, mich ein bisschen zu fürchten. Frauchen hatte inzwischen Chef zu Hilfe gerufen, gemeinsam suchten sie nach mir. In der Ferne hörte ich sie pfeifen und immer wieder meinen Namen rufen. Hier stecke ich, dachte ich verzweifelt, bitte kommt und macht mich los! Auf die Idee, einfach laut zu bellen, damit sie mich orten konnten, kam ich in meiner Panik nicht. Mir blieb kein anderer Ausweg, als mich selbst befreien. So begann ich, vorsichtig an der Leine zu knabbern. Sie schmeckte scheußlich und erwies sich obendrein als sehr robust.  Zum Glück habe ich gute Zähne, die aus Rumänien allerhand gewöhnt sind. Nach einer halben Stunde hatte ich es endlich geschafft. Die Leine war durch, der Gurt vom Ranzen auch. Ich war frei. FREI!!! Völlig fertig machte ich mich auf den Weg zu meinen Menschen. Ein Stück vom Ranzen hing noch lose über meinem Rücken, so dass wenigstens Steuermarke und Adressanhänger gerettet waren. Mit hängenden Ohren trottete ich auf Herrchen und Frauchen zu und erwartete mein wohlverdientes Donnerwetter. Aber nichts dergleichen geschah. Frauchen nahm mich nur in die Arme und ich sah, dass sie weinte. Sie hatte wohl große Angst um mich ausgestanden. Ganz fest drückte sie mich an sich, während Herrchen mir den Rücken kraulte. Dann gingen wir nach Hause, wo Barny uns schon sehnsüchtig erwartete und vor lauter Wiedersehensfreude einen Indianertanz aufführte.


Noch am selben Abend kauften Herrchen und Frauchen mir einen neuen Ranzen: schön stylisch in Violett mit meinen Klettstickern "Im Dienst" und "Schutzengel" dran. Eine neue Schleppleine wurde allerdings nicht angeschafft...


Weder Leine noch Ranzen stammten übrigens aus ostasiatischer Massenproduktion. Beide waren 'made in Germany', aber meinem durchtrainierten rumänischen Gebiss hält eben nicht mal die deutsche Wertarbeit stand!


**E N D E**


Danke für Ihr Interesse und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly

Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

MEINE LEINE SCHLEPP´ ICH NICHT Teil 2: Der Plan

 


Es war herrlich! Ich tobte wie ein übermütiger Welpe durch den Wald und erkundete das Revier in sämtliche Himmelsrichtungen. Dabei dehnte ich meine Streifzüge immer weiter aus. Hatte ich erst die Witterung eines Kaninchens oder Eichhörnchens in der Nase, stellte ich meine Ohren automatisch auf Durchzug. Dann mochten die Großen noch so viel rufen oder pfeifen, ich sah und hörte nichts mehr. Irgendwann habe ich es wohl auf die Spitze getrieben. Als ich nämlich einmal nach von Frauchen gefühlten zwei Stunden wiederkam (in Echtzeit war ich höchstens fünfzehn Minuten lang weg gewesen), gab es weder Lob noch Leckerli. Frauchen sah mich nur stumm und böse an, nahm mich an die kurze Leine und führte mich wie eine Schwerverbrecherin ab nach Hause. Sie erzählte Herrchen davon, und gemeinsam schmiedeten sie einen perfiden Plan.


Ganz ehrlich, nie hätte ich gedacht, dass sie wegen so einer winzigen Eskapade gleich zu derart unfairen Mitteln greifen würden. Um es kurz zu machen: Sie verpassten mir eine Schleppleine! Das zehn Meter lange Nylonseil wurde an meinem Ranzen festgehakt. Am hinteren Ende gingen Frauchen oder Herrchen und dirigierten das Ding; jedenfalls nahm ich das an. Ich bin ein gescheites Mädchen. Ich sah ein, dass unter diesen Umständen ein Ausbruchversuch sinnlos wäre, und probierte es gar nicht erst. Die Großen waren sehr zufrieden und gratulierten sich zu ihrem genialen Einfall.


Ende gut, alles gut! Wirklich? Das erfahren Sie demnächst.


Alles Gute und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



MOLLY mit BELLA, ihrer Seelenschwester.
Beide waren bis zum Ende unzertrennlich.

Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

MEINE LEINE SCHLEPP´ ICH NICHT Teil1: Die Vorgeschichte

 

Nachdem ich in mein neues Zuhause gezogen war, durfte ich die ersten Wochen nur angeleint spazieren gehen. Unser Auslaufgebiet ist ja riesig; wer sich nicht auskennt, kann sich leicht verirren. Wir liefen alle Strecken mehrfach ab und kamen immer aus einer anderen Richtung zurück, damit ich den Heimweg zur Not auch allein finden würde. Bald kannte ich die meisten Rundgänge auswendig. Mit den Hunden, die wir trafen, verstand ich mich im Allgemeinen gut, mochte ab und zu auch mit ihnen spielen; nur ging das wegen der doofen Leine schlecht. Ich fing an, mich ein bisschen zu langweilen. Barny konnte ja immer frei herumlaufen, und ich wäre ihm zu gern auf seinen Extratouren gefolgt.

Endlich kam der große Tag, an dem Frauchen sagte: "Ich denke, wir haben jetzt lange genug geübt. Wir sollten Nelly einen ersten Freigang erlauben." Chef war einverstanden, meinte jedoch, er würde dann lieber das Fahrrad mitnehmen, um mich nötigenfalls verfolgen zu können. Das war lieb von ihm gedacht, aber überflüssig. Die neue Freiheit war ja noch ungewohnt für mich und ich fühlte mich ein wenig unsicher. So entfernte ich mich anfangs nur selten von den anderen, unternahm höchstens mal einen kurzen Streifzug durchs Unterholz, wenn irgendwo ein Vogel aufflog oder ein Mäuschen raschelte. Dabei blieb ich stets in Ruf- und Sichtweite, bis eines Tages... Aber das erzähle ich Ihnen beim nächsten Mal.

Alles Gute und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Eine meiner Vorgängerinnen:

MOLLY.

Sie war eine Seele von Hund und wurde 9 1/2 Jahre alt.


Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

ES KANN DIE FRÖMMSTE NICHT IN FRIEDEN LEBEN

 

Eltern und Nachbarn haben eines gemeinsam: Beide kann man sich nicht aussuchen. Das heißt, bei den Nachbarn ginge das schon. Nur müsste man dann erst eine Zeitlang zur Probe wohnen, bevor man sich endgültig entscheidet, in eine bestimmte Gegend zu ziehen. Vielleicht hat man Glück, und da wohnen lauter nette Leute: die ein Auge zudrücken, wenn die Jugend ein-, zweimal im Jahr nach zehn Uhr abends noch ein bisschen lauter feiert. Und die nicht gleich mit ihrem Anwalt kommen, wenn wir Hunde nachts ab und zu bellen, weil wir etwas Verdächtiges gehört haben. Oft liest man ja fellsträubende Geschichten, von Gartenzwergmorden und Zoff am Maschendrahtzaun. Manchmal enden solche Streitereien sogar erst vor Gericht, oder wenn einer der Kampfhähne seine Siebensachen packt und sich eine neue Bleibe sucht.

Ich habe auch eine Nachbarin, ein Airedaleterriermädchen namens Suse. Die benimmt sich aber leider gar nicht mädchenhaft, sondern wie eine rüpelige Straßengöre! Sie kann mich nicht ausstehen (das beruht übrigens auf Gegenseitigkeit), und seit ich hier eingezogen bin, hat sie mich auf dem Kieker. Ein anderes Frauchen erzählte neulich, dass Suse in unserem Kiez unbedingt so eine Art Bandenchefin sein und den Ton angeben will. Von mir aus soll sie, ich möchte in Frieden leben und lege es nicht auf ein Kräftemessen an. Das kriegt die doofe Suse aber nicht ihren eckigen Kopf, da hat sie, scheint´s, nur Hundekuchen drin. Sobald wir uns treffen, stürzt sie sich wie eine Furie auf mich und beginnt eine wüste Rauferei. Zwar beißt sie nicht richtig zu, schnappt nur in die Luft, schmeißt sich auf mich und spektakelt herum wie eine Irre. Ich wehre mich natürlich so gut ich kann, denn ich habe zwar fürchterliche Angst, doch feige bin ich nicht! Suses Frauchen ist nicht besonders gut zu Fuß; bis die kommt, haben meine Großen längst eingegriffen. Eigentlich soll man das ja nicht, es kann gefährlich werden, weil der Hund in seiner Wut manchmal nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. Das ist ihnen in dem Moment aber völlig gleich, Herrchen packt die Töle kurzerhand am Schlafittchen oder schubst sie einfach zur Seite. Da sitzt sie dann total belämmert und ist auf einmal mäuschenstill. Ich hocke daneben und zittere am ganzen Körper, für mich bedeutet es puren Stress. Ihrem Frauchen ist das immer sehr peinlich, sie entschuldigt sie jedes Mal in den höchsten Tönen. Und was habe ich davon? Lieber soll sie mit ihrer Halbstarken eine gute Hundeschule besuchen, da können beide eine Menge lernen.


Eins steht auf jeden Fall für mich fest: Ganz gleich, was die blöde Suse sich noch ausdenkt, um mich einzuschüchtern – ich ziehe hier nicht weg!


Viel Schönes und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Guck mal, du dumme Suse,

was du mich kannst!

Nickname 27.06.2017, 16.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

ANGEKOMMEN!

 

Kinder, wie die Zeit vergeht! Vier Monate lebe ich jetzt in meinem neuen Zuhause und mir kommt es vor, als sei ich schon immer hier gewesen. Meine beiden Menschen sind sehr verständnisvoll und geduldig. Frauchen hat mir „Platz“ und Pfötchen geben beigebracht, mit Herrchen habe ich „bei Fuß“ gehen geübt. Ich besitze eine gute Auffassungsgabe und lerne schnell. Seit drei Wochen darf ich im Wald frei herumlaufen, da machen die Spaziergänge gleich doppelt so viel Spaß. Auf der Straße bleiben wir Hunde natürlich angeleint, das ist einfach sicherer. Wir wohnen zwar in einer äußerst ruhigen Gegend mit nur wenig Autoverkehr, aber verrückte Raser gibt es ja überall. Besonders vor Motorrädern habe ich Angst. Wenn die mit ihrem Höllenlärm an uns vorbreibrettern, mache ich schon mal unvermutet einen Seitensprung.

Mein Rudelkumpel, der blonde Barny, und ich verstehen uns schon richtig gut. Er ist ein feiner Kerl, ich orientiere mich an ihm und er gibt mir Sicherheit. Sonst habe ich noch keine neuen Hundefreundschaften geschlossen. Ich weiche meinen Artgenossen lieber aus und gehe meiner eigenen Wege. Allerdings habe ich eine Lieblingsfeindin, aber die ist ein Kapitel für sich.


Frau T. kam uns schon bald besuchen, so wie sie es versprochen hatte, begrüßte mich herzlich und brachte sogar ein paar Leckerlis mit. Sie sah sich alles genau an, den Garten und das ganze Haus, und schien sehr zufrieden. Ich freute mich natürlich auch, sie zu sehen, war aber nicht weiter betrübt, als sie wieder ging. Inzwischen hatte ich Herrchen und Frauchen ja liebgewonnen und wollte nicht mehr zurück in die Pflegestelle.


So rückt meine traurige Vergangenheit in immer weitere Ferne. Nur manchmal werden schlimme Erinnerungen wach – zum Beispiel gestern. Da wurde morgens im Auslaufgebiet ein Hund vermisst. Es herrschte helle Aufregung, alle fahndeten nach dem Ausreißer. Der war hier nämlich nur zu Besuch und kannte sich im Revier nicht aus. Vermutlich hatte er ein Eichhörnchen, ein Kaninchen oder sogar ein Wildschwein gewittert, die Verfolgung aufgenommen und dabei die Orientierung verloren. Überall im Wald waren Rufe, Schreie und Pfiffe zu hören, wie ich sie von den rumänischen Hundefängern her kenne. Die kamen ja nicht nur in der Stille der Nacht. Manchmal trieben sie uns mit fürchterlichem Krach in die Enge, um uns so leichter einfangen zu können.- Mir war das alles zu viel, ich wollte nur nach Hause. Zum Glück hatte Herrchen ein Einsehen und brach die Runde vorzeitig ab. Wir holten sie mit Frauchen dann später nach.


Es dauert sicher noch eine Weile, bis ich mich ganz an ein normales Hundedasein gewöhnt habe. Aber wir lassen uns Zeit, und jeden Tag gewinne ich ein Stück Selbstvertrauen hinzu. Das Leben kann wunderschön sein!


Also dann, gute Nacht und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly!
 


DANKE, liebes JULCHEN,

dass Du mich hierher geführt hast!


Nickname 26.06.2017, 20.50| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

ZU HAUSE! ZU HAUSE?

 

Die Fahrt nach Berlin dauert nur eine Dreiviertelstunde, viel zu kurz für meinen Geschmack. Wie wird mein künftiges Leben aussehen? Wird es mir dort gefallen und wird man mich gut behandeln? Von den vielen Fragen schwirrt mir der Kopf und mein Bauch tut vor Aufregung weh. Zum Glück fährt der Mann sehr vorsichtig, besonders wenn Kurven kommen. So wird mir wenigstens nicht übel. Ich sitze im Heckraum des Autos, durch ein Gitter von den anderen getrennt. Die Frau hat es sich mit Barny (so heißt der Blonde) auf der Rückbank bequem gemacht. Warum lassen sie mich nicht mit ihm zusammensitzen? Haben sie Angst, ich könnte ihn beißen? Das fiele mir nicht im Traum ein! Aber vielleicht verhält es sich auch umgekehrt, schließlich hat er hier die älteren Rechte.

Dann sind wir am Ziel. Mir wird nun doch ein bisschen schlecht und ich muss würgen. Leider merkt es keiner, und die Bescherung landet im Auto. Sofort ist mir besser, dafür wird es wohl ein Donnerwetter und womöglich sogar Schläge setzen. Aber nichts dergleichen passiert, stattdessen werde ich getröstet und behutsam aus dem Wagen gehoben. Scheu, mit geducktem Kopf sehe ich mich um. Von außen wirkt das Haus riesig, wie soll ich mich je darin zurechtfinden? Wir gehen auch nicht sofort hinein, sondern drehen erst eine Runde durch den Garten. Ein Glück, ich muss nämlich dringend mal Pipi und … na, Sie wissen schon. Der Stress und die Aufregung schlagen durch. Hinterher fühle ich mich erleichtert und sehe mich ein bisschen um. Schön groß ist der Garten ja und nicht zu ordentlich. Gepflegte Wildnis sozusagen. Wie es scheint, nimmt man hier auf die Bedürfnisse von uns Hunden Rücksicht. Aber jetzt wird es kritisch, wir gehen ins Haus. Das heißt, die anderen gehen rein. Ich weigere mich strikt, da können die beiden Menschen bitten und locken, soviel sie wollen. Bin ich nämlich erst einmal drinnen, sitze ich in der Falle, dann ist jeder Gedanke an Flucht aussichtslos.


Sie haben ein Einsehen und lassen mich in Ruhe. Erst nach einer Weile kommt der Mann und trägt mich ins Haus. Zitternd hebe ich meine Nase in die Luft und schnuppere: Wenigstens riecht es hier nicht steril, sondern angenehm würzig nach Hund. Die Frau stellt mir eine Schüssel mit Futter hin. Das duftet verlockend, und weil ich furchtbar hungrig bin, schlinge ich es in Sekundenschnelle hinunter. Sie zeigen mir den Wassernapf und meinen Schlafplatz. In der Küche und im Flur lassen sie eine kleine Lampe brennen. Dann streicheln sie mich noch einmal, reden mir gut zu und gehen ins Bett. Die erste Nacht im neuen Heim steht mir bevor - umgeben von fremden Gerüchen, fremden Geräuschen und fremder Stille. Ich fürchte mich ein bisschen. Ob ich hier wohl heimisch werde? Morgen ist ein neuer Tag, dann sehen wir weiter.


Also dann, gute Nacht und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly
 



Nickname 25.06.2017, 21.57| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

GESCHAFFT !

 

Kurz und froh gesagt: Sie haben mich genommen! Es lief alles ganz leicht. Zugegeben, als Frau T. die Haustür aufmachte und die Beiden hereinließ, bin ich erst einmal erschrocken: So ein großer Mann, mindestens 1,90 m! Sie können sich denken, dass mir ein bisschen bange ums Herz war; bisher hatte ich von Männern ja nichts anderes als Fußtritte und Schläge kennengelernt. Vorsichtshalber legte ich mich vor dem Riesen auf den Rücken und präsentierte ihm mein Bäuchlein. Wenn er nur ein paar Brocken Hündisch konnte, dann würde er diese Demutsgeste schon verstehen. Ich kniff die Augen fest zu und wartete. Es dauerte gar nicht lange, bis er anfing, mir mit den Fingerspitzen vorsichtig die Brust zu kraulen. War das angenehm, von mir aus hätte er ewig weitermachen können. Doch da hörte ich die Frau sagen: „So, jetzt bin ich aber auch mal dran!“ Sie hatte sich bis dahin im Hintergrund gehalten, wohl um zu sehen, wie ich auf den Mann reagierte. Nun holte sie eine große Tüte mit Leckerlis hervor, und es dauerte nur eine Minute, bis wir zehn uns um sie versammelt hatten. Das heißt nein, wir waren elf, denn sie hatten noch jemanden mitgebracht: Einen hübschen, blonden Hundejungen, der sich wie selbstverständlich zu uns setzte. Ob sie den gegen mich austauschen wollten? Das hätte mir für ihn leid getan, er gefiel mir nämlich ausgesprochen gut. Aber da irrte ich mich zum Glück.


Nachdem die Tüte mit den Leckereien leer gefuttert war, durften der Blonde und ich uns in aller Ruhe beschnuppern. Das taten wir ausgiebig, drehten gemeinsam ein paar Runden durch den Garten, und im Nu war das Eis zwischen uns gebrochen. Der Rest ist schnell erzählt: Es mussten nur noch einige Formalitäten erledigt und etwas Geld bezahlt werden, dann hieß es Lebewohl sagen zu Frau T. und meinen Pflegegeschwistern. Sie werden verstehen, ein bisschen wehmütig war mir dabei schon zumute. Ich hatte mich hier ja wohl gefühlt, und wer wusste denn, was mich dort draußen erwartete? Frau T. strich mir beim Abschied über den Kopf, wünschte mir viel Glück und versprach, mich bald besuchen zu kommen, um zu sehen, wie ich es getroffen hätte. Zum Dank für alles leckte ich ihr kurz die Hand und fuhr ihr mit der Zunge einmal quer übers Gesicht. Dann stiegen wir zu viert ins Auto, und die Reise in mein neues Leben begann.


Beim nächsten Mal berichte ich Ihnen mehr darüber.

Also dann, gute Nacht und auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Nickname 24.06.2017, 19.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

FAST AM ZIEL

 

Auf der Pflegestelle bei Frau T., in der Nähe von Berlin, ging es mir gut. Zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich anständiges Fressen und für mich allein ein Körbchen mit einer weichen Decke darin. Das Schönste war, dass ich nicht mehr vor schwarz angezogenen, nach Alkohol stinkenden Männern mit Holzknüppeln und Eisenstangen um mein Leben rennen musste.

Wir waren zu zehnt in dem Haus. Frau T. und ihre Kinder sprachen immer sehr freundlich mit uns und gaben uns viele Streicheleinheiten. Natürlich nie genug, dafür reichten die Hände und auch die Zeit nicht aus. In dem großen, ein bisschen verwilderten Garten durften wir nach Herzenslust buddeln und toben. Mir war das meistens zuviel, ich mochte lieber meine Ruhe haben. Deswegen zog ich mich oft in mein Körbchen zurück und träumte vor mich hin. Wovon? Das wusste ich damals nicht genau, heute ist es mir klar.

Unsere Pflegemama sprach häufig in so ein kleines Ding, das sie Handy nannte. Manchmal kamen danach Menschen, um einen von uns zu besuchen und meistens nahmen sie ihn anschließend mit. Frau T. war dann immer sehr zufrieden, und für uns Zurückgebliebene gab es ein paar extra Leckerlis. Ich habe keine Ahnung, was aus meinen Kameraden geworden ist, aber ich hoffe, sie mussten nicht zurück auf die Straße.

Eines Morgens redete Frau T. wieder mit dem kleinen Apparat. Als sie fertig war, setzte sie sich zu mir, kraulte mich hinter den Ohren und sagte: „Na, meine süße Bona“, (diesen Namen hatte man mir in Rumänien gegeben), „vielleicht wird das heute dein Glückstag, und für dich fängt ein ganz neues Leben an.“ Ein neues Leben? Eigentlich war ich hier mit meinem momentanen recht zufrieden, es war das angenehmste, das ich je geführt hatte. Aber Frau T.´s fröhliche Stimme ließ mich ahnen, dass da draußen womöglich etwas noch Besseres auf mich wartete.

Schluss für heute, ich merke, dass ich schläfrig werde.
Also dann, auf Wiederlesen.

Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Nickname 23.06.2017, 19.36| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

DER HÖLLE ENTRONNEN

 

Über mein Dasein in Rumänien mag ich gar nicht viel erzählen. Brütende Hitze und klirrende Kälte, auf glühendem Asphalt verbrannte oder am Eis festgefrorene Pfoten; ewiger Hunger, Fressen aus Mülltonnen – falls die Stärkeren in der Gruppe etwas übriggelassen hatten – und ständig auf der Flucht vor den Hundefängern. Mich hatten sie schon erwischt. Zu meinem Glück kamen deutsche Tierschützer, kauften mich frei und brachten mich in ihre Hundeauffangstation. Dort wurde ich kastriert, erhielt meine offiziellen Papiere und durfte endlich ausreisen: Nach Deutschland in ein hoffentlich besseres Leben.

Das alles möchte ich liebend gern möglichst schnell vergessen. Aber Erinnerungen sind hartnäckig. Sie folgen dir überall hin, und die Angst vor grausamen Menschen bleibt. Ich erschrecke immer noch bei lauten Geräuschen, misstraue jedem Fremden, möge er mir noch so freundlich begegnen. Am meisten fürchte ich mich vor dunkel gekleideten Männern. Mein Frauchen (so nenne ich sie inzwischen; bis vor kurzem war sie bloß 'die Frau') wusste das. Sie hatte es in meiner Beschreibung auf der Tierschutzseite gelesen und zu 'dem Mann' (der mittlerweile mein Herrchen ist) gesagt: "Zieh dir am besten helle Kleidung an, wenn wir die Kleine kennen lernen, damit sie keine Angst bekommt." Das war wirklich rücksichtsvoll von ihr. Aber ich habe ja ein feines Gespür und merkte gleich am Geruch, dass er wohl einer von den Guten sein müsse. Ganz allmählich, in kleinen Schritten, lerne ich nun auch zu vertrauen; erst einmal nur den Beiden und ein bisschen der netten Tierärztin, alles Weitere findet sich.

Das genügt für heute, mir fallen schon wieder die Augen zu.

Also dann, auf Wiederlesen.

Haben Sie es fein!
Ihre Nelly





Nickname 22.06.2017, 20.04| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

INS AUGE GEGANGEN

 

Als ich am Dienstag frühmorgens aufgewacht bin, bekam ich einen Riesenschreck. Mein rechtes Auge ging nicht auf und tat höllisch weh. So weh, dass ich ganz laut gejault habe, was ich sonst nie tue. Frauchen ist dann gleich um halb zehn mit mir zur Tierärztin gefahren. Die hat ein ernstes Gesicht gemacht und gemeint, das müssen wir ausschaben. Och nee, dachte ich, nicht schon wieder! Ich hab das nämlich schon dreimal mitgemacht, und immer war es scheußlich. Das Problem ist mein schwaches Immunsystem, ein Andenken an mein früheres Leben als Straßenhündin in Rumänien. Da gab es nicht so gute und nahrhafte Sachen zu fressen wie hier. Jetzt päppeln wir mit homöopathischen Tabletten und bestem Futter meine Abwehrkräfte auf. Bis die richtig stark sind, bleibe ich eben anfällig und rufe ganz schnell „Hier!“, wenn zum Beispiel Erkältungsviren verteilt werden. Dann schwellen die Lymphknoten in meinem rechten Auge, das wegen der Hornhautverletzung besonders empfindlich ist, stark an. Eklige Pickelchen entstehen da, so wie die kleinen Kerne auf den Erdbeeren. Sie können sich wohl denken, wie schmerzhaft das ist. (Wenn Ihnen schon mal ein paar Sandkörner ins Auge geflogen sind, wissen Sie, was ich meine.) Die müssen dann ausgekratzt werden, natürlich mit örtlicher Betäubung. Die reichte diesmal aber nicht aus; kaum hatte die Tierärztin mein Auge berührt, habe ich auch schon geschrien. Da hat sie noch ernster geguckt und gesagt, dann müssen wir es wohl unter kurzer Vollnarkose machen. Frauchen rief zu Hause an, und Herrchen kam auch in die Praxis. Das Ganze hat nur ein paar Minuten gedauert, und nach einer halben Stunde wusste ich schon wieder, wer und wo ich war. Jetzt heißt es, weiter jeden Tag morgens, mittags, abends und vor dem Schlafengehen Augensalbe schmieren. Darin haben wir schon wochenlange Übung und ehrlich gesagt, wir finden es alle lästig. Aber wenn´s hilft…

In der Narkose habe ich viel buntes Zeug durcheinander geträumt: Von Rumänien, wie ich nach Deutschland gebracht wurde, von der Pflegestelle hier und wie ich in mein neues Zuhause kam. Am besten erzähle ich Ihnen das der Reihe nach. Aber erst morgen, jetzt bin ich müde. Das Schreiben ist ja noch ungewohnt für mich.


Also dann, auf Wiederlesen.


Haben Sie es fein!
Ihre Nelly



Nickname 21.06.2017, 18.21| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

WE PROUDLY PRESENT...

... Miss Nelly!


Von vorwärts...,



seitwärts...




und rückwärts.



Jeder Schnappschuss ist ein Glückstreffer,

weil unsere kleine Rumänin immer noch große Angst vorm Fotografieren hat.

 

Nickname 21.06.2017, 09.46| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: NELLYS TAGEBUCH | Tags: Erinnerungen

2017
<<< Juni >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
   01020304
05060708091011
12131415161718
19202122232425
2627282930  
ÜBER MICH:Geboren vor 61 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.