Mitternachtsspitzen

Ausgewählter Beitrag

WENN AUCH DIE JAHRE VERGEHN

Hinter dem Horizont geht es weiter…

Und dort sehen wir uns wieder.




 JULCHEN


Vom 4. September 2013 bis zum 4. Mai 2014 warst Du unser lieber, kleiner Schatz – acht Monate auf den Tag genau. Verzeih uns, dass wir nicht mehr für Dich tun konnten; bitte glaube mir, gemeinsam mit der Tierärztin haben wir alles unternommen, um immer noch ein bisschen mehr Zeit herauszuschinden. Es tut mir so leid, meine Süße – am Ende haben die Krankheiten und das hohe Alter (schließlich trugst Du Deinen früheren Namen „Seniora“ zu Recht) doch über Deinen Lebenswillen gesiegt. Dein Gesäugetumor hatte die Größe einer Kinderfaust, und wer weiß, wie weit er schon gestreut hatte. In dem polnischen Tötungslager, aus dem du dank lieber Tierschützer gerettet werden konntest, hat sich natürlich niemand darum geschert. Und um herauszufinden, dass du obendrein an einer hochgradigen Futtermittelunverträglichkeit littest, musste unsere Frau Doktor mal wieder Detektivarbeit leisten. Aber nun im Regenbogenland ist alles wieder gut, Du hast keine Schmerzen mehr, bist wieder jung und gesund. 


Von Tag zu Tag wurdest Du uns vertrauter mit Deinem lieben, alten Omigesicht. Du hattest Dich als herzliebes kleines Seelchen entpuppt und zeigtest mir Deine Dankbarkeit im wahrsten Sinne auf Schritt und Tritt. Dein Lieblingsparkplatz befand sich direkt auf meinen Füßen. Oder Du schlummertest tief und fest in Deinem Körbchen neben mir. Deine kleine rosa Zungenspitze schaute dabei  aus dem Schnäuzchen hervor; immer wieder rutschte sie durch die Lücke, die die fehlenden Vorderzähne nach der OP hinterlassen hatten. Diese erfolgte buchstäblich in letzter Minute – hätten wir aus Angst um Dein schwaches Herz nur einen Tag länger gezögert, wäre es zu einer Blutvergiftung gekommen. Du warst so tapfer, hast alle Schmerzen klaglos ertragen und warst dabei stets lustig und vergnügt. Ich muss immer noch lachen, wenn ich an Deine übermütigen Zickleinsprünge denke, die gut und gern zwei Meter weit waren; oder wenn Du im gestreckten Galopp durch den Garten ranntest vor Erleichterung, nachdem Du den „geschäftlichen Teil“ erledigt hattest. Deine Lebensfreude war ansteckend; und wenn Du dann erschöpft, aber zufrieden in Deinem Bettchen leise vor Dich hin schnarchtest, hätte ich Dir stundenlang dabei zusehen können.




Auch wenn Du uns nur für eine kurze Zeit geliehen warst, bis wir Dich dem lieben Gott zurückgeben mussten, hast Du uns viel Freude gemacht. Du warst schon ein Persönchen, hattest Deinen eigenen kleinen Kopf und wusstest genau, was Du wolltest oder nicht. Ich vergesse nie, wie Du oft neben dem Tisch gesessen und gequengelt hast – erst nur ganz leise, aber dann immer nachdrücklicher, wenn es Dir zu lange dauerte, bis Du endlich Deine heißgeliebten Häppchen bekamst. Du durftest das; wir fanden, mit Deinen vierzehn Jahren stand es Dir dienstgradmäßig zu. Was ich mir schwer verzeihen kann, ist, dass wir Dir drei Tage vorher noch diese Zahn – OP zugemutet haben. Wir hielten es für richtig, die Tierärztin sagte es auch. Du hattest offensichtlich große Zahnschmerzen; so sehr, dass Du kaum schlucken konnest und daher nichts mehr fressen wolltest. Wie immer warst Du sehr tapfer und hast kein bisschen geklagt. Hätten wir aber gewusst, dass es Deine allerletzten Tage waren, vielleicht hätten wir dann anders entschieden. Wenigstens hast Du so noch erfahren, wie gut pürierter Lachs und Putenleber schmecken.



 

Nun mach es gut, meine Süße. Grüß die anderen, und denkt manchmal an uns, ja? Eines schönen Tages werden wir uns alle wiedersehen.

Darauf freut sich schon


Dein Frauchen

Nickname 05.03.2020, 14.10

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Karin

Was für eine herzerwärmende Erinnerung. Ja vor allem die alten Tiere sind eigentlich so angenehm zu halten, wenn nicht immer die Angst vor deren Gesundheit und Verlust wäre.
Meine Welhs Terrier Hündin war auch 14 Jahre geworden und hatte am Ende Krebs. Seit dem habe ich immer eine Katze aus dem Tierschutz.
Ich bewundere Sie, dass Sie immer so alten und kranken Hunden ein so liebes Zuhause geben und diese Tiere noch einmal spüren dürfen das Sie geliebt werden.

Herzliche Grüße aus Bayern



vom 06.03.2020, 17.53
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ÜBER MICH:Geboren vor 64 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von sieben allerliebsten Fellnasen.

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