Mitternachtsspitzen

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Alter

SPÄTSOMMER, TEIL2 : JAHRESRINGE

Bäume und Menschen haben vieles gemeinsam: Am Beginn ihres Lebens sind sie biegsam und geschmeidig. Mit den Jahren werden sie starrer und weniger flexibel; aber die Erfahrung lehrt sie, sich den Gegebenheiten anzupassen und so allen Stürmen zu trotzen. Beide setzen im Laufe ihres Lebens Jahresringe an. Und wie beim Baum die Rinde, wir die Haut des Menschen mit der Zeit poröser und durchlässiger - er bekommt ein dünneres Fell. Dabei muss es im Alter keineswegs düster oder trist zugehen. "Küss mich, ich bin der Herbst und habe auch noch meine sonnigen Tage!", heißt es nicht umsonst.


Ältere Menschen haben wie wir alle ein Recht auf Liebe und sie haben ihren ganz eigenen, mit viel Lebensweisheit gewürzten Humor. Manchmal werden sie auch wieder wie Kinder: genauso offen, ehrlich und direkt. Daher habe ich mich entschlossen, meinen lieben Alten eigene Blogeinträge zu widmen. Genügend Material dafür gibt es. Zu den selbst erlebten Geschichten aus meiner ehrenamtlichen Arbeit in zwei Seniorenheimen werden sich unter anderem die von Wolfgang Lange in seinem Buch "Omas Sparbuch, Opas Krückstock..." gesammelten Anekdoten gesellen. Die Bilder habe ich nach Fotos selbst gebastelt und veröffentliche sie hier mit freundlicher Erlaubnis.


Hier ein kleiner Vorgeschmack:


"Wenn man mich fragt, wie es mir gehe
und wie´s mit der Gesundheit stehe,
so sage ich mit frohem Mut:
"Danke, gut!"-
Es wurde mancher Mediziner
erfolgreich an mir zum Verdiener.
Zuerst mal waren es die Augen,
die nicht so recht mehr wollten taugen.
Dann spürte ich nach kurzer Zeit:
Du läufst ja nicht mehr allzu weit!
Und ein Geheimnis war zu lüften,
woher die Schmerzen in den Hüften?
Ein Othopäd von hoher Kunst
hat mir die linke flott verhunzt.
Ein steifes Knie, ein kurzes Bein
bracht´ mir die Unternehmung ein.
Dann ging die rechte Hüft´ entzwei.
In Hamburg machte man sie neu
Und baute nach der Anamnese
gleich ´ne vernünftige Prothese.
Nun will das Hören nicht gelingen,
ich hör nicht mehr die Vöglein singen.
Der Ohrenarzt weiß guten Rat
und kommt mit einem Apparat,
setzt mir ein Knöpfchen in das Ohr,
schwupps! - hör ich lauter als zuvor.
Der Zahnarzt hat sein Teil getan,
dass beißen ich - und lachen kann.
Erst war´s ne Krone, dann die Brücke,
er tauschte aus mir Stück um Stücke.
Drum sagt man mir trotz aller Falten:
"Du hast dich wunderbar gehalten!"
So wird der Mensch zu guter Letzt
von Kunst und Technik ganz durchsetzt.
Sogar ein Herz ersetzt man dreist,
doch nie die Seele und den Geist.
Drum fragt mich einer, wie´s mir gehe
Und wie´s mit der Gesundheit stehe,
dann sagt mein Ich mit frohem Mut:
"Danke, gut!"


(Gefunden im Nachlass einer Heimbewohnerin)

So humorvoll kann Älterwerden also auch gehen.

Ich finde: Zur Nachahmung empfohlen!



Nickname 02.07.2020, 16.05 | (0/0) Kommentare | PL

SPÄTSOMMER, TEIL 1: WAS HEISST DENN HIER ALT?

Drei Schwestern, 92, 94 und 96 Jahre alt, leben zusammen in einem Haus. Eines Abends lässt sich die 96jährige ein Bad ein. Als sie mit dem ersten Fuß drinnen ist, ruft sie ihre Schwestern: "War ich gerade dabei aus dem Bad oder in das Bad zu steigen?"
Die 94jährige ruft zurück: "Ich weiß es nicht. Ich komme zu dir rauf um nachzusehen!"
Auf halbem Weg auf der Treppe bleibt sie stehen und ruft: "War ich gerade dabei die Treppe hinauf oder hinunter zu gehen?"
Die 92jährige sitzt am Küchentisch bei einer Tasse Tee und hört ihren Schwestern zu.
Sie schüttelt den Kopf und klopft auf den Tisch: "Auf Holz klopfen und hoffen, dass ich nicht auch so werde."
Dann ruft sie ihren Schwestern zu: "Ich komme gleich um euch zu helfen, aber zuerst muss ich nachsehen, wer gerade an der Tür geklopft hat!"

***************

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin in zwei Seniorenheimen (wobei der Begriff durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn dieses Amt bedeutet eine Ehre für mich) halte ich immer wieder kurze Referate zum Thema Menschen und Leben ab 60 plus vor interessierten Heimbewohnern und deren Angehörigen. Mein Augenmerk liegt dabei vor allem auf der Tatsache, dass dieser Lebensabschnitt nicht in erster Linie Abbau und Siechtum bedeutet, sondern ebenso bewusst und erfüllt gelebt werden kann, wie die Jugend und das „Mittelalter“. Und je mehr man darüber weiß, desto mehr verliert diese Lebensphase ihren Schrecken. Ich wende mich mit meinen kleinen Vorträgen an alle, die ältere Angehörige pflegen oder für ihre eigene Zukunft gewappnet sein wollen. Einiges davon möchte ich hier gern wiedergeben. Ich wünsche unterhaltsame und informative Lektüre!


Zunächst einmal gilt es zu klären: Altern und Alter - was ist das eigentlich? Es handelt sich dabei um einen ganz normalen, biologischen Vorgang, welcher, wenn man es genau nimmt, bereits im Moment der Zeugung einsetzt. Im Laufe seines Lebens sammelt der Mensch Erfahrungen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Zwar ist manchmal vom „kindischen Greis“ die Rede, wenn ein Mensch im höheren Alter in kindliche Verhaltensweisen zurückzufallen scheint. In Wahrheit bedeuten diese Parallelen zu kindlichen Verhaltensweisen aber keinen Rückschritt in der Entwicklung des Menschen, sondern sind Teil derselben.


Auf welche Weise und in welchem Tempo der Alterungsprozess fortschreitet, hängt wesentlich von der Persönlichkeit des Einzelnen, seinen Lebensumständen und seiner Lebensführung ab.


Nach neuesten Erkenntnissen der Gerontologie (Altersforschung) ist der Mensch nicht so alt:


- wie seine Gefäße und seine Stoffwechselfunktion (körperliche Begriffsbestimmung)


- wie er sich fühlt (seelisch-geistige Begriffsbestimmung) - auch wenn der Volksmund etwas anders behauptet. Denn sonst könnte man sich subjektiv nicht manchmal wie ein Teenager und dann wieder wie Methusalem fühlen.


- wie gesellschaftliche und politische Rollenzuweisungen ihn definieren (gesellschaftspolitische Begriffsbestimmung), sondern er ist so alt wie sein Anpassungsvermögen (Adaption) an seine Umwelt und die jeweilige Situation. Dieses nimmt mit zunehmendem Alter in bestimmten Bereichen ab, während es sich in anderen Bereichen wandelt. Es ist außerdem abhängig von Umweltbedingungen und der Fähigkeit, seinem individuellen Leben auf körperlichem, geistigem und mitmenschlichen Gebiet einen Sinn zu geben.



Nickname 01.07.2020, 22.00 | (0/0) Kommentare | PL

FOREVER YOUNG



Träumen Sie auch von der immerwährenden Jugend? Meine Kusine Billa tut das. Ein ebenmäßiges, faltenloses Gesicht, straffe Brüste sowie Bauch/Beine/Po als cellulitefreie Zone und das alles auf ewig und drei Tage, das wär´s für sie. Trotz aller fieberhaften Suche ist dieser Jungbrunnen aber noch nicht gefunden; und bis es soweit ist, wird eben gecremt, geschnippelt, abgesaugt und aufgespritzt, was das Zeug hält. Die Prominenz macht es vor, und Billa erwägt ernsthaft, sich etwas Fett vom Gesäß entnehmen und in die Wangen injizieren zu lassen. Da bekommt das Wort „Arschgesicht“ eine ganz neue Bedeutung... Für mich hört sich das eher nach einem Horrorfilm an, Frankenstein lässt grüßen! Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass sich wohl die wenigsten darüber im Klaren sind, mit welchem Tierleid und welcher Tierquälerei das vermeintliche Plus an Schönheit erkauft wird.


Botulinumtoxin (besser bekannt als Botox) zum Beispiel ist ein Nervengift und zwar „das stärkste Gift der Welt. Schon ein Zehnmillionstel Gramm genügt, um einen Menschen zu töten.“ Malen Sie sich bitte einmal aus, wie viele unserer Mitgeschöpfe unter unsäglichen Schmerzen sterben mussten, bevor dieses Präparat überhaupt auf dem Markt zugelassen wurde und fragen Sie sich dann, ob das bisschen makellose Haut solche Opfer rechtfertigt. Wobei „makellos“ relativ ist, da Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegt. Trotzdem entwickeln sich kosmetische Operationen mittlerweile immer häufiger zur Sucht. Wer an einer Stelle angefangen hat, findet stante pede eine neue, die ebenfalls noch optimierungswürdig scheint.


Wissenschaftler und Alchimisten in der ganzen Welt arbeiten ja schon seit Jahrhunderten daran, dem Geheimnis der ewigen Jugend und nie vergehenden Schönheit auf die Spur zu kommen. Neben der unsterblichen Seele einen ebensolchen Körper zu besitzen, wäre jedoch eine Katastrophe. Wir sind eh schon zu viele, und täglich kommen einige Hunderttausende hinzu. Es ist abzusehen, wann Mutter Erde diese immer schwerer werdende Last nicht mehr tragen, geschweige denn ernähren kann.


Für immer jung, möchten Sie das wirklich sein? Also, ich nicht. Ewige Jugend wäre ja auch gleichbedeutend mit ewigem Stillstand, da der Geist, genau wie der Körper, auf der Stelle treten würde. Es gäbe keine Entwicklung, keinen Reifeprozess, keine Erfahrungen. Außerdem habe ich Heimweh nach denen, die schon mal vorgegangen sind - besonders nach meinen Großeltern und unseren Hunden – und freue mich darauf, sie eines Tages wiederzusehen. Im Übrigen besitzen alte Gesichter mit ihren Runzeln und Falten für mich eine besondere Ausstrahlung und ihren ganz eigenen Reiz. Ich lese gern in ihnen und höre den Menschen, die sie tragen, zu, wenn diese mir die Geschichten ihres langen Lebens erzählen.



Nickname 28.06.2020, 20.56 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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ÜBER MICH:Geboren vor 64 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von sieben allerliebsten Fellnasen.

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