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Tag: unruhig
BALDOVINO: VOM KÜHNEN FREUND ZUM STILLEN BEOBACHTER - UND ZURÜCK?

Baldovino
Rasse: Mischling
Geschlecht: Rüde
Geboren: 09/2015
Schulterhöhe: 59 cm
September 2026: Als Baldovino vor drei Jahren ins Lager kam, trug er noch Hoffnung im Herzen. Offen und voller Vertrauen begegnete er den Menschen, sog jede Aufmerksamkeit förmlich auf, als wolle er all die versäumte Zuneigung seines bisherigen Lebens in wenigen Momenten nachholen.

Doch die Zeit hat Baldovino verändert. Der einst lebensfrohe, aufgeschlossene Rüde ist ruhiger geworden. Er lässt sich weiterhin anfassen und gut handhaben, nimmt den Kontakt zu Menschen an, sucht aber kaum noch von sich aus ihre Nähe. Die stürmische Begeisterung, mit der er früher auf Menschen zuging, ist einer vorsichtigen Zurückhaltung gewichen.

Draußen dagegen scheint noch etwas von seiner alten Neugier lebendig zu sein. Jede Bewegung, jeder neue Geruch zieht seine Aufmerksamkeit auf sich; vielleicht, weil es dort wenigstens ein wenig Abwechslung in seinem ansonsten eintönigen Alltag gibt.
Drei Jahre in Beton und hinter Gittern lassen keinen Hund unberührt. Stück für Stück gehen Unbeschwertheit und Lebensfreude verloren, wenn jeder neue Tag dem vorherigen gleicht.

Heute lebt Baldovino abgesondert in einer Einzelbox. Anfangs teilte er sich seine Zelle noch mit weiteren Artgenossen; doch der andauernde Stress, das Bellen, die Enge und der ewige Lärm haben ihn zermürbt. Wenn er andere Hunde nur sieht, wird er unruhig, seine Nerven liegen blank. Tag für Tag derselbe Ausblick, dieselben Gerüche, dieselbe Einsamkeit – ein Leben im Kreis, geprägt vom Warten.
So zieht sich Baldovino immer mehr zurück. Die Hoffnung in seinen bernsteinfarbenen Augen ist leiser geworden. Wer ihn heute sieht, der erahnt, wie viel von seiner einstigen Lebensfreude ihn die vergangenen drei Jahre gekostet haben.

Vielleicht gehörte Baldovino tatsächlich einmal zu einer Familie. Denn lieb, anhänglich und voller Vertrauen zu Menschen war er, als die Tierschützer ihn im November 2023 kennenlernen durften. Auf ihren unerwarteten Besuch reagierte er mit überschwänglicher Freude. Auch an der Leine konnte er bereits sehr gut gehen. Außerdem kam Baldovino erst mit acht Jahren in ein Canile. Vieles spricht also dafür, dass er früher einmal bei Menschen gelebt hat.
Aber unter uns gesagt: Wer seinen achtjährigen Rüden in ein Hundegefängnis steckt, hat das Prädikat Familie nicht verdient. Doch das ist eine andere Geschichte.
Diejenige, die jetzt für Baldovino geschrieben werden könnte, wäre diese hier: Ein eigenes Zuhause, endlich dazugehören, verlässliche Menschen, Ruhe und die Gewissheit, nicht wieder verloren zu gehen.

Sein Name bedeutet übrigens mutiger, tapferer oder kühner Freund. Und unser lieber, großer Baldovino wäre bestimmt nicht nur das, sondern auch ein treuer Begleiter seiner Lieblingsmenschen – wenn er sie nur endlich haben dürfte.
Trotz allem ist er ein stolzer, schöner Hund geblieben. Die Jahre im Lager haben ihn leiser gemacht, seine Hoffnung vorsichtiger, seine Freude verhaltener. Aber sie haben den mutigen Freund in ihm nicht ausgelöscht und es braucht gar nicht so viel, um ihn wieder hervorzulocken: Nur ein wenig Verständnis, Geduld und natürlich viel Liebe, damit er spürt, dass sein Leben noch nicht zu Ende ist.

Baldovino läuft die Zeit davon. Doch vielleicht ist ja da draußen jemand, der ihm gerade noch früh genug zeigt, dass er nicht vergessen wurde.
Daniela Koenemann
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05.09.2026, 16.11 | (0/0) Kommentare | PL
JACK - MAN SAGT, DAS LEBEN GEHT WEITER

Jack
Rasse: Pinscher Mischling
Geschlecht: Rüde
Geboren: 09.2015
Schulterhöhe: 40 cm
Es gibt Dinge, die man einem Hund nicht erklären kann. Zum Beispiel, warum ein Mensch morgens das Haus verlässt und abends nicht mehr zurückkommt. Egal, wie viele Abende man wartet.
Jack wird im September elf Jahre alt. Fast sein ganzes Leben hat er bei demselben Herrchen verbracht. Nie musste er sich Gedanken darüber machen, wo er hingehört. Er hatte ein Zuhause, einen festen Alltag und seinen Menschen.

Wahrscheinlich wusste er genau, wann es Zeit für den Spaziergang war und wo er sich abends hinlegen konnte. Für einen Hund werden solche Dinge irgendwann selbstverständlich - bis sie es plötzlich nicht mehr sind.
Jacks Besitzer ist gestorben.
Eine Zeitlang blieb der kleine Pinschermischling noch in seinem Zuhause. Dort lebte ein weiterer älterer Mann, der selbst immer wieder ins Krankenhaus musste und sich in einer schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Lage befand. Bald war klar, dass sich niemand mehr um Jack kümmern konnte und die örtliche Gesundheitsbehörde bat die Tierschützer um Hilfe.
Als Jack im Tierheim ankam, war er verängstigt und völlig orientierungslos. Das überrascht nicht, denn niemand kann einem Hund erklären, was der Tod bedeutet. Er weiß nur, dass sein Mensch verschwunden ist, dass plötzlich alles anders riecht und er nun hinter Gittern schläft.

In seiner Box kommt Jack nur schwer zur Ruhe. Er bellt herzzerreißend viel, und manchmal klingt es fast, als würde er seinen Menschen rufen. Draußen verändert er sich jedoch sofort. Sobald er an der Leine unterwegs ist und jemanden an seiner Seite hat, wird aus dem unruhigen, kleinen Hund ein entspannter Vierbeiner, der die Nähe und die gemeinsame Zeit sichtlich genießt.
Fremden begegnet Jack zunächst noch etwas vorsichtig. Er braucht ein bisschen, um Vertrauen zu fassen. Doch sobald er merkt, dass ihm nichts geschieht, lehnt er sich an seinen Begleiter, sucht bei ihm Trost und Sicherheit.

Mit anderen Hunden kommt Jack gut zurecht. Auch Katzen kennt er bereits aus seinem früheren Zuhause, das er sich mit sechs Samtpfoten geteilt hat. Autofahrten meistert er problemlos, und selbst der Stadt begegnet er neugierig und erstaunlich gelassen. Keineswegs selbstverständlich für einen kleinen Hund, dessen Welt vor wenigen Wochen vollständig zusammengebrochen ist,
Jack hat eine leichte Mitralklappeninsuffizienz. Das ist eine häufige Herzerkrankung bei älteren Hunden kleiner Rassen, bei der eine undichte Herzklappe dazu führt, dass Blut in den Vorhof zurückfließt.

Momentan braucht er dafür keine Behandlung. Viel dringender braucht er etwas anderes: Einen neuen Fixpunkt - jemanden, der ihm zeigt, dass das Leben nicht mit dem Tod seines Herrchens aufgehört hat.
Vielleicht muss Jack gar nicht noch einmal ganz von vorne anfangen. Vielleicht genügt es schon, wenn er den Rest seines Lebens dort verbringen darf, wo man seinen Namen kennt, wo seine kleine Welt wieder in Ordnung kommt und er nicht mehr bellen muss, um gehört zu werden.
Fast elf Jahre lang hatte Jack ein Zuhause. Wir wünschen uns von Herzen, dass es nicht das einzige bleibt.
Sabine Wojtok
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01.08.2026, 17.03 | (0/0) Kommentare | PL
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Geboren vor 71 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.

