Mitternachtsspitzen

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: C´EST LA VIE!

GANDHI UND ICH


„Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst.“ Diesen Satz von Mahatma Gandhi hörte ich in einer Folge der US – Fernsehserie „Eine himmlische Familie“. Ich liebe die Camdens. Sie sind so ungeheuer amerikanisch, und sämtliche gängigen Klischees vom pappigen „Dairy Shake“ - Burger über den autoritären Cop bis zum unrealistisch - prüden „No sex before marriage“ werden in den einzelnen Folgen bedient. Die Serie macht süchtig, und seit ich mit dem Gucken angefangen habe, kann ich die Fortsetzung kaum erwarten.


Zurück zu Gandhi. Dieser weise Mann hat in seinem Leben vieles gesagt und getan, was nachdenkens- und –ahmenswert ist. Das obige Zitat spricht mich besonders an, denn im Grunde ist es ganz einfach. Wenn dir solche Dinge wie Unfrieden, Vorurteile, Hass, Intoleranz oder Neid in der Welt missfallen, dann sieh zu, dass du sie aus deinem persönlichen Leben verbannst.


Im Klartext heißt das: Entferne den Balken aus deinem Auge und kehre vor deiner eigenen Tür. Ich zum Beispiel kann nachtragende Menschen überhaupt nicht leiden; aber dass unsere Patentochter uns im vergangenen Sommer wegen ihres Ferienjobs angelogen hat, werfe ich ihr heute noch bei jeder Gelegenheit vor. Neid ist mir ein Gräuel, man muss schließlich auch gönnen können. Trotzdem bin ich felsenfest überzeugt, dass der Pokal bei der Berliner Meisterschaft in den Standardtänzen damals viel eher uns zugestanden hätte als dem Siegerpaar. Von Vorurteilen bin ich sowieso frei – denn dass ältere Herren mit Brille, Hut und Mercedes allesamt (außer meinem Papa) gemeingefährliche Autofahrer sind, Frauen grundsätzlich (mit Ausnahme von mir) nicht rückwärts einparken können und Hunde, die bellen, prinzipiell (gilt nur für unsere) nicht beißen, sind doch längst bewiesene Tatsachen, oder?


Sagte ich, es wäre einfach? Da habe ich den Mund wohl ein bisschen voll genommen, ich bin eben nicht Gandhi. Den Balken zu entfernen und vor der eigenen Türe zu kehren ist viel schwieriger, als ich mir das vorgestellt hatte. Immerhin arbeite ich fleißig daran.

Nickname 25.05.2018, 14.32 | (0/0) Kommentare | PL

WARTE, WARTE NUR EIN WEILCHEN


Sind Sie ein geduldiger Mensch? „Für den, der abwarten kann, beginnt auch ein Ei zu fliegen“, so drückte es Robert Lembke aus. Ich persönlich liebe mein gelegentliches Frühstücksei butterweich – also höchstens fünf Minuten – gekocht und wäre nur mäßig begeistert, wenn es plötzlich mit schadenfrohem Gackern auf und davon flöge. Sie merken schon, Geduld ist nicht meine Stärke. Im Gegenteil, sie gehört zu den schwierigsten Lernaufgaben, die mir für dieses Leben gestellt wurden.

 

Unsere Vierbeiner sind hierbei hervorragende Lehrer. Bobby zum Beispiel war ein echter Zen – Meister, ein Muster an Gelassenheit und Ruhe. Wenn wir spätabends unsere letzte Runde drehten, brauchten wir von der Gartentür bis zur nächsten Straßenecke und retour – eine Strecke von etwa vierhundert Metern – gut eine halbe Stunde. Da halfen weder ungeduldiges Zerren an der Leine (der Große stemmte einfach alle Viere fest in den Boden und machte sich so schwer wie ein Elefantenbaby), noch gemurmelte Beschwörungen im Stil von: „Na los, jetzt komm schon, du fauler Hund, oder willst du hier Wurzeln schlagen?“. Bevor nicht jeder einzelne Grashalm, jedes Blatt am Strauch gelesen und mit einem Kommentar versehen worden war, ging es keinen Millimeter voran. Ich trat dabei von einem Fuß auf den anderen und vertrieb mir die Zeit, indem ich zum nachtblauen Himmel schaute und die lieben Sternlein zählte. Oder ich lauschte dem Flüstern der Blätter in den Baumkronen und träumte vor mich hin. Wenn es dann irgendwann an der Leine ruckte, was bedeutete, es möge nun bitteschön weitergehen, merkte ich, dass ich im Stehen eingeschlafen war.


  

Wussten Sie eigentlich, dass „Patient“, wörtlich übersetzt, nicht der Kranke, sondern der Geduldige heißt? Denken Sie bei Ihrem nächsten Arztbesuch daran, wenn Sie, trotz vereinbarten Termins, wieder zweieinhalb Stunden im überfüllten Wartezimmer hocken, bevor Sie endlich aufgerufen werden. Dafür ist aber der Doktor dann auch ein richtiger Mensch – hoffentlich! - und kein Ei, das nach einer bestimmten Wartezeit… Sie wissen schon.

Nickname 24.05.2018, 17.05 | (0/0) Kommentare | PL

UNSER TÄGLICHES BROT


Bei unserem Bäcker hängt an der Wand hinter der Verkaufstheke ein Holzschild in Form einer Stulle (für Nicht-Berliner: eine Brotscheibe oder –schnitte). Darauf steht: „Altes Brot ist nicht hart. KEIN Brot, das ist hart.“

 

Ich lese es und frage mich, warum er dort ausgerechnet diesen Spruch angebracht hat. Wenn seine Kunden den beherzigen und zukünftig alle ihr Brot aufessen würden, anstatt es nach zwei Tagen in den Müll zu werfen, weil die Kruste nicht mehr kracht, wäre das doch ziemlich schlecht fürs Geschäft.

 

Die Erzählungen meiner Mutter aus der Zeit nach dem Krieg fallen mir ein. Meine Großmutter war damals schwerkrank, mein Großvater befand sich in Gefangenschaft, und Mama als die Älteste von drei Geschwistern war verantwortlich für das Überleben der Familie. Oft legte sie barfuß oder in viel zu engen Schuhen fünfzehn Kilometer und mehr am Tag zurück, um irgendwo ein Brot zu ergattern. Das kam natürlich nicht frisch aus dem Backofen, wies wohl auch schon ein paar Schimmelstellen auf. Diese wurden sorgfältig entfernt. Das übrige Brot schnitt man in kleine Würfel und röstete sie mit einem Stückchen Butter – sofern vorhanden – in der Pfanne an (war keine Butter oder sonstiges Fett da, was der Regel entsprach, sahen später eben mehr Augen in die Suppe hinein als aus ihr heraus). Das Ganze wurde mit kochendem Wasser übergossen, man gab ein paar Krümel Salz oder Zucker für ein bisschen Geschmack hinzu, und fertig war das Festmahl. Satt machte so eine Brotsuppe zwar nicht, aber sie wärmte durch und besänftigte den knurrenden Magen wenigstens für kurze Zeit.

 

Ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein Stück Brot wegwerfen muss. Zum Glück kommt das nur selten vor. Man kann geschnittenes Brot ja wunderbar einfrieren und entnimmt dann eben immer nur so viele Scheiben, wie man auch wirklich essen will. 

 

Übrigens gibt es einen kinderleichten Trick, um altbackenes Brot noch einmal so gut wie frisch zu bekommen: Man besprühe es leicht mit Wasser, stecke es für eine bis zwei Minuten, je nach Brotsorte und Dicke der Scheiben, in den Toaster und röste es auf mittlerer Stufe an. Die Krume wird wieder weich und fluffig, die Kruste schön kross. Etwas Butter und Pflaumenmus drauf – für diesen Leckerbissen lasse ich die feinste Sahnetorte stehen. Probieren Sie es aus, es schmeckt phantastisch. Ich wünsche guten Appetit!

Nickname 23.05.2018, 06.25 | (0/0) Kommentare | PL

ICH BIN JA SO VERSCHOSSEN

„…in deine Sommersprossen, die kleinen und die großen sind meine Freud´!“ Diesen alten Gassenhauer singe ich unserem Barny manchmal vor. Der Schatz hat nämlich zwei ganz allerliebste Sommersprossen auf seiner süßen Schnute. Direkt zum Verschießen!


  

Aber wieso ist man eigentlich verschossen? Schlag nach bei Shakespeare, denn da steht was drin, so hieß es in meiner Jugend. Heute stehen uns andere Informationsquellen zur Verfügung, und da habe ich mich einmal schlau gemacht:

 

Also… früher sagte man: „Ich bin geschossen“ - eine Anspielung auf Amor, den römischen Liebesgott. Der Legende nach verliebt sich derjenige besonders heftig, der von dessen Pfeilen getroffen wird und man ist machtlos gegen das süße Gift. Nun wissen wir alle, dass besonders die Herren der Schöpfung sich schwer tun mit verbalen Liebeserklärungen. Einfach zu sagen, ich bin verliebt, ist und war vielen von ihnen auch früher schon peinlich.  Man(n) wusste sich zu helfen: Er verschmolz kurzerhand zwei Wörter – geschossen und verliebt – zu einem neuen, weniger gefühlsseligen und ist seitdem verschossen. So simpel, so genial. Wollten wir es allerdings ganz genau nehmen (was wir natürlich nicht tun, dafür ist die Sache an sich viel zu schön), dann gäbe es hierbei einen Haken: Ein wörtlich verschossener Pfeil hätte nämlich leider sein Ziel verfehlt und wäre irgendwo in die Landschaft geflogen, anstatt mitten ins Herz.

 

Aber egal, wie Sie es nennen – Spaß macht es auf jeden Fall. Am besten suchen Sie sich einen strategisch günstigen Platz, wo der Pfeil Sie unter allen Umständen treffen muss, und seien Sie wieder mal verliebt!


Nickname 22.05.2018, 16.35 | (0/0) Kommentare | PL

BALL PARADOX


„Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie die anderen mich haben wollen.“ Diesen Satz habe ich schon auf vielen Seiten als Leitmotiv gelesen. Für mich klingt er fast rührend trotzig, dabei ist er wohl eher provokativ gemeint. Im Grunde trifft er aber genau den Kern der Sache.


Es ist nicht der Sinn unseres Lebens, den Vorstellungen und Erwartungen anderer zu entsprechen. Unser Ego redet uns das zwar ein: „Du musst nur den anderen gefallen, dann hast du Erfolg und wirst geliebt.“ Unser höheres Selbst, das heißt unser eigentliches ICH, weiß es besser. Wenn wir nicht authentisch sind und auch mal gegen den Strom schwimmen (was das Leben zugegebenermaßen anstrengender macht), dann sind wir auf Dauer nicht glaubwürdig. Und wenn wir uns selbst nicht lieben und wertschätzen, wie soll es dann sonst jemand tun? Wie innen, so außen, ganz einfach und logisch.


Trotzdem stört mich etwas an dieser Aussage, sie erscheint mir irgendwie unvollständig. Wenn man dagegen den Umkehrschluss zieht und beides hintereinander liest, wird das Bild komplett: „Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie die anderen mich haben wollen – und die anderen sind nicht auf der Welt, um so zu sein, wie ich sie haben will!“. Toleranz pur. Wobei das Wort für mich immer so einen negativen Beigeschmack hat: Zwar heiße ich es nicht gut, wie er/sie denkt, sich kleidet oder benimmt, aber ich toleriere es halt, weil ich so ein weltoffener, großzügiger Mensch bin. Akzeptanz gefällt mir persönlich besser, denn das bedeutet, den anderen ohne Vorurteile und Vorverurteilungen anzunehmen, genauso wie er ist. Nun bin ich selbst von dieser Haltung noch Lichtjahre entfernt, ertappe mich täglich dabei, wie ich mir über Menschen eine Meinung bilde, die ich überhaupt nicht kenne und nur flüchtig im Vorbeigehen registriere. Aber wenn wir irgendwann dahin kommen könnten, diesen Satz zu leben, dann wäre das das Ende aller Feindseligkeiten und Kriege. Wir hätten unseren Garten Eden wieder.

Nickname 21.05.2018, 14.10 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

BEST BEFORE


Vorgestern entdeckte ich beim Aufräumen meines Kühlschranks einen Becher Sahnejoghurt und ein Päckchen Geflügelaufschnitt. Sie waren ans hintere Ende der Glasplatte gerutscht und dort in Vergessenheit geraten; daher lag ihr Mindesthaltbarkeitsdatum inzwischen über eine Woche zurück. Ich wollte schon beides in den Mülleimer werfen, zögerte dann aber.


Eine Freundin hatte kürzlich den Film „Taste the Waste“ gesehen und mir davon erzählt. Aus ihm geht hervor, dass in deutschen Haushalten und Supermärkten rund die Hälfte aller Lebensmittel weggeworfen wird. Nur die wenigsten davon sind tatsächlich verdorben. Aber jede Tomate, die nicht rot genug ist, jeder Apfel, der ein bisschen schrumpelig wirkt und jedes Brot, dessen Kruste nicht mehr genügend kracht, wandert gnadenlos in den Müll. Ganz zu schweigen von den vielen Tonnen an Nahrungsmitteln, die zwar für die Gesundheit noch völlig unbedenklich sind, jedoch das magische Datum erreicht oder bereits geringfügig überschritten haben. Diese dürfen nicht einmal mehr an Bedürftige verschenkt werden, weil der Gesetzgeber dies als menschenverachtend untersagt. Es tut mir leid, aber darunter verstehe ich etwas anderes. Im übrigen handelt es sich, wie der Name deutlich macht, um ein Mindesthaltbarkeits- und kein Verfallsdatum. Wenn jemand während einer Autofahrt sagt, bis zur nächsten Raststätte sind es mindestens noch zwanzig Kilometer, dann meint er damit ja auch, es werden wohl eher fünfundzwanzig sein.


Mutig wagte ich einen Selbstversuch. Ich öffnete den Joghurtbecher und unterzog den Inhalt einer kritischen Prüfung. Rein optisch war nichts daran auszusetzen, und er roch, als sei er soeben frisch abgefüllt worden. Da es außerdem meine Lieblingssorte war (Kiwi mit Banane und Schokostückchen), löffelte ich den Becher genüsslich leer. Auch der Geflügelaufschnitt schien durchaus noch genießbar, und ich aß zwei Scheiben davon. Den Rest bot ich unseren Fellies an, die sich begeistert darüber hermachten. Dann wartete ich ab, was passieren würde. Es geschah – nichts. Weder ich noch die Hundchen zeigten irgendwelche Vergiftungserscheinungen. Stunden später erfreuten wir uns immer noch bester Gesundheit und unternahmen zur Feier des Tages einen besonders ausgedehnten Waldspaziergang.


Seitdem schrecken ein paar Tage „darüber“ mich nicht mehr, und ich kaufe öfters Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeit unmittelbar vor dem Ablauf steht. Sie haben obendrein den Vorteil, dass man sie meistens zum halben Preis bekommt. Das tut nicht nur meinem Gewissen gut, sondern auch meinem Portemonnaie. Gestern zum Beispiel erwischte ich ein Bio-Hähnchen für €7,59 statt für reguläre €15,98. Ich habe davon eine köstliche Hühnerbrühe gekocht, die genau richtig kam. Der beste aller Ehemänner ist nämlich gerade ein wenig frühlingsverschnupft, und frisch gekochte Hühnersuppe gilt bekanntlich als Geheimwaffe gegen Erkältungsviren, egal zu welcher Jahreszeit.


Bei meiner Geburt bekam auch ich ein Etikett mit meinem Haltbarkeitsdatum. An manchen Tagen fühle ich mich, als wäre es bereits verstrichen. Im Selbstversuch stelle ich dann glücklicherweise fest, dass ich durchaus noch genießbar bin. Mindestens haltbar bis…? Das weiß nur der liebe Gott. In dem Sinne: „Carpe diem“!



Unser Böbchen war dankbar für jeden Bissen

und ließ nichts umkommen!

Nickname 20.05.2018, 20.40 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

DANKE, SIE SIND EIN ENGEL!


„Mit siebzehn hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume in den Himmel der Liebe“, sang Peggy March einst in den 60ern. So schön, so romantisch – nur leider wuchsen bei mir keine Bäume in den Himmel, sondern ich selbst. Schon mit fünfzehn war ich einen guten Kopf größer als die meisten meiner Mitschüler, und mit einem Kampfgewicht von knapp siebzig Kilo kam ich mir wie ein richtiges Elefantenbaby vor. Meine Omi, die nur anderthalb Meter groß war und nie mehr als einen Zentner wog, redete mir gut zu: „Warte nur, mein Kind, eines Tages wirst du dem lieben Gott dankbar sein, dass er dich hat so groß werden lassen.“ Ein schwacher Trost, wenn ich mir immer wieder den dämlichen Spruch anhören musste: „Na, wie ist denn die Luft da oben?“ und sich alle Jungs nur für meine zierlichen Freundinnen interessierten. Von denen hatte ich immerhin eine ganze Menge, sie brauchten ja meine Konkurrenz nicht zu fürchten. Am gemeinsten war, dass es ab Kleidergröße 40 keine richtig flotten Teenagerklamotten mehr gab und ich zu allem Übel auch noch im Omalook herumlaufen musste; zumindest empfand ich es damals so.


Aber irgendwann findet jedes Töpfchen sein Deckelchen. Mit einundzwanzig lernte ich in der Tanzschule den Besten kennen, der für mich auch heute noch der Größte ist – von außen, wie von innen. Wir waren damals beide auf der Suche nach einem neuen 'Trainingsgerät' fürs Turniertanzen - bei seinem Gardemaß von 1,90 m kein leichtes Unterfangen. Fast zwanzig Jahre lang haben wir dann recht erfolgreich Standardturniere getanzt. Hierbei kam unsere Körperlänge uns zugute, denn wir konnten viel raumgreifender tanzen und fielen einfach mehr auf als die kleineren Paare.


Es passiert mir des Öfteren, dass mich im Supermarkt jemand bittet, ihm etwas aus den oberen Regalen herunterzureichen. Erst gestern versuchte eine kleine Dame vergeblich, an das letzte Päckchen Tiefkühlspinat zu gelangen, das im Fach ganz hinten lag. Ich half ihr und erntete dafür ein strahlendes Lächeln. „Vielen Dank, Sie sind ein Engel!“, sagte sie. Das war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es söhnte mich ein weiteres Mal mit meinen 'Affenarmen' aus. Omi hat recht behalten, es kommt manchmal eben doch auf die Größe an…


Nickname 19.05.2018, 08.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

HILFE, ICH BRAUCH DRINGEND NEUE FÜSSE!

Meine passen nämlich bald in keinen Schuh mehr. Warum? Weil ich mir jeden, wirklich jeden anziehe, egal ob es meine Größe ist oder nicht.


Jüngstes Beispiel: Robin, der Enkel meiner Freundin Melanie, besucht mittlerweile die Realschule. Seine Leistungen sind ganz unterschiedlich; in Mathematik ist er ein As, Deutsch geht so, und Englisch läuft irgendwie nebenher. Seine Einstellung dazu war bisher eher lässig: „Was regst du dich auf über die Fünf in Englisch? Dafür habe ich in Mathe eine Eins!“ Aber allmählich kommt er drauf, dass gute Noten doch cooler sind als schlechte, und zwar in allen Fächern. Er strengt sich jetzt richtig an, und Melanie hilft ihm nach Kräften. Jeden Tag paukt sie mit ihm Englisch, obwohl sie es selber gar nicht kann.


Bisher lief das ganz prächtig, und im wöchentlichen Vokabeltest hatte der Junge schon zweimal ein „Sehr gut“. Aber jetzt geht´s langsam ans Eingemachte, an die Grammatik. Da stößt sie an ihre Grenzen, und vor ein paar Tagen erreichte mich ein telefonischer Hilferuf. Ich sagte, weißt du was, nenn mir den Titel des Englischbuchs, dann bestelle ich es mir, und wir machen Fernunterricht. Sie wohnt im Rheinland, da ist es leider nichts mit schnell mal rübergehen für ein Stündchen Nachhilfe. Kurze Zeit später rief sie mich wieder an: „Ich habe das Buch bestellt und an deine Adresse verschickt, am Donnerstag müsste es da sein." Prima, dann hätten wir übers Wochenende Zeit; am Montag ist nämlich die nächste Klassenarbeit fällig.


Leider wartete ich heute vergeblich auf den Postboten. Ich war richtig verärgert. Warum hatte Melanie mir nicht einfach den Titel genannt, wie sie es ursprünglich wollte? Ich hätte das Buch dann bei einem großen Onlinehändler bestellt, bei dem gerade meine einmonatige kostenlose Probemitgliedschaft als Premiumkundin läuft. So wäre es garantiert heute hier gewesen. Ich weiß, sie meinte es gut und wollte mir die Ausgabe ersparen. Und dafür, dass die Mühlen der Post so langsam mahlen, können wir schließlich beide nichts. Trotzdem mache ich mir Vorwürfe und fühle mich schuldig, weil ich dem Kind dieses Mal nicht helfen kann. Anscheinend habe ich einen moralischen Schuhtick. Aua, verflixt noch mal – schon wieder eine neue Blase…


                 

Nickname 17.05.2018, 21.25 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

HEUTE NICHT, MORGEN NICHT, ÜBERMORGEN GANZ BESTIMMT!

Sie kennen das: Alle Jahre wieder am Silvesterabend beschließen Sie, endlich abzunehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, sich mehr zu bewegen oder was immer Ihnen sonst erstrebenswert scheint. Und alle Jahre wieder passiert dasselbe: Spätestens am 2. Januar haben Sie sämtliche guten Vorsätze vergessen. Schon der große griechische Philosoph Sokrates (469 – 399 v. Chr.) stellte sich die Frage, warum das wohl so ist: Weshalb tut der Mensch das Schlechte, obwohl er eigentlich weiß, was das Gute wäre? „Akrasia“ nannten die Griechen das Problem. Das bedeutet so viel wie „Willensschwäche“ oder „Handeln wider besseres Wissen“: Jemand hat sich entschieden, mit dem Trinken aufzuhören, weil Alkohol die Leber kaputt macht. Aber wenn´s doch so gut schmeckt und so gesellig ist…


Sokrates verwirrte damals seine Freunde mit der Behauptung, dass es dieses Phänomen im Grunde gar nicht gebe: Wenn einer das Schlechte tue, dann wüsste er eben doch nicht so genau, was das Gute sei, denn sonst würde er es auch tun. Dem widersprechen allerdings meine ganz persönlichen Erfahrungen: Ich weiß sehr wohl, dass es gut für meine Gesundheit wäre, die zehn Kilo, die ich so an überflüssigem Ballast mit mir herumschleppe, endlich abzuwerfen. Dafür müssten allerdings sämtliche Konditoreien und Eisdielen im Umkreis von mindestens hundert Kilometern auf der Stelle schließen.
„…und führet mich nicht in Versuchung…!“


Die Schwierigkeit liegt also offensichtlich in der Diskrepanz zwischen guten Gründen auf der einen Seite und handlungswirksamen Motivationen auf der anderen. Eine solche könnte zum Beispiel die zauberhafte türkisfarbene Hose sein, die seit drei Jahren in meinem Kleiderschrank hängt und nur darauf wartet, dass ich den Reißverschluss wieder zukriege (wenn ich die Hose anhabe, versteht sich). Morgen beginne ich mit der Diät, ganz bestimmt. Und heute werde ich auch nicht mehr viel essen, höchstens gleich ein oder zwei klitzekleine Stückchen Käsekuchen, zum Abgewöhnen sozusagen…


Nickname 16.05.2018, 15.45 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

TRÄUME - SCHÄUME?


Seit einiger Zeit träume ich nachts manchmal die kuriosesten Geschichten. Lauter Dinge, die mit meinem aktuellen Dasein rein gar nichts zu tun haben. Mein Unterbewusstsein kramt sie wohl aus irgendwelchen früheren Leben hervor, damit ich sie endlich auflöse und heile. Das strengt ganz schön an, deswegen bin ich morgens oft unausgeschlafen und komme nur schwer in die Gänge.

 

Mit meinem letzten Traum kann ich wenigstens etwas anfangen: Ich saß mit einer Gruppe von Leuten zusammen – alle zwischen Fünfundzwanzig und Vierzig, also bedeutend jünger als ich – und wir spielten Kniffel. Das ist ein vergnügliches, nicht allzu anspruchsvolles Würfelspiel, bei dem man sich zwar konzentrieren muss, sich aber trotzdem immer noch angeregt unterhalten kann.



Leider war ich die Einzige mit echten Würfeln, Spielblock und Stift. Alle anderen hatten sich das Spiel als App auf ihr Smartphone heruntergeladen und knobelten still vor sich hin. Das wurde mir bald zu dumm und ich sagte: „Also, mir reicht´s, ich habe keine Lust mehr. Kniffel ist schließlich ein Gesellschaftsspiel und wie der Name sagt, spielt man es miteinander und nicht allein auf einem fremden Stern.“ Zwar hörte niemand hin, dafür waren alle zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber kennen Sie das befreiende Gefühl, wenn Sie endlich etwas ausgesprochen haben, das Sie schon lange loswerden wollten? So war mir nach dem Aufwachen zumute.

 

Wie ich gerade auf Kniffel kam, liegt nahe; ich spiele es regelmäßig mit zwei alten Damen im Heim. Über Smartphones kann ich wenig sagen, denn ich besitze keins. Vor kurzem habe ich gelesen, dass viele Menschen die wachsende Isolation und Vereinsamung in unserem Land beklagen. Mir scheint, sie arbeiten gerade fleißig daran mit.

Nickname 15.05.2018, 17.10 | (0/0) Kommentare | PL

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ÜBER MICH:Geboren vor 62 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.


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