Mitternachtsspitzen
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Einträge vom: 10.07.2020

SPÄTSOMMER, TEIL 10: AUS DER PRAXIS EINES GROSSVATERS

Es ist nun fast ein Jahr her, dass man mich zum Großvater erhob. Großvater zu sein ist nicht nur ein simpler Verwandtschaftsgrad, sondern so eine Art Ritterschlag, für den man zwar nichts kann, dem man aber verpflichtet ist, wenn man diesen Posten ernst nimmt. Nicht jeder Großvater ist so. Meiner zum Beispiel war eine reine Respektsperson, völlig unnahbar, der morgens um Punkt 11 Uhr (vorher hatte er auf seine Taschenuhr mit Klappdeckel geblickt) im Lehnstuhl einen rotbackigen Apfel scheibchenweise verzehrte. Wehe, ein Enkelkind hätte es gewagt, um eines der Apfelstücke nachzufragen. Es wäre mahnend in den Keller verwiesen worden, wo genügend dieser Äpfel lagerten.


Diese autoritäre Verhaltensweise kann sich ein Großvater der Neuzeit nicht mehr erlauben, und faules Herumsitzen im Lehnstuhl geht schon gar nicht. Dafür sorgt die Familie, die ihren Opa auf seine Leistungsfähigkeit hin beobachtet. Was kann er denn noch s0? Was sollte man ihm noch zutrauen? Ist er noch lernfähig und auf welchen Gebieten braucht man es gar nicht mehr zu versuchen?


Wie man aus nachfolgend beschriebenen Tätigkeiten schließen könnte, habe ich offensichtlich meine Probezeit nach nunmehr einem Jahr bestanden. So halte ich beim Tragen des Kindes den Kopf nach Vorschrift und weiß, dass man seine Augen nicht der grellen Sonne aussetzt. Auch erkenne ich frühzeitig, wann das Kind nach dem Schnuller verlangt. Das Umbinden eines Lätzchens mit der richtigen Seite nach oben beherrsche ich aus dem Effeff. Auch würde mir die eigenhändige Fütterung des Enkels gelingen, die man mir jedoch aus unerfindlichen Gründen bislang verwehrt hat. Die sich anschließende Prozedur, dem Kind das berühmte "Bäuerchen" zu entlocken, gelingt mir auf Anhieb. Mein Geruchssinn, durch den Genuss von Rotwein im Alter besonders entwickelt, wird innerhalb der Familie hoch gelobt. Er versetzt mich in die Lage, volle Windeln als Erster zu wittern und deren Beseitigung eigenhändig auszuführen.


Aber auch anspruchsvolleren Aufgaben fühle ich mich mittlerweile gewachsen. Da wäre beispielsweise die Handhabung eines modernen Kinderwagens. Während zu meiner Zeit dieses Beförderungsmittel für Kleinkinder aus einem Chassis mit vier Rädern, einem Bügel zum Schieben oder Ziehen und einem korbähnlichen Gehäuse bestand, welches sich in Ausnahmefällen auch für den Transport von Kartoffel- oder Kohlesäcken eignete, ist der Kinderwagen dieser Tage ein hochtechnisches Konstrukt (neusprachlich Hightech-Konstruktion). Es läuft auf Breitwandfelgen mit einem Chassis aus hochwertigem, nichtrostendem Material, mit kompakter Federung und einem fein gepolsterten Design-Gehäuse in Cabrio-Ausführung, das mittels eines ausgetüftelten Gestänges mit verschiedensten Zugvorrichtungen komplett zusammengeklappt und wieder aufgeklappt werden kann.


Nun zeigt sich die wahre Qualität eines gut trainierten Großvaters, der das lückenlose Funktionieren seiner Sinne nochmals unter Beweis stellen muss. Wenn er nämlich bei den kurzen Einweisungen der Kindesmutter in die technischen Abläufe des Auf- und Zusammenklappens nicht genau aufgepasst hat, steht er in der täglichen Praxis vor massiven Problemen, die ihm keiner abnimmt. Selbst diplomierte Ingenieure schaffen das nicht mit links. Was ist denn, wenn man bei einem plötzlichen Regenguss das Kind gerade noch trocken in den Autokindersitz Marke "Maxi Cosi" verfrachtet hat, aber das Zusammenfalten des verdammten Kinderwagens nicht klappt? Apropos: Autokindersitz. Als ich den kürzlich falsch montierte, gab´s von der Mutter einen Rüffel.


(Dirk Ibbeken)

MERKE: Auch als Großvater lernt man niemals aus!



Nickname 10.07.2020, 18.50| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: WIE DAS LEBEN SO SPIELT

WAS HÄNSCHEN NICHT LERNT



...ein Hund,

der niemals erwachsen werden möchte


Hans´ Leben begann, wie eigentlich kein Hundeleben beginnen sollte. Gerade von der Mutter entwöhnt und dann in einer Welt gelandet, die aus Gittern und Trostlosigkeit besteht. Der einsamen Welt des Shelters "Kozhuhovo".


Und hier lebt er nun seit 2014. Hans ist im Shelter aufgewachsen und hat somit nie ein Leben ohne Einsamkeit und ohne Gitter kennen gelernt. Noch nie durfte er erfahren, wie es ist, ein eigenes Zuhause zu haben.


Im Sommer der Hitze ausgesetzt, im Winter der russischen Kälte. Kein Körbchen, nur eine kleine Holzhütte im Zwinger die ein wenig Schutz gibt. Und das einzige Bisschen Freiheit das Hans kennt, ist wenn er einmal in der Woche in den Auslauf darf. Hier kann er mit seinen Artgenossen spielen und ein paar wenige Streicheleinheiten von den Betreuern bekommen. Ein kleines bisschen Glück.


Und Glück ist das, was Hans bisher in Russland nicht hatte. Er ist mittlerweile kein kleiner Welpe mehr. Er ist ein großer, wunderschöner Rüde geworden. Zu groß für eine kleine russische Stadtwohnung. Zu schwarz und unscheinbar um gesehen zu werden.


Nur einmal wurde der hübsche, ca. 60 cm großer Rüde für eine kurze Zeit aus dem Shelter adoptiert. Er durfte das Shelter Kozhuhovo für 5 Monate verlassen, denn er sollte als Wachhund dienen. Doch leider war Hans ganz und gar nicht dafür geeignet.


Niemand hatte Hans gezeigt wie sich ein Wachhund verhält oder was die Aufgaben eines Wachhundes sind. Mal ganz davon abgesehen, dass Hans auch nicht einen Ansatz von Wachhund in sich trägt. Er ist ein lieber und freundlicher Kerl, der viel lieber bei den Menschen ist, sich streicheln lässt und mit einem spielt. Sein Interesse irgendetwas oder jemanden zu beschützen und zu bewachen war gleich null.


So hieß es für Hans wieder zurück ins Shelter und darauf hoffen, dass sich andere, liebe Menschen finden, die ihm ein richtiges Zuhause als Familienhund schenken würden. Doch diese Menschen blieben aus und Hans ist ein weiterer schwarzer Hund unter vielen. Er fristet sein Dasein im Zwinger, freut sich über den Besuch der Betreuer und lebt Tag für Tag vor sich hin.




Besonders angetan ist Hans von den Betreuern im Shelter, die kommen, um ihn und die anderen Hunde in den Auslauf zu lassen, mit ihnen spazieren gehen, sie streicheln und ihnen Aufmerksamkeiten schenken. Hans mag es sehr, wenn er sich auf seine Hinterbeine stellen kann und sich dann an die Betreuer schmiegen darf, ihnen in die Augen schaut und sieht – für diesen einen Moment ist diese Welt schön und er wird gesehen.


Mit seinen fast 6 Jahren ist Hans noch recht verspielt und aktiv. Im Inneren ist er ein junger Hund, einer der nie so richtig erwachsen werden wollte – ein großer Peter Pan halt. Es wäre wirklich schön, wenn Hans noch einmal eine Chance bekommen würde, nicht als Wachhund, sondern als geliebter Familienhund.


Hans ist mit seinen Artgenossen verträglich, spielt gerne im Auslauf mit ihnen und freut sich über andere Artgenossen die mit spielen. Natürlich mag und genießt er auch die Zeit mit seinen Betreuern alleine. Er geht gerne und gut an der Leine spazieren und freut sich dort über die Aufmerksamkeit und Nähe, die ihm zuteil wird. Im Sommer, wenn es schön warm wird, liebt Hans es, im Wasser zu spielen. Die Sandmuscheln im Shelter werden dann zum Highlight des Tages für den hübschen Riesen.


Eine aktive und naturbegeisterte Familie oder auch Einzelperson wäre ideal für Hans. Menschen, die viel Zeit mit ihm verbringen möchten und ihm all die Dinge zeigen, die er bisher noch nicht kennenlernen durfte. Einfach Menschen, die ihn bei sich aufnehmen, ihn lieb haben und ihn nie wieder her geben wollen.


Hans ist bereits kastriert, gechipt und geimpft. Wie all unsere Vermittlungshunde sucht Hans ausschließlich nach einer Endstelle. Wie der genaue Vermittlungsablauf bei uns funktioniert und warum wir unsere Hunde nur auf Endstellen vermitteln können Sie hier nach lesen: https://www.tierschutz-miteinander.de/…/mit…/so-arbeiten-wir


Hans und seine Vermittlerin Yvonn Phillips würden sich freuen, wenn sich liebe Menschen mit ernsthaftem Interesse melden.


Yvonn Phillips
Email: y.phillips@tierschutz-miteinander.de
Tel.: 02822-7159818

Mobil: 01578-7030172

Nickname 10.07.2020, 16.32| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: TIERLIEBE - GELIEBTE TIERE | Tags: Hans im Glück, Märchen, Hunde, Russland, einsam, spielen, adoptieren,

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ÜBER MICH:Geboren vor 64 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von sieben allerliebsten Fellnasen.

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