Mitternachtsspitzen

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: MISCELLANEA

DIE TELEKOM VERTICKT LOSE

...und auch noch so einiges andere. Gemeint ist aber wohl, dass sie Tickets verlost. Glückwunsch an jene, die ein solches ergattern konnten. Für die leer Ausgegangenen hier ein kleines Trostpflaster in Form einer Handvoll neuer, herrlicher Stilblüten. Viel Vergnügen beim Lesen!



Ein unbeschriebenes Blatt: „Der Täter behauptete, noch nie etwas gestohlen zu haben, ohne zu bezahlen.“


Sehr geschickt: „Es gelang der Täterin, den Pullover zu entwenden, ohne dafür zu bezahlen.“


Wie man sich bettet…: „Die Polizei fand heraus, dass der Gesuchte einen Mercedes, eine Segeljacht und rund 50.000 Euro unter seiner Matratze versteckt hatte.“


Zwingende Logik: „Der Täter hatte keinen Hund bei sich, weshalb er auch nicht bellte.“



Vornehm ausgedrückt: „Die Täter hatten vor, die Hauptkasse von ihrer Einnahme zu befreien.“


Großes Aufgebot:  „Der gesuchte Schwerverbrecher wurde mit 200 Tunten gejagt.“ (Hunden)


Eindeutige Rechtslage: „Die Obduktion ist rechtens, solange der Patient nicht ausdrücklich widerspricht.“


Stumm wie ein Grab: „Der eine Täter schwieg beharrlich, der andere sagte gar nichts.“


„Die Panne zu Beginn bitten wir zu verzögern.“


Allen ein pannenfreies

und bärig gemütliches Wochenende!


Nickname 16.09.2017, 13.29 | (0/0) Kommentare | PL

DAS WANDERN IST DES MÜLLERS LUST...

... und der Hausfrau/des Hausmannes Frust. Das folgende Lied von Edith Schollwer - wie ich finde, ein Juwel kabarettistischer Kleinkunst - spricht bestimmt Tausenden von guten Hausgeistern aus der Seele. Es ist eine Hommage an alle, die sich tagtäglich und nachtnächtlich für ihre Lieben aufopfern und dafür leider oft nur wenig Dankbarkeit ernten. Viel Vergnügen!


Der Doktor sagt, dass wir zu wenig wandern
und dass kein Mensch spazieren gehen mag, fidebum.
Wahrscheinlich spricht der Doktor bloß von andern,
denn ich als Hausfrau latsch den ganzen Tag.
Morgens früh schon um halb acht,
hab ich Brötchen raufgebracht.
Danach steht der Gang zur Küche mir bevor;
dann nehm ich die Zeitung ab
und dann laufe ich im Trab
mit den Kaffeetassen durch ´n Korridor.-


***


Ja, als Hausfrau ist man ständig auf der Wanderschaft,
jowiwallerallela, jowiwallerallela.
Täglich mach ich zwanzig Mal mit viel Geklirr
einen Gepäckmarsch mit dem ganzen Essgeschirr.
Darum habe ich als Hausfrau einen Zorn
aufs Wandern, aufs Wandern.
Meine Sohlen haben ´ne Haut, die ist von Horn,
denn bin ich hinten, klingelts gerade immer vorn.



***


Und sind die Kinder endlich in der Schule
und ist der Mann dann schließlich im Geschäft, fidebum,
dann sitz ich nicht gemütlich auf'm Stuhle,
der Hund muss nämlich runter, weil er kläfft.
Darauf hol ich mit dem Netz die Kartoffeln, die Koteletts,
und der Hund führt mich spazieren von Baum zu Baum.
In der Wohnung ist zu tun und anstatt mich auszuruhn,
galoppier ich mit'm Staubtuch durch'n Raum.


***


Ja, als Hausfrau ist man ständig auf der Wanderschaft,
jowirallerallala, jowirallerallala.
Mit der letzten Kraft bring ich das Abendbrot,
dann will Max spazieren gehen, doch ich bin halb tot.
Aber sage ich, ich habe keinem Mumm
aufs Wandern, aufs Wandern
Schimpft mein Männeliek: "Nun geh doch nicht so krumm -
denn du sitzt doch hier den ganzen Tag bloß rum!"




All den vielen fleißigen Hausfrauen und -männern
ein erholsames Wochenende!

Nickname 09.09.2017, 13.49 | (0/0) Kommentare | PL

TEMPO, TEMPO: IN FRIESLAND IST DAS SO!

Hoch oben im Norden ist vieles anders. Die Uhren gehen rückwärts (in unserem Badezimmer hängt eine solche Ostfriesenuhr, ein Reisemitbringsel, das schon oft für Verwirrung gesorgt hat, wenn wieder einmal die Zeit umgestellt wird). Die Küstenbewohner reden Plattdütsch, essen Labskaus und gelten insgesamt als ganz eigener Menschenschlag. Aber nicht nur Einwohner und Zeitmesser, sondern auch die Tachometer der Autos ticken dort offenbar anders als ihre Kollegen andernorts in der Republik. Das lässt zumindest der Fall eines jungen Rasers im sächsischen Zwickau vermuten:


Der Fünfundzwanzigjährige war von der Polizei nach einer wilden Verfolgungsfahrt gestoppt worden und begründete seine rasante Fahrweise mit der lapidaren Bemerkung, in Friesland sei das eben so. Er erklärte den Beamten, er sei erst kürzlich aus dem norddeutschen Friesland zugezogen.


Dort werde auf Straßen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h „in aller Regel“ 170 gefahren, weil niemand sich um das Tempolimit schere. Laut Protokoll war der Mann mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h gefahren.


Leider konnte die Polizei keine Auskunft darüber geben, von welchem Teil Frieslands der Temposünder sprach. Ich habe da aber so einen Verdacht…


(Quelle: dpa)




Nickname 05.09.2017, 14.59 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

ES SPIELTE DAS PHILHARMONISCHE STREICHPARKETT

Rekordverdächtig: „Brigitte Mira war dreimal verheiratet und fünfmal geschieden.“


Da war was los: „Riesenstimmung herrschte unter den 37.000 ausverkauften Zuschauern.“


Schon wieder hungrig: „Können wir jetzt endlich zur Tageskarte kommen?“ (Tagesordnung)


Toller Service: „Ich bin noch Marktfrau der alten Schule: Wenn ein Kunde keine Tasche mithat, schlage ich ihm die Eier ein.“


Es war nicht alles schlecht: „Vor der Wende gab es nicht mal Apfelsinen bei uns, jetzt gibt es Mangos und Zivis.“ (Kiwis)


Goethe lässt schön grüßen: (An die Versicherung) „Beide Hunde liefen frei, da kam es zur Beißerei. Unser Schäferhund gewann – und Sie sind dran!“


Allen einen harmonischen Nachmittag!


Nickname 04.09.2017, 15.22 | (0/0) Kommentare | PL

MEINE VEREHRTEN UND HERREN!

Es ist schon erstaunlich, was so im Eifer des Gefechts dahin geredet und geschrieben wird - sehr zur Freude des aufmerksamen Zuhörers und Lesers.


Zwar ist mir selbst angesichts all der Scheußlichkeiten und Verbechen, die wir Menschen an unseren tierischen Brüdern und Schwestern begehen, längst das Lachen vergangen. Da aber viele von Ihnen meine Schmunzelecke lieben, werde ich diese trotzdem weiterführen. Hier ein paar neue Kostproben:


"Der Herr hat unsere Hände herrlich geföhnt." (gefüllt)


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"Motorschäden werden von uns prompt und zuverlässig durchgeführt."


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"Fürwahr, du bist ein verbogener Gott!" (verborgen)


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"Ich danke der Gemeinde herzlich für die reiche Gage vom letzten Sonntag." (Gabe)


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"Aufgabe der Bundeswehr ist es, die Freizeit der Deutschen zu verteidigen." (Freiheit)


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"Allein am Samstag rückte die Feuerwehr mehrere Dutzendmal aus, um Eiszapfen und undichte Dächer zu reparieren..."


Allen Lesern einen unbeschadeten Wochenbeginn!



Nickname 03.09.2017, 17.37 | (0/0) Kommentare | PL

ES BLEIBT NATÜRLICH UNTER UNS!

Ich liebe Politiker auf Wahlplakaten:

Sie sind tragbar, geräuschlos
und leicht zu entfernen.



Nickname 03.09.2017, 17.24 | (0/0) Kommentare | PL

BRANDAKTUELL

Wir alle können eine Lektion vom Wetter lernen.

Denn es lässt sich von seinem Weg überhaupt nicht abbbringen,

egal wie viele Menschen es auch kritisieren.


Machen wir´s doch ebenso:

Gehen wir unseren eigenen Weg

und lassen die Leute einfach reden …


Nickname 24.08.2017, 13.49 | (0/0) Kommentare | PL

BON VOYAGE!


Egal, wie das Wetter wird – Sommerzeit i s t und bleibt Reisezeit. Wir merken es deutlich, wenn wir mit unseren Fellis im Auslaufgebiet spazieren gehen. Fast alle Gassibekannten sind ausgeflogen und an manchen Tagen haben wir den Wald praktisch für uns allein. Nelly findet das gut, sie legt kaum Wert auf zwischenhundliche Kontakte. Seitdem sie nur ein Auge hat, ist sie noch schreckhafter geworden; und wenn so ein wuseliger, kläffender Hundezwerg von der verkehrten – also der blinden – Seite auf sie zugefegt kommt und wie ein aufgeregter Gummiball um sie herumhüpft, kann es passieren, dass sie zuschnappt und ein bisschen zwickt. Da müssen wir immer besonders achtsam sein, aber zurzeit ist alles ganz entspannt.


Gestern hat nun auch unsere Tierärztin ihre Praxis für zwei Wochen geschlossen. Wir gönnen ihr natürlich die Erholung; trotzdem habe ich immer ein leicht mulmiges Gefühl, wenn sie nicht da ist, vor allem Barnys wegen. Zwar ist die Hausapotheke unserer Süßen besser bestückt als unsere eigene und Frau Doktor hat mir vor ihrer Abreise sogar noch gezeigt, wie ich unserem Bärchen notfalls selbst eine Spritze geben kann. Ich hoffe allerdings inständig, dass dies nicht nötig sein wird. An einem Stofftier zu üben ist nämlich eine Sache, es am lebendigen Objekt zu praktizieren eine ganz andere. Obendrein habe ich vor Nadeln zeitlebens einen Heidenrespekt – genauer gesagt, panische Angst.


Und was tun wir, während die anderen durch die Weltgeschichte gondeln? Wir bleiben im Lande und nähren uns redlich. Manchmal werden wir gefragt, findet ihr nicht, dass ihr was verpasst, wenn ihr immer nur zuhause hockt? Nö, finden wir nicht. Es gibt hier alles, was wir uns wünschen (vom Meer vielleicht einmal abgesehen), außerdem hätte ich keine Ruhe, wenn ich Haus und Hof für längere Zeit allein lassen sollte. Auch meine Senioren würden mich schmerzlich vermissen, gerade jetzt, wo in den Heimen ebenfalls Urlaubszeit und damit Personalmangel herrscht.


Mit unseren Hunden wegfahren zu wollen, wäre im Übrigen keine gute Idee. Nelly fühlt sich unwohl in fremder Umgebung, Barny braucht – wenn schon nicht seine Leibärztin – wenigstens die Tierklinik in erreichbarer Nähe. Und Woody? Der setzt nach wie vor freiwillig keine Pfote in ein Auto. Alle unsere Bemühungen – ob mit bergeweise Leckerlis, gutem Zureden oder sanfter Gewalt – scheitern bislang kläglich. Wenn wir es trotzdem versuchen, wehrt sich der Dicke mit Zähnen und Krallen. Dabei schreit er, als stünde er kurz vor der Notschlachtung. Warum sollten wir dem armen Tier das zumuten? Und mal ehrlich: Schlechtes Wetter können wir daheim doch auch billiger haben, oder? 

Nickname 20.08.2017, 17.29 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

HAPPY BIRTHDAY TO ME!

„Was du heut´ nicht willst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen!“ Ich weiß, das Sprichwort heißt anders; nur diese Lesart entspricht mir persönlich mehr. Ich gehöre zu denen, die bestimmte Angelegenheiten gern hinauszögern – in der Hoffnung, dass die sich irgendwann von selbst erledigen. Aussitzen nannte es unser Altkanzler Kohl, und manchmal funktioniert das auch prächtig. Es gibt aber Dinge, die sollte man besser nicht auf die lange Bank schieben, sondern bald tun, wenn einem die Intuition oder ein Engel (beide sind im Grunde ein- und dasselbe) dazu raten.

 

Als mein 50. Geburtstag bevorstand, überlegte ich, wie wir ihn begehen sollten. Zu einem großen Fest hatte ich keine rechte Lust. Früher war unsere Familie riesig. Es gab jeden Monat wenigstens drei Geburtstage, die alle gefeiert wurden. Ich fühlte mich einfach übersättigt. Vielleicht in ein paar Jahren wieder, zur Goldenen 55; für den Runden schwebte mir nur ein gemütliches Essen vor mit dem Besten, meinem Papa und höchsten drei oder vier weiteren Gästen.- Irgendwann flüsterte mir jedoch eine innere Stimme zu: Komm schon, dieses eine Mal noch. Sie sind schließlich alle nicht mehr die Jüngsten, und man weiß ja nie.

 

Am Ende umfasste meine Gästeliste fünfzig  Personen, und bis auf zwei waren sie zur Party vollzählig versammelt. Nur unsere Tierärztin mit ihrem Mann fehlte, weil sie den Termin verwechselt hatte und dachte, wir würden erst eine Woche später feiern. Sie wäre ohnehin entschuldigt gewesen, denn an diesem Sonntagmittag hatte sie in ihrer Praxis noch einen Notfall zu versorgen.

 

Es wurde ein rundum fröhliches und harmonisches Fest. Besonders mein Papa, der schon immer sehr gesellig war und gern den Entertainer spielte, kam voll auf seine Kosten. Er kannte ja viele der Anwesenden schon sein halbes Leben oder länger und unterhielt sich glänzend. Auf Geschenke hatte ich verzichtet und stattdessen um eine  Spende für ein Kinderhospiz gebeten. Von Kleinigkeiten abgesehen hielten sich alle daran. Sie zeigten sich äußerst großzügig und ich konnte dem „Sonnenhof“ stattliche 732 € überweisen!

 

Einen halben Monat später starb mein Papa völlig überraschend. Er hatte eine leichte Grippe mit den üblichen Begleiterscheinungen, wie Gliederschmerzen und erhöhter Temperatur. Abends kam noch die Ärztin und gab ihm eine Spritze. Gegen Mitternacht sagte er zu uns: „Ich bin jetzt müde und ihr seid es auch. Also, geht schlafen. Danke für alles und gute Nacht.“


Am nächsten Morgen fanden wir ihn tot in seinem Bett. Er lächelte und wirkte so entspannt, als sei er ganz friedlich eingeschlafen. Für uns war sein plötzlicher Tod ein Schock. Trotzdem freute ich mich, dass ich - meiner Eingebung folgend -  den Geburtstag mit den noch übrigen Familienmitgliedern und den alten Freunden gefeiert hatte. So konnten sie ein letztes Mal mit ihm reden und sich von ihm verabschieden.


 

Nickname 17.08.2017, 21.09 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

GRAUE THEORIE GANZ IN WEISS - EIN STÜCK FAMILIENGESCHICHTE

„…ein graues Haar tut doch nicht weh; es sagt dir nur, dass du noch lebst!“, so behaupten es Brunner & Brunner in einem ihrer erfolgreichsten Schlager. Na schön, ein einzelnes lasse ich mir ja noch gefallen, oder ich rupfe es kurzerhand aus. Aber wie fühlt es sich an, wenn jemand plötzlich über Nacht komplett graue Haare kriegt? Geht das überhaupt? Darüber streiten sich die Gelehrten.


Dermatologen  sagen, grundsätzlich nein. Genau genommen wird unser Haar auch gar nicht grau, sondern weiß. In den Haarwurzeln sitzen Zellen, die Pigmente bilden – so genannte Melanoyzyten - und unseren Haaren ihre Farbe geben. Mit den Jahren verlieren sie diese Fähigkeit und so wachsen weiße, also farblose Haare nach. Das passiert aber nicht bei allen Zellen gleichzeitig. Dadurch mischen sich dunkle und weiße Haare. Das Gesamtbild erscheint dann grau. Bei manchen beginnt dieser Prozess schon recht früh. Das ist genetisch bedingt. Diese Menschen haben besonders sensible Pigmentzellen, bei ihnen versiegt die Farbproduktion viel früher als bei den anderen.  Es wird uns also in die Wiege gelegt, wann wir grau werden.


Rein aus medizinischer Sicht mag das alles stimmen. Psychologen meinen aber, dass Kummer oder extremer Stress einen Menschen durchaus innerhalb kürzester Zeit ergrauen lassen können.


Mein Papa war ein Beispiel dafür. Er kam als letztes von drei Kindern zur Welt. Der Kronprinz und das Wunschmädchen waren bereits geboren; daher betrachtete sein Vater ihn eher als überflüssiges Anhängsel. Beim Alten Fritz (so lautete der Spitzname meines Großvaters) drehte sich alles ums Geld. Dementsprechend suchte er sich nach dem frühen Tod meiner Großmutter eine ebenso reiche wie bösartige Frau, die mit Fleiß und Erfolg alles daran setzte, einen endgültigen Keil zwischen die Geschwister zu treiben. Geiz ist geil, dieser Slogan hätte von ihm stammen können. Für den Erstgeborenen und das Töchterchen war ihm allerdings nichts zu teuer; da blieb für den Jüngsten kaum etwas übrig. Notgedrungen bezahlte er diesem das Studium, aber damit hatte es sich. Als mein Vater ihm dann eines Tages meine, aus bescheidenen Verhältnissen stammende Mutter vorstellte, sagte er: „Wenn du die da aus der Hundehütte tatsächlich heiratest, brauchst du nicht mehr nach Hause zu kommen.“


Natürlich heirateten die Beiden trotzdem.  Zur eigenen Wohnung langte es vorerst nicht, und so bezogen sie die kleine Mansarde im Haus meiner Großeltern mütterlicherseits. Immerhin brauchten sie ein paar einfache Möbel, für die mein Papa einen Wechsel über zweihundert Mark unterschrieb. Der wurde eines Tages fällig - nur hatten meine Eltern kein Geld, um ihn einzulösen. In seiner Not suchte Papa seinen Vater auf und bat ihn, ihm die Summe zu leihen. Der Alte Fritz zückte sein Portemonnaie, drückte seinem Sohn ein Geldstück in die Hand und sagte: „Hier hast du fünf Mark, nun lass mich in Ruhe.“ Dabei lief seine Firma glänzend, und er hätte, ohne es überhaupt zu merken, die Schulden seines Jüngsten begleichen können. Wie die Familie erzählte, wurde nach diesem Erlebnis das Haar meines erst dreißigjährigen Vaters über Nacht schlohweiß.


Ins Gefängnis brauchte er wegen des fälligen Wechsels glücklicherweise jedoch nicht. Seine Schwiegereltern, die – wie die meisten damals in den Fünfzigern – selber hohe Schulden hatten, kratzten das Geld irgendwie zusammen. Mit meiner Omi verband ihn ohnehin von Anfang an ein besonders inniges „Bratkartoffelverhältnis“. Sie nahm ihn auf wie ihren eigenen Sohn, nachdem sein Vater Wort gehalten und ihn wegen seiner Mésalliance mit „der da aus der Hundehütte“ hinausgeworfen hatte.


Jahrzehnte lang blieb mein Papa seinem weißen Schopf treu. Erst als seine Haare mit zunehmendem Alter zu vergilben begannen, färbte er sie silbergrau. Als ihn seine Schwiegermutter zum ersten Mal so sah, lächelte sie, strich ihm über den Kopf und meinte süffisant: „Du eitler Fratz!“ Das sagte die Richtige – gerade sie, die noch mit 94 Jahren ihre Haare nachtönen ließ, sobald sie am Ansatz nur eine einzige weiße Stelle entdeckte!


Nickname 17.08.2017, 20.15 | (0/0) Kommentare | PL

2017
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ÜBER MICH:Geboren vor 62 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.