Mitternachtsspitzen

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: MISCELLANEA

BON VOYAGE!


Egal, wie das Wetter wird – Sommerzeit i s t und bleibt Reisezeit. Wir merken es deutlich, wenn wir mit unseren Fellis im Auslaufgebiet spazieren gehen. Fast alle Gassibekannten sind ausgeflogen und an manchen Tagen haben wir den Wald praktisch für uns allein. Nelly findet das gut, sie legt kaum Wert auf zwischenhundliche Kontakte. Seitdem sie nur ein Auge hat, ist sie noch schreckhafter geworden; und wenn so ein wuseliger, kläffender Hundezwerg von der verkehrten – also der blinden – Seite auf sie zugefegt kommt und wie ein aufgeregter Gummiball um sie herumhüpft, kann es passieren, dass sie zuschnappt und ein bisschen zwickt. Da müssen wir immer besonders achtsam sein, aber zurzeit ist alles ganz entspannt.


Gestern hat nun auch unsere Tierärztin ihre Praxis für zwei Wochen geschlossen. Wir gönnen ihr natürlich die Erholung; trotzdem habe ich immer ein leicht mulmiges Gefühl, wenn sie nicht da ist, vor allem Barnys wegen. Zwar ist die Hausapotheke unserer Süßen besser bestückt als unsere eigene und Frau Doktor hat mir vor ihrer Abreise sogar noch gezeigt, wie ich unserem Bärchen notfalls selbst eine Spritze geben kann. Ich hoffe allerdings inständig, dass dies nicht nötig sein wird. An einem Stofftier zu üben ist nämlich eine Sache, es am lebendigen Objekt zu praktizieren eine ganz andere. Obendrein habe ich vor Nadeln zeitlebens einen Heidenrespekt – genauer gesagt, panische Angst.


Und was tun wir, während die anderen durch die Weltgeschichte gondeln? Wir bleiben im Lande und nähren uns redlich. Manchmal werden wir gefragt, findet ihr nicht, dass ihr was verpasst, wenn ihr immer nur zuhause hockt? Nö, finden wir nicht. Es gibt hier alles, was wir uns wünschen (vom Meer vielleicht einmal abgesehen), außerdem hätte ich keine Ruhe, wenn ich Haus und Hof für längere Zeit allein lassen sollte. Auch meine Senioren würden mich schmerzlich vermissen, gerade jetzt, wo in den Heimen ebenfalls Urlaubszeit und damit Personalmangel herrscht.


Mit unseren Hunden wegfahren zu wollen, wäre im Übrigen keine gute Idee. Nelly fühlt sich unwohl in fremder Umgebung, Barny braucht – wenn schon nicht seine Leibärztin – wenigstens die Tierklinik in erreichbarer Nähe. Und Woody? Der setzt nach wie vor freiwillig keine Pfote in ein Auto. Alle unsere Bemühungen – ob mit bergeweise Leckerlis, gutem Zureden oder sanfter Gewalt – scheitern bislang kläglich. Wenn wir es trotzdem versuchen, wehrt sich der Dicke mit Zähnen und Krallen. Dabei schreit er, als stünde er kurz vor der Notschlachtung. Warum sollten wir dem armen Tier das zumuten? Und mal ehrlich: Schlechtes Wetter können wir daheim doch auch billiger haben, oder? 

Nickname 20.08.2017, 17.29 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

HAPPY BIRTHDAY TO ME!

„Was du heut´ nicht willst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen!“ Ich weiß, das Sprichwort heißt anders; nur diese Lesart entspricht mir persönlich mehr. Ich gehöre zu denen, die bestimmte Angelegenheiten gern hinauszögern – in der Hoffnung, dass die sich irgendwann von selbst erledigen. Aussitzen nannte es unser Altkanzler Kohl, und manchmal funktioniert das auch prächtig. Es gibt aber Dinge, die sollte man besser nicht auf die lange Bank schieben, sondern bald tun, wenn einem die Intuition oder ein Engel (beide sind im Grunde ein- und dasselbe) dazu raten.

 

Als mein 50. Geburtstag bevorstand, überlegte ich, wie wir ihn begehen sollten. Zu einem großen Fest hatte ich keine rechte Lust. Früher war unsere Familie riesig. Es gab jeden Monat wenigstens drei Geburtstage, die alle gefeiert wurden. Ich fühlte mich einfach übersättigt. Vielleicht in ein paar Jahren wieder, zur Goldenen 55; für den Runden schwebte mir nur ein gemütliches Essen vor mit dem Besten, meinem Papa und höchsten drei oder vier weiteren Gästen.- Irgendwann flüsterte mir jedoch eine innere Stimme zu: Komm schon, dieses eine Mal noch. Sie sind schließlich alle nicht mehr die Jüngsten, und man weiß ja nie.

 

Am Ende umfasste meine Gästeliste fünfzig  Personen, und bis auf zwei waren sie zur Party vollzählig versammelt. Nur unsere Tierärztin mit ihrem Mann fehlte, weil sie den Termin verwechselt hatte und dachte, wir würden erst eine Woche später feiern. Sie wäre ohnehin entschuldigt gewesen, denn an diesem Sonntagmittag hatte sie in ihrer Praxis noch einen Notfall zu versorgen.

 

Es wurde ein rundum fröhliches und harmonisches Fest. Besonders mein Papa, der schon immer sehr gesellig war und gern den Entertainer spielte, kam voll auf seine Kosten. Er kannte ja viele der Anwesenden schon sein halbes Leben oder länger und unterhielt sich glänzend. Auf Geschenke hatte ich verzichtet und stattdessen um eine  Spende für ein Kinderhospiz gebeten. Von Kleinigkeiten abgesehen hielten sich alle daran. Sie zeigten sich äußerst großzügig und ich konnte dem „Sonnenhof“ stattliche 732 € überweisen!

 

Einen halben Monat später starb mein Papa völlig überraschend. Er hatte eine leichte Grippe mit den üblichen Begleiterscheinungen, wie Gliederschmerzen und erhöhter Temperatur. Abends kam noch die Ärztin und gab ihm eine Spritze. Gegen Mitternacht sagte er zu uns: „Ich bin jetzt müde und ihr seid es auch. Also, geht schlafen. Danke für alles und gute Nacht.“


Am nächsten Morgen fanden wir ihn tot in seinem Bett. Er lächelte und wirkte so entspannt, als sei er ganz friedlich eingeschlafen. Für uns war sein plötzlicher Tod ein Schock. Trotzdem freute ich mich, dass ich - meiner Eingebung folgend -  den Geburtstag mit den noch übrigen Familienmitgliedern und den alten Freunden gefeiert hatte. So konnten sie ein letztes Mal mit ihm reden und sich von ihm verabschieden.


 

Nickname 17.08.2017, 21.09 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

GRAUE THEORIE GANZ IN WEISS - EIN STÜCK FAMILIENGESCHICHTE

„…ein graues Haar tut doch nicht weh; es sagt dir nur, dass du noch lebst!“, so behaupten es Brunner & Brunner in einem ihrer erfolgreichsten Schlager. Na schön, ein einzelnes lasse ich mir ja noch gefallen, oder ich rupfe es kurzerhand aus. Aber wie fühlt es sich an, wenn jemand plötzlich über Nacht komplett graue Haare kriegt? Geht das überhaupt? Darüber streiten sich die Gelehrten.


Dermatologen  sagen, grundsätzlich nein. Genau genommen wird unser Haar auch gar nicht grau, sondern weiß. In den Haarwurzeln sitzen Zellen, die Pigmente bilden – so genannte Melanoyzyten - und unseren Haaren ihre Farbe geben. Mit den Jahren verlieren sie diese Fähigkeit und so wachsen weiße, also farblose Haare nach. Das passiert aber nicht bei allen Zellen gleichzeitig. Dadurch mischen sich dunkle und weiße Haare. Das Gesamtbild erscheint dann grau. Bei manchen beginnt dieser Prozess schon recht früh. Das ist genetisch bedingt. Diese Menschen haben besonders sensible Pigmentzellen, bei ihnen versiegt die Farbproduktion viel früher als bei den anderen.  Es wird uns also in die Wiege gelegt, wann wir grau werden.


Rein aus medizinischer Sicht mag das alles stimmen. Psychologen meinen aber, dass Kummer oder extremer Stress einen Menschen durchaus innerhalb kürzester Zeit ergrauen lassen können.


Mein Papa war ein Beispiel dafür. Er kam als letztes von drei Kindern zur Welt. Der Kronprinz und das Wunschmädchen waren bereits geboren; daher betrachtete sein Vater ihn eher als überflüssiges Anhängsel. Beim Alten Fritz (so lautete der Spitzname meines Großvaters) drehte sich alles ums Geld. Dementsprechend suchte er sich nach dem frühen Tod meiner Großmutter eine ebenso reiche wie bösartige Frau, die mit Fleiß und Erfolg alles daran setzte, einen endgültigen Keil zwischen die Geschwister zu treiben. Geiz ist geil, dieser Slogan hätte von ihm stammen können. Für den Erstgeborenen und das Töchterchen war ihm allerdings nichts zu teuer; da blieb für den Jüngsten kaum etwas übrig. Notgedrungen bezahlte er diesem das Studium, aber damit hatte es sich. Als mein Vater ihm dann eines Tages meine, aus bescheidenen Verhältnissen stammende Mutter vorstellte, sagte er: „Wenn du die da aus der Hundehütte tatsächlich heiratest, brauchst du nicht mehr nach Hause zu kommen.“


Natürlich heirateten die Beiden trotzdem.  Zur eigenen Wohnung langte es vorerst nicht, und so bezogen sie die kleine Mansarde im Haus meiner Großeltern mütterlicherseits. Immerhin brauchten sie ein paar einfache Möbel, für die mein Papa einen Wechsel über zweihundert Mark unterschrieb. Der wurde eines Tages fällig - nur hatten meine Eltern kein Geld, um ihn einzulösen. In seiner Not suchte Papa seinen Vater auf und bat ihn, ihm die Summe zu leihen. Der Alte Fritz zückte sein Portemonnaie, drückte seinem Sohn ein Geldstück in die Hand und sagte: „Hier hast du fünf Mark, nun lass mich in Ruhe.“ Dabei lief seine Firma glänzend, und er hätte, ohne es überhaupt zu merken, die Schulden seines Jüngsten begleichen können. Wie die Familie erzählte, wurde nach diesem Erlebnis das Haar meines erst dreißigjährigen Vaters über Nacht schlohweiß.


Ins Gefängnis brauchte er wegen des fälligen Wechsels glücklicherweise jedoch nicht. Seine Schwiegereltern, die – wie die meisten damals in den Fünfzigern – selber hohe Schulden hatten, kratzten das Geld irgendwie zusammen. Mit meiner Omi verband ihn ohnehin von Anfang an ein besonders inniges „Bratkartoffelverhältnis“. Sie nahm ihn auf wie ihren eigenen Sohn, nachdem sein Vater Wort gehalten und ihn wegen seiner Mésalliance mit „der da aus der Hundehütte“ hinausgeworfen hatte.


Jahrzehnte lang blieb mein Papa seinem weißen Schopf treu. Erst als seine Haare mit zunehmendem Alter zu vergilben begannen, färbte er sie silbergrau. Als ihn seine Schwiegermutter zum ersten Mal so sah, lächelte sie, strich ihm über den Kopf und meinte süffisant: „Du eitler Fratz!“ Das sagte die Richtige – gerade sie, die noch mit 94 Jahren ihre Haare nachtönen ließ, sobald sie am Ansatz nur eine einzige weiße Stelle entdeckte!


Nickname 17.08.2017, 20.15 | (0/0) Kommentare | PL

GANDHI UND ICH


„Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst.“ Diesen Satz von Mahatma Gandhi hörte ich in einer Folge der US – Fernsehserie „Eine himmlische Familie“. Ich liebe die Camdens. Sie sind so ungeheuer amerikanisch, und sämtliche gängigen Klischees vom pappigen „Dairy Shake“ - Burger über den autoritären Cop bis zum unrealistisch - prüden „No sex before marriage“ werden in den einzelnen Folgen bedient. Die Serie macht süchtig, und seit ich mit dem Gucken angefangen habe, kann ich die Fortsetzung kaum erwarten.


Zurück zu Gandhi. Dieser weise Mann hat in seinem Leben vieles gesagt und getan, was nachdenkens- und –ahmenswert ist. Das obige Zitat spricht mich besonders an, denn im Grunde ist es ganz einfach. Wenn dir solche Dinge wie Unfrieden, Vorurteile, Hass, Intoleranz oder Neid in der Welt missfallen, dann sieh zu, dass du sie aus deinem persönlichen Leben verbannst.


Im Klartext heißt das: Entferne den Balken aus deinem Auge und kehre vor deiner eigenen Tür. Ich zum Beispiel kann nachtragende Menschen überhaupt nicht leiden; aber dass unsere Patentochter uns im vergangenen Sommer wegen ihres Ferienjobs angelogen hat, werfe ich ihr heute noch bei jeder Gelegenheit vor. Neid ist mir ein Gräuel, man muss schließlich auch gönnen können. Trotzdem bin ich felsenfest überzeugt, dass der Pokal bei der Berliner Meisterschaft in den Standardtänzen damals viel eher uns zugestanden hätte als dem Siegerpaar. Von Vorurteilen bin ich sowieso frei – denn dass ältere Herren mit Brille, Hut und Mercedes allesamt (außer meinem Papa) gemeingefährliche Autofahrer sind, Frauen grundsätzlich (mit Ausnahme von mir) nicht rückwärts einparken können und Hunde, die bellen, prinzipiell (gilt nur für unsere) nicht beißen, sind doch längst bewiesene Tatsachen, oder?


Sagte ich, es wäre einfach? Da habe ich den Mund wohl ein bisschen voll genommen, ich bin eben nicht Gandhi. Den Balken zu entfernen und vor der eigenen Türe zu kehren ist viel schwieriger, als ich mir das vorgestellt hatte. Immerhin arbeite ich fleißig daran.

Nickname 13.08.2017, 16.04 | (0/0) Kommentare | PL

WER VORHER PLANT, MUSS ZWEIMAL PLANEN

So lautete der Lieblingsspruch meiner Mutter, und sie hatte reichlich Gelegenheit, ihn anzubringen: Wenn der Bau unserer Familienpension zum x-ten Mal stockte, weil der Maurer aus dem „Blauen Montag“ eine ganze Woche machte und alle anderen Handwerkertermine auf unbestimmte Zeit verschoben werden mussten. Wenn die Gartenparty für dreißig Personen in letzter Minute panikartig nach drinnen verlegt wurde, weil das Wetter aus heiterem Himmel umschlug und es anfing, wie aus Kannen zu gießen. Oder wenn wir in den Urlaub fahren wollten, mein Vater jedoch pünktlich am Tag vor der Abreise hohes Fieber bekam und auf ärztliches Anraten hin das Bett hüten musste (irgendwann gaben wir es auf und blieben zu Hause).


Unsere Patentochter versucht gerade, ihr Leben bis ins letzte Detail zu planen. Zuerst einmal will sie auf Lehramt studieren, anschließend für ein Jahr ins Ausland gehen und danach eine Zeitlang im Beruf arbeiten; dann Hochzeit (den passenden Ehekandidaten hat sie schon im Visier, nur weiß der noch nichts von seinem Glück), ein Haus bauen, zwei Kinder bekommen und bis zur Pensionierung in Amt und Würden bleiben.


Lässt sich das überhaupt so minutiös durchziehen? Nach meiner Erfahrung klappt es höchstens in der Theorie. Gott sei Dank, möchte ich sagen; denn sonst würden wir uns schnell zu Tode langweilen. Praktisch können wir bestenfalls auf mittlere Sicht planen. Ansonsten reagieren wir auf das, was uns das Leben gerade anbietet und überlegen, ob wir das Angebot akzeptieren wollen oder nicht. Mit der Entscheidung müssen wir dann leben – aber wir dürfen uns später niemals fragen, was wäre, wenn wir damals anders entschieden hätten!


„Wie lautet die Vergangenheit von: Der Mensch denkt, Gott lenkt?“, will die Lehrerin im Deutschunterricht wissen. Ein Schüler meldet sich und antwortet: „Der Mensch dachte, Gott lachte.“ Oder wie drückte es mein damals gerade achtjähriger Cousin aus? Er sagte in seiner kindlichen Weisheit: „So ist eben die Welt.“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen.


Nickname 13.08.2017, 15.54 | (0/0) Kommentare | PL

SPÄTSOMMER, TEIL 14: NAME IST NICHT NUR SCHALL UND RAUCH

„Sie“ oder „Du“ im Altersheim? Das kommt auf den Einzelfall an. Wir halten es grundsätzlich so, dass wir alle Bewohner mit ihrem Familiennamen und mit „Sie“ anreden. Es ist eine Frage der Achtung und des Respekts, die alten Menschen nicht wie kleine Kinder zu behandeln (selbst wenn sie sich manchmal wieder so benehmen). Es gibt jedoch Ausnahmen. Einige sind bereits so verwirrt, dass sie mit ihrem Nachnamen nichts mehr anfangen können. Da vermittelt ihnen dann der Vorname zusammen mit dem vertraulichen „Du“ ein Gefühl von Beschütztsein und Geborgenheit. Ob so oder so: Wichtig ist in jedem Fall, dass die Menschenwürde auch – und gerade – im Alter gewahrt bleibt.


Im Büro des „Lindenhofs“ hängt in einem schönen, silberfarbenen Rahmen, folgender Text:


BETREUUNGSWUNSCH EINER ALTENPFLEGERIN FÜR DAS JAHR 2026


„Da ich im Jahr 2026 stolze 75 Jahre sein werde, möchte ich mich bei Ihnen vorstellen:


Lassen Sie mir bitte meine Identität. Ich heiße Helga W. und möchte auch so genannt werden. Nicht Oma oder Helga, auch bin ich kein Zirkusmitglied und heiße Floh.


Wahrscheinlich werde ich nicht mehr in der Lage sein, meine Wünsche zu äußern, darum möchte ich es jetzt tun. Aus finanziellen Gründen kann ich mir kein Einzelzimmer leisten, aber meine Bitte: Bei der morgendlichen Grundpflege stellen Sie doch bitte einen Sichtschutz auf, damit ich nicht allen Blicken preisgegeben bin. Beim Duschen zum Abschluss bitte einmal ganz kalt, das bin ich von Kind auf so gewöhnt (daher selten erkältet). Trocknen Sie mich bitte gut ab, damit ich nicht wund werde. Solange ich noch als Altenpflegerin tätig war, habe ich immer auf kurze, saubere Fingernägel Wert gelegt. Würden Sie das bitte für mich übernehmen (auch zu Ihrem eigenen Schutz, damit ich Sie nicht kratzen kann). Falls ich mich nicht mehr allein anziehen kann, hätte ich gern, dass mir die Schwester dabei behilflich ist. Ich möchte so nett wie möglich gekleidet sein. Bitte keinen bunten Paradiesvogel kleiden! Strümpfe ohne Laufmaschen sehen dazu gepflegt aus.


Mein Bargeld reicht wahrscheinlich dazu, dass ich einmal im Monat zum Friseur kann. Ach ja, und einmal Fußpflege bitte, die Hühneraugen tun so schrecklich weh.


Wenn man mir ein gutes Buch zu lesen gibt, zum Beispiel Eugen Roth, reichen Sie mir dann bitte auch meine Brille?
Sollte ich nicht mehr allein essen können, zerkleinern Sie doch bitte die großen Stücke für mich mundgerecht. Gern will ich versuchen, mit dem Löffel auch allein zu essen, damit Sie mich nicht zu füttern brauchen. Der Teller dürfte wohl einen höheren Rand haben, damit ich das Essen nicht über den ganzen Tisch jagen muss. Sie sind sonst verärgert mit mir (was ich vielleicht nicht mehr verstehe), und ich bekomme keine neue Tischdecke.


Wenn ich Blase und Darm nicht mehr kontrollieren kann, würden Sie mich bitte trotzdem wie einen normalen Menschen behandeln? Könnten Sie versuchen, die Nase nicht zu rümpfen, wenn Sie die Bettdecke aufschlagen und es nicht so gut riecht? Nennen Sie mich bitte auch nie einen Schmutzfink, auch wenn es im Sozialhilfegesetz die erhöhte Geldzulage für Schmutzer gibt.


Sollte ich einmal senil sein, Ihre Wünsche nicht verstehen können, schimpfen Sie nicht mit mir, das macht mich nur noch unruhiger und aggressiver.


Behandeln Sie mich bitte mit Ruhe und Nachsicht. Meine Welt wird zunehmend kleiner, darum lassen Sie mich doch an Ihrer ein klein wenig teilhaben. Erzählen Sie mir doch etwas von Ihrer Familie oder wie Ihr Urlaub war.


Meine Wünsche nehmen kein Ende, doch sind sie alle recht einfach zu erfüllen. Was ich brauche ist ein gutes Essen, menschliche Wärme und jemand, der mich liebevoll betreut und versorgt. Ich habe Ihnen viel zum Nachdenken gegeben, vielleicht kann ich auch das später nicht mehr und Sie müssten es für mich tun. Würden Sie das für mich übernehmen?


Für alle Ihre Bemühungen möchte ich mich jetzt bei Ihnen bedanken, vielleicht kann ich das später nicht mehr.
Helga W."


Ich gestehe, dass mir beim Lesen regelmäßig die Tränen kommen. Im Grunde klingt das alles ganz selbstverständlich, ist es aber leider nicht immer und überall. Nachdenkenswert ist es allemal, finde ich.


Alles Liebe, und bleibt neugierig!



Nickname 12.08.2017, 13.47 | (0/0) Kommentare | PL

SPÄTSOMMER, TEIL 13: ALTE LIEBE ROSTET NICHT


Das Auto ist der Deutschen liebstes Kind, daran hat sich seit Wirtschaftswunderzeiten kaum etwas geändert. Laut Statistik verbringt der männliche deutsche Autofahrer im Schnitt rund 100 Stunden pro Jahr ( also über vier ganze Tage und Nächte) - damit, voller Hingabe an seinem fahrbaren Untersatz herumzubasteln, ihn zu waschen, zu ölen und zu salben. Das ist mehr als mit seinen Freunden am Stammtisch oder auf dem Fußballplatz. Die Zeit, die er seiner Partnerin und/oder den Kindern widmet, liegt noch weiter abgeschlagen auf Platz 4.


Wie die folgende Geschichte beweist, hängt aber nicht nur das so genannte starke Geschlecht mit inniger Liebe an seinem Automobil:


Aus Glück und Freude über das unverhoffte Wiedersehen mit ihrem alten Wagen wäre eine Seniorenheimbewohnerin aus der schwäbischen Gemeinde Burgau um ein Haar zur Diebin geworden. Die73jährige Rentnerin sah während eines Spaziergangs ihr bereits vor längerer Zeit verkauftes Auto am Straßenrand stehen. Laut Polizeibericht stellte die Frau ihre Gehhilfe kurzerhand am Bordstein ab, setzte sich ans Steuer ihres früheren Fahrzeugs (zu dem sie immer noch einen Zweitschlüssel als Andenken in ihrer Handtasche bei sich trug) und fuhr davon. Ein Streifenwagen konnte die Fahrt erst vor dem Altersheim stoppen. Der Schlüssel wurde natürlich von den Beamten auf der Stelle beschlagnahmt.


Der neue Eigentümer des Oldtimers – ein 23jähriger Mann, zufällig selbst Altenpfleger – zeigte Verständnis und nahm den Vorfall mit Humor. Er versprach, die Seniorin in Zukunft manchmal an seinem freien Tag zu einer Spritztour mit ihrem geliebten Wagen abzuholen.


Jemand, der seinen Beruf nicht nur als Job zum Zweck des Geldverdienens, sondern dem Wortsinne nach als Berufung sieht. Das lässt hoffen, finde ich.


Nickname 11.08.2017, 09.51 | (0/0) Kommentare | PL

NA, DANN PROST!

Seine Nachbarn kann man sich bekanntlich nur in den seltensten Fällen aussuchen. Es wäre ja auch recht mühsam und umständlich, wenn man erst sämtliche Nachbarhäuser abklappern und die Bewohner unter die Lupe zu nehmen wollte, bevor man sich entscheidet, wo man sein Domizil aufschlagen will. In der Regel würde man dann wahrscheinlich hoch oben auf einen touristisch unerschlossenen Berg oder eine einsame Insel ziehen müssen, denn irgendjemandes Nase passt einem doch immer nicht.


Aber manchmal hat man auch einfach Glück - wie die benachbarten Haushalte einer Kellerei in Trier, die mit Sekt aus dem Wasserhahn verwöhnt wurden. Etwa 2500 Liter der "Kapitalistenbrause" waren durch einen technischen Defekt am Rückstoßventil der Abfüllanlage in die Wasserleitungen der Stadtwerke geflossen. Ein Mechaniker bemerkte in seinem Betrieb den "angenehmen Geruch nach Sekt im Trinkwasser", als er den Hahn zum Kaffeekochen aufdrehte. Daraufhin ließen die Stadtwerke Trier das örtliche Rohrnetz kräftig durchspülen.-


Jammerschade, wie ich finde - sonst hätte man doch, wenn man als Autofahrer in eine morgendliche Verkehrskontrolle geraten wäre, mit bestem Gewissen behaupten können: "Verssseihung, Herr Wald..., Herr Wachtmeister, ischhabe nur Tee getrunken, das sind beschtimmt nich mehr als einskommanull Kamille!"


Nickname 10.08.2017, 14.53 | (0/0) Kommentare | PL

SPÄTSOMMER, TEIL 12 : ALTER SCHÜTZT VOR TRIEBEN NICHT

Zwei alte, wohlhabende Herren unterhalten sich.
"Du Karl, wie hast du es eigentlich geschafft, eine so hübsche junge Frau zu heiraten? Du bist immerhin schon 75 und sie ist gerade 23!"
"Ganz einfach: Ich habe ihr gesagt, ich bin 85...!"


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Zwei Achtzigjährige treffen sich. "Na, wie geht´s denn so?" "Fantastisch, ich habe eine neue Freundin!" "Sag bloß." "Ja, sie ist fünfundzwanzig und nächste Woche fahren wir in den Urlaub." "Hui, da wünsche ich dir viel Vergnügen. Und du erzählst mir dann, wie es war, ja?"


Zurück aus dem Urlaub: "Na, wie war´s?" "Toll! Essen, Theater, Konzerte, es war traumhaft." "Jaaa... und wie war´s mit der Liebe?" "Fast jeden Tag!" "Fast jeden Tag???" "Ja - fast am Montag, fast am Dienstag, fast am Mittwoch...!"


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Zwei Senioren - beide frisch pensioniert - sitzen auf einer Parkbank. Da geht eine gut gebaute junge Dame mit reichlich Kurven vorbei. "Sagt der eine: "Wenn ich die Dame so anschaue, möchte ich noch mal zwanzig sein." Fragt der andere: "Warum denn das?" "Na, um sie zu vernaschen, ist doch klar!" "Bist du blöd?" empört sich sein Freund. "Für zehn Minuten Spaß willste noch mal 40 Jahre arbeiten und auf die Rente warten?"


Nickname 08.08.2017, 14.41 | (0/0) Kommentare | PL

SPÄTSOMMER TEIL 11 : AUS DER PRAXIS EINES GROSSVATERS

 !!!


Es ist nun fast ein Jahr her, dass man mich zum Großvater erhob. Großvater zu sein ist nicht nur ein simpler Verwandtschaftsgrad, sondern so eine Art Ritterschlag, für den man zwar nichts kann, dem man aber verpflichtet ist, wenn man diesen Posten ernst nimmt. Nicht jeder Großvater ist so. Meiner zum Beispiel war eine reine Respektsperson, völlig unnahbar, der morgens um Punkt 11 Uhr (vorher hatte er auf seine Taschenuhr mit Klappdeckel geblickt) im Lehnstuhl einen rotbackigen Apfel scheibchenweise verzehrte. Wehe, ein Enkelkind hätte es gewagt, um eines der Apfelstücke nachzufragen. Es wäre mahnend in den Keller verwiesen worden, wo genügend dieser Äpfel lagerten.


Diese autoritäre Verhaltensweise kann sich ein Großvater der Neuzeit nicht mehr erlauben, und faules Herumsitzen im Lehnstuhl geht schon gar nicht. Dafür sorgt die Familie, die ihren Opa auf seine Leistungsfähigkeit hin beobachtet. Was kann er denn noch s0? Was sollte man ihm noch zutrauen? Ist er noch lernfähig und auf welchen Gebieten braucht man es gar nicht mehr zu versuchen?


Wie man aus nachfolgend beschriebenen Tätigkeiten schließen könnte, habe ich offensichtlich meine Probezeit nach nunmehr einem Jahr bestanden. So halte ich beim Tragen des Kindes den Kopf nach Vorschrift und weiß, dass man seine Augen nicht der grellen Sonne aussetzt. Auch erkenne ich frühzeitig, wann das Kind nach dem Schnuller verlangt. Das Umbinden eines Lätzchens mit der richtigen Seite nach oben beherrsche ich aus dem Effeff. Auch würde mir die eigenhändige Fütterung des Enkels gelingen, die man mir jedoch aus unerfindlichen Gründen bislang verwehrt hat. Die sich anschließende Prozedur, dem Kind das berühmte "Bäuerchen" zu entlocken, gelingt mir auf Anhieb. Mein Geruchssinn, durch den Genuss von Rotwein im Alter besonders entwickelt, wird innerhalb der Familie hoch gelobt. Er versetzt mich in die Lage, volle Windeln als Erster zu wittern und deren Beseitigung eigenhändig auszuführen.


Aber auch anspruchsvolleren Aufgaben fühle ich mich mittlerweile gewachsen. Da wäre beispielsweise die Handhabung eines modernen Kinderwagens. Während zu meiner Zeit dieses Beförderungsmittel für Kleinkinder aus einem Chassis mit vier Rädern, einem Bügel zum Schieben oder Ziehen und einem korbähnlichen Gehäuse bestand, welches sich in Ausnahmefällen auch für den Transport von Kartoffel- oder Kohlesäcken eignete, ist der Kinderwagen dieser Tage ein hochtechnisches Konstrukt (neusprachlich Hightech-Konstruktion). Es läuft auf Breitwandfelgen mit einem Chassis aus hochwertigem, nichtrostendem Material, mit kompakter Federung und einem fein gepolsterten Design-Gehäuse in Cabrio-Ausführung, das mittels eines ausgetüftelten Gestänges mit verschiedensten Zugvorrichtungen komplett zusammengeklappt und wieder aufgeklappt werden kann.


Nun zeigt sich die wahre Qualität eines gut trainierten Großvaters, der das lückenlose Funktionieren seiner Sinne nochmals unter Beweis stellen muss. Wenn er nämlich bei den kurzen Einweisungen der Kindesmutter in die technischen Abläufe des Auf- und Zusammenklappens nicht genau aufgepasst hat, steht er in der täglichen Praxis vor massiven Problemen, die ihm keiner abnimmt. Selbst diplomierte Ingenieure schaffen das nicht mit links. Was ist denn, wenn man bei einem plötzlichen Regenguss das Kind gerade noch trocken in den Autokindersitz Marke "Maxi Cosi" verfrachtet hat, aber das Zusammenfalten des verdammten Kinderwagens nicht klappt? Apropos: Autokindersitz. Als ich den kürzlich falsch montierte, gab´s von der Mutter einen Rüffel.


(Dirk Ibbeken)


MERKE: Auch als Großvater lernt man niemals aus!


Nickname 08.08.2017, 08.25 | (0/0) Kommentare | PL

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ÜBER MICH:Geboren vor 62 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.