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Einträge vom: 13.01.2018

VEGAN IST DAS NEUE BIO



Schätzungsweise 400.000 bis zu eine Million Deutsche ernähren sich vegan. Die Zielgruppe der Fleischverächter wird für die Bio-Branche immer lukrativer. Doch völlig vegan zu leben ist fast unmöglich.

Sojaschnitzel, Reismilch und Fruchtgummi ohne tierische Gelatine: Die Zielgruppe der Fleischverächter wird für Naturkosthändler immer wichtiger – und lukrativer. "Veganes und vegetarisches Essen ist der nächste große Trend in der Biobranche", sagte eine Sprecherin des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) anlässlich der Grünen Woche in Berlin.


Erzeugnisse für Fleischverächter emanzipieren sich nach Beobachtung der Biobranche dabei zunehmend im Sortiment der Läden. Neben die klassischen Ersatzprodukte für herkömmliche Lebensmittel – also Tofu statt Fleisch, Vegenaise statt Mayonnaise oder Hafer- statt Vollmilch – träten immer häufiger auch eigenständige Kreationen wie beispielsweise Nussmus oder pflanzliche Eiweißquellen wie Algenpulver.


Die Nachfrage an Veggie-Produkten steigt


"Es gibt eine große Schnittmenge zwischen Vegetariern und Veganern einerseits und unseren Biokunden andererseits", ist sich die BÖLW-Sprecherin sicher. Tests mit dem Ergebnis, dass vegane Kost keineswegs automatisch auch gesund ist, spielen den Bio-Händlern zusätzlich in die Hände. So nahm die Verbraucherzentrale Hamburg vor einigen Monaten 20 vegane Lebensmittel unter die Lupe – mit einem desaströsen Ergebnis. Soja-Burger, Käsealternativen, milchfreier Hirtenkäse und einige andere Produkte fielen vor allem dadurch auf, dass sie zu fettig oder zu salzig waren.


Bis zu eine Millionen Deutsche leben vegan


Veganer und Vegetarier suchen wohl auch deshalb vermehrt Sicherheit in den Bioläden. Das schlägt sich in der Statistik nieder. So stieg der Umsatz mit als vegan deklarierten Erzeugnissen im Naturkostfachhandel nach Verbandsangaben in den zwölf Monaten bis Oktober 2013 um 17,7 Prozent auf fast 630 Millionen Euro. Seither dürfte es erneut ein zweistelliges Wachstum im Jahresvergleich gegeben haben. "Es könnte sich für Biounternehmer auszahlen, den tierfreien Produkten zukünftig mehr Regalmeter einzuräumen", raten die Verbandsstrategen denn auch ihren Mitgliedern.


Die Zielgruppe wächst jedenfalls. Der Vegetarierbund beziffert die Zahl der Anhänger der fleischfreien Ernährung in Deutschland auf sieben Millionen. Für Veganer schwanken die Schätzungen zwischen 400.000 und knapp einer Million Menschen. Die Größe der Streubreite ist kein Wunder, denn was der Begriff genau umfasst, ist Geschmackssache. Die ersten Schritte seien zwar simpel, schreibt der Bund für vegane Lebensweise: Man lasse alle offensichtlichen Tierprodukte aus der Ernährung weg, also Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und Honig.


Dann allerdings wird es schnell kompliziert. Echte Veganer verschmähen tierische Produkte in allen Lebensbereichen, selbstverständlich auch bei Bekleidung. Leder, Wolle und Seide sind damit tabu. Ebenso Produkte, bei deren Herstellung Tierversuche im Spiel waren, also viele Kosmetika und Waschmittel. Wer tiefer ins Vegane einsteigt, stößt auf böse Fallen: Weine und Säfte etwa, von denen einige mit Gelatine oder Fischblasen geklärt wurden, andere nicht. Den Stress der Recherche durch Rauchen abbauen geht auch nicht. Tabak ist zwar klar pflanzlich, aber Zigarettenfilter, so der Bund der Veganer, könnten Schweineblut enthalten.
"Diese Beispiele sollen deutlich machen, dass es unmöglich ist, in unserer heutigen Welt zu 100 Prozent vegan zu leben", gibt die Vereinigung zu.


"Flexitarier" wollen weniger Fleisch essen


Aber viele versuchen es zumindest beim Essen und mehr oder minder konsequent. Neben Vegetariern und Veganern gibt es immer mehr Konsumenten, die ohne ideologischen Ballast einfach weniger Fleisch essen wollen. Soziologen haben sich dafür den Begriff "Flexitarier" ausgedacht. Die Konsumforscher der GfK-Gruppe taxieren deren Anteil auf acht Prozent der Haushalte. Die Fleischwirtschaft spürt den gesellschaftlichen Gegenwind ganz konkret. Ihr Inlandsumsatz ist in den ersten neun Monaten 2014 um 2,2 Prozent gesunken.


Von Michael Gassmann
QUELLE:
http://www.welt.de/wirtschaft/article136502302/Vegan-ist-das-neue-Bio.html


Seit fünf Jahren ernähren der Beste und ich uns so tierproduktfrei wie möglich. Zugegeben, es ist nicht immer ganz einfach. Mal muss der innere Schweinehund überwunden werden - nicht in erster Linie des Geschmacks wegen, sondern weil ich beim Einkaufen zu faul bin, jede Zutatenliste genau zu lesen - dann wiederum ist man irgendwo eingeladen und möchte nicht auffallen, indem man 90 Prozent der angebotenen Speisen ablehnt.


In unserem Familien- und Bekanntenkreis wird es zunehmend einfacher, weil sich immer mehr für die vegetarische Lebensweise entscheiden. In meinen Augen ist das eine gute Entwicklung und es kann immer nur noch besser werden. Zahlen sprechen schließlich eine deutliche Sprache, und der einzelne Konsument sollte seine Marktmacht auf keinen Fall unterschätzen. Wussten Sie zum Beispiel, dass 140 Millionen Tiere jährlich weniger gegessen würden, wenn jeder Bundesbürger nur einen fleischfreien Tag pro Woche einhielte? Wem das Tierleid egal ist, den wird diese Zahl kaum beeindrucken. Alle anderen werden, denke ich, dafür gern auf den Gaumenkitzel verzichten; wenn schon nicht für immer, so wenigstens für einen Tag in der Woche.


Nickname 13.01.2018, 05.29| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: MISCELLANEA

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ÜBER MICH:Geboren vor 62 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.