Mitternachtsspitzen

Ausgewählter Beitrag

Wie die Jungfrau zum Kinde

So kam auch der Gründonnerstag zu seinem Namen, könnte man jedenfalls annehmen. Rein zufällig ist der aber doch nicht entstanden, es gibt sogar mehrere Theorien zur Namensgebung.

Die Spekulationen um den Namen des Gründonnerstags sind vielfältig und gegensätzlich, schließen sich aber nicht zwangsläufig gegenseitig aus. So kann die Bezeichnung „Grüner Donnerstag“ sowohl vom Wörtchen „grün“ kommen als auch von älteren Worten, die mit „grün“ nichts zu tun haben.

Eine Theorie ist, dass der Gründonnerstag seiner Wortherkunft nach vom mittelhochdeutschen „greinen“ abstammt, was so viel wie weinen bedeutet. Diese Ableitung würde Sinn machen, wenn man sie auf die weinenden Büßer bezieht. Im Mittelalter wurden bestrafte Sünder zu Gründonnerstag nämlich wieder in die Gemeinde aufgenommen und galten nach Lukas 23,31 wieder als „grünendes Holz“ am Stamme der Kirche – was auf eine weitere mögliche Herkunft des Namens deutet. Aus diesem Grund wird der Feiertag auch „Antlasstag“ genannt. Antlass leitet sich aus dem Wort „Ablass“, also dem Erlass von begangenen Sünden ab.

Im Mittelalter war es Brauch, am Gründonnerstag besondere (Heil-)Kräuter zu sammeln und diese mit Blumen zu einem Antlasskranz zu flechten. Der Kranz wurde dann zusammen mit den sogenannten „Antlasseiern“ – also Eiern, die an Gründonnerstag gelegt worden waren – bis zum Erntedankfest aufbewahrt. Sowohl dem Kräuterkranz als auch den Antlasseiern wurden besondere Kräfte zugesprochen.

Andere sind der Meinung, dass die Herleitung von „Grienen“ bzw. Greinen / Weinen keinen Sinn machte, weil ja am Gründonnerstag selbst noch nicht geweint wurde. So besteht eine weitere Theorie darin, dass der Gründonnerstag schlicht von der Farbe der priesterlichen Gewänder abgeleitet worden wäre. Zwar hat der Feiertag in der Liturgie traditionell die Farbe Weiß (deswegen auch „Weißer Donnerstag“ ) – diese Vorgaben waren jedoch nicht verbindlich. So ist es möglich, dass es zu regionalen Abweichungen gekommen ist und manche Messdiener im Mittelalter grüne Gewänder getragen haben.

Eine weitere Herleitung für den Namen des Gründonnerstags besteht darin, dass im Mittelalter an diesem Feiertag immer besonders viel grünes Gemüse gegessen wurde, wie z.B. Grünkohl, aber auch Kräuter. Dies stand zum einen im Einklang mit der Karwoche, die den Verzehr von Fleisch verbietet. Zum anderen war dies aber auch saisonal bedingt, da im Frühling natürlich auch besonders viel grünes Gemüse wächst. Daneben war mit dem Verzehr von grünem Gemüse die Hoffnung verbunden, Kraft und Stärke für das kommende Jahr aufzunehmen.

Der genaue Ursprung des Namens bleibt nach wie vor ungeklärt – wahrscheinlich ist, dass eine Kombination von verschiedenen Faktoren zu der Bezeichnung des „Gründonnerstag“ geführt hat.



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Interessant ist, dass viele Bräuche, an denen man an diesem Feiertag besonders festhält, aus dem Volksaberglauben stammen.

Wie die Geschichte um den Namen des Feiertags schon andeutet, spielen am Gründonnerstag grüne Gemüse und Eier, sowie die Farbe Grün insgesamt eine besondere Rolle. War es früher vor allem Brauch, zu Gründonnerstag zusammen Kräuter sammeln zu gehen, begnügt man sich heute mit dem Verzehr von grünem Gemüse und grüner Feldfrüchte. Früher hoffte man dadurch nach dem langen Winter die Kraft und Stärke des Frühlings aufzunehmen – was sogar stimmt, denn Frühlingsgemüse  enthalten reichlich Vitamine und Spurenelemente. Ein Grund für viele, nach wie vor an diesem Brauch festzuhalten.

Außerdem bestellte man in manchen Regionen zu Gründonnerstag Feld und Garten – in dem Glauben, dass dies eine besonders reiche Ernte beschere. Auch hier spielt die Farbe Grün als Farbe der Hoffnung eine besondere Rolle.

Eier, die zu Gründonnerstag gelegt wurden, waren die so genannten Antlasseier oder Gründonnerstagseier. Diese wurden im Mittelalter zur Kirche gebracht und geweiht. Anschließend verspeiste man zusammen mit seiner Familie einen Teil der Eier. Wichtig war dabei, auch ein Stück der Schale mit zu essen – denn ihr wurden besondere Kräfte zugesprochen. Die Reste der Eier und der Schale mussten daraufhin ins Feuer geworfen werden. Dadurch, so glaubte man, war man das ganze Jahr über vor allerlei Krankheiten und Leiden geschützt.

Daneben wurden die Antlasseier noch für viele andere Abwehrzauber eingesetzt. So war es in manchen Regionen z.B. Brauch, einen Teil der Schale in den Herd oder die Hauswand einzumauern oder sie im Garten oder im Stall einzugraben. Je nach Platzierung erhoffte man sich so Schutz vor bösen Geistern, eine reiche Ernte oder Schutz vor Erkrankungen des Viehs. Legte man das Ei auf den Dachboden, so hieß es, war man vor Blitzeinschlägen gefeit; und ein Ei in der Nähe eines Stroms zu vergraben wehrte Überschwemmungen ab. Sogar Hexen konnte man der Legende nach durch die Gründonnerstagseier erkennen und abwehren.

In manchen Regionen Deutschlands sucht man heute Eier bereits an Gründonnerstag statt an Ostern. Und wenn man sie bis dahin nicht schon alle aufgefuttert hat, kann man sie ja noch einmal verstecken.

Viel Spaß dabei! 


Nickname 13.04.2017, 14.44

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ÜBER MICH:Geboren vor 61 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
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