Mitternachtsspitzen

Ausgewählter Beitrag

Herz gesucht und nicht gefunden

Mich hat man am Strand draußen aufgelesen,
da bin ich seit Monaten schon gewesen.
Man hat mich getreten, es gab nichts zu fressen,
dann stieß man mich weg und hat mich vergessen.
Ich wurde in einer Tonne geboren,
meine Finder gaben mich schon verloren.


Mein rechtes Ohr hängt, das linke blieb stehen
und auf einem Auge kann ich nicht sehen.
Ich liebe die Menschen und weiß nicht warum.
Sie finden mich hässlich, mickrig und dumm.


Jetzt bin ich hübsch und mein Fell ist glatt.
Man pflegte mich gut in der großen Stadt.
Sie haben mich sogar angezogen,
operiert und die Ohren hochgebogen.
Dann wurde ich lästig und an einen Baum gebunden,
dort hat mich nach Tagen jemand gefunden.


Und Du? Wer bist Du? Hast noch nicht gesprochen.
Hast bis jetzt mit der Nase am Gitter gerochen.
Wenn sie kommen um einen auszusuchen,
verschmähst du all ihre Hundekuchen.
Siehst niemanden an und willst dich nicht binden.
Möchtest du keine neue Familie finden?


Eine Pause tritt ein. Niemand sagt ein Wort.
Der Blick des Gefangenen driftet weit fort.
Sein Kopf ist erhoben, die Schultern gestrafft,
der Körper ist mager und doch voller Kraft.


"Versteht ihr nicht", flüstert er in den Wind,
"dass wir nur eine Laune der Menschen sind?

Sie wollen uns schaffen nach ihrem Gefallen
und wissen doch nicht wohin mit uns allen.
In dieser Sekunde sind wir schon verloren,
denn es werden Tausende Welpen geboren.


Wir sind zu viele, das ist der Betrug,
denn Menschen bekommen niemals genug.

Sie wissen es alle, doch die endlose Flut
immer neuer Hunde gefällt ihnen gut.
Die endlosen Züge der Überschussfracht
sind in Tierheimen ja wunderbar untergebracht."


Sanft hebt er die Schnauze, setzt an zum Gesang.
Ein klagender Ton zieht die Gitter entlang.

Eine Türe schlägt zu und dann schweigt er still,
weil das, was er weiß, niemand wissen will.
Er legt sich nieder, bettet ruhig sein Haupt.
Oh ja, es sind viele! Viel mehr, als man glaubt....


(gefunden im Internet
Verfasser leider unbekannt)


**************

Auf diese Strophe möchte ich noch einmal zurückkommen:


Mein rechtes Ohr hängt, das linke blieb stehen
und auf einem Auge kann ich nicht sehen.
Ich liebe die Menschen und weiß nicht warum.
Sie finden mich hässlich, mickrig und dumm.




Die Beschreibung passte beinahe haargenau auf unseren lieben Bobby - nur, dass er von Menschenhand noch viel schlimmer zugerichtet wurde. Davon zeugten das Geschoss in seinem Schulterblatt, das gespaltene Ohr, das ausgestochene linke Auge und die gebrochenen Vorderbeine. Zum Glück nahm er es nicht übel und vergalt nie Gleiches mit Gleichem, denn das ist nicht Hundeart. Zwei wunderschöne Jahre lang hat er unser Leben bereichert.Die Tierärzte gaben ihm anfangs höchstens noch ein paar Monate, aber er hatte nun mal seinen eigenen Kopf. Wir sind froh darüber!

Hässlich? Nein, das war er keineswegs. Seine besondere Schönheit lag in der Ruhe und dem inneren Frieden, den er ausstrahlte. Wenn er uns mit seinem einen Augen zublinzelte, schien es, als wollte er sagen: "Hey, Leute, nicht hadern, ist doch alles im Lot." Einen dankbareren, bescheideneren und zufriedeneren Hund haben wir selten erlebt, und wir sind glücklich über jeden gemeinsamen Tag, der uns vergönnt war. 


Nickname 05.03.2017, 17.35

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von gerda.f

Ganz liebe Grüsse.Was man vielen Tieren an tut kann ich einfach nicht nach vollziehen.

vom 07.03.2017, 00.22
Antwort von Nickname:

Das ist für uns auch schwer zu begreifen.
Deine lieben Grüße werden herzlichst erwidert! 

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ÜBER MICH:Geboren vor 61 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.


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Liebe Sabine,das sind wieder sehr schöne Kraf
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Ich freu mich mit für Herby,liebe Sabine.Er i
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Ganz liebe Grüsse.Was man vielen Tieren an tu
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