Mitternachtsspitzen

Ausgewählter Beitrag

Deutsche Sprache, ALDI zu!


Die Geschichte der deutschen Sprache war und ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Wer kennt nicht die Anekdote vom Berliner, der in Neukölln auf der Straße einen Türken fragt: „Sach ma, wo jeht et denn hier nach Aldi?“ Der Türke schüttelt den Kopf und erwidert: "Zu Aldi.“ „Wat denn“, staunt da der Berliner, „Aldi schon zu?“ So ähnlich ist es mir vor kurzem ergangen:


"Nun stellen Sie sich mal vor!" Hysterisch gackernd wie ein aufgeschrecktes Huhn kam die junge Frau auf mich zugeflattert. Na ja, so ganz jung war sie nicht mehr. Sie erschien mir nur so, weil es einer von den Tagen war, an denen ich selbst mich wie eine Hundertjährige fühle. Ich überlegte, warum sie mich denn wohl so dringend kennenlernen wollte. Da ich meinerseits überhaupt keine Lust verspürte, ihre Bekanntschaft zu machen, ging ich einfach weiter. Aber sie ließ nicht locker. Sie lief mir nach und packte mich am Ärmel."Nein wirklich, Sie müssen sich vorstellen…!" beharrte sie. Allmählich reichte es mir. Aber man will ja nicht unhöflich sein. In der Hoffnung, sie dann endlich loszuwerden, gab ich nach und sagte: "Gestatten, mein Name ist …….". "Ach nein, doch nicht so!", wehrte sie ab und fuchtelte mit der Hand durch die Luft, als wolle sie eine Fliege verscheuchen. "Ich meine, stellen Sie sich, also Ihnen...!" Jetzt begriff ich überhaupt nichts mehr. Warum, zum Kuckuck, sollte ich mich mir vorstellen? Ich werde ja wohl wissen, wer ich bin und wie ich heiße. "Sie verstehen mich nicht!", jammerte sie. Da hatte sie ausnahmsweise recht. "Sie sollen sich doch nur mal vorstellen, was mir vorhin passiert ist!"


Ach so, warum hatte sie das denn nicht gleich gesagt? Eigentlich fand ich sie ganz amüsant in ihrer komischen Verzweiflung. Außerdem war ich nun doch neugierig geworden, was ihr denn so Ungeheuerliches widerfahren sein mochte. Zufällig hatte ich etwas Zeit, und einkaufen konnte ich auch später noch. Wir setzten uns in das kleine Café neben dem Supermarkt, bestellten zwei Latte Macchiato, und sie erzählte mir eine reichlich verworrene Geschichte von ihrem Hausmeister, Richard Gere und einem Cheeseburger. Als sie geendet hatte, schien sie sehr erleichtert. Sie bezahlte den Kaffee, gackerte: "Also dann, bis bald einmal!", gab mir zum Abschied den Flügel und wollte davonflattern. "Momentchen", hielt ich sie zurück. "Sie haben da noch eine Kleinigkeit vergessen." Fragend sah sie mich an. "Würden Sie sich bitte vorstellen?"


Nickname 23.01.2017, 16.43

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ÜBER MICH:Geboren vor 61 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.


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