Mitternachtsspitzen

Ausgewählter Beitrag

Ball Paradox

„Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie die anderen mich haben wollen.“ 


 Diesen Satz las ich auf diversen Seiten als Leitmotiv. Für mich klingt er fast rührend trotzig, dabei ist er wohl eher provokativ gemeint. Im Grunde trifft er aber genau den Kern der Sache. Es ist nicht der Sinn unseres Lebens, den Vorstellungen und Erwartungen anderer zu entsprechen. Unser Ego redet uns das zwar ein: „Du musst nur den anderen gefallen, dann hast du Erfolg und wirst geliebt.“ Unser höheres Selbst, das heißt unser eigentliches ICH, weiß es besser. Wenn wir nicht authentisch sind und auch mal gegen den Strom schwimmen (was das Leben zugegebenermaßen anstrengender macht), dann sind wir auf Dauer nicht glaubwürdig. Und wenn wir uns selbst nicht lieben und wertschätzen, wie soll es dann sonst jemand tun? Wie innen, so außen, ganz einfach und logisch. Trotzdem stört mich etwas an dieser Aussage, sie erscheint mir irgendwie unvollständig. Wenn man dagegen den Umkehrschluss zieht und beides hintereinander liest, wird das Bild komplett:


„Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie die anderen mich haben wollen – und die anderen sind nicht auf der Welt, um so zu sein, wie ich sie haben will!“.


Toleranz pur. Wobei das Wort für mich immer so einen negativen Beigeschmack hat: Zwar heiße ich es nicht gut, wie er/sie denkt, sich kleidet oder benimmt, aber ich toleriere es halt, weil ich so ein weltoffener, großzügiger Mensch bin. Akzeptanz gefällt mir persönlich besser; es bedeutet, den anderen ohne Vorurteile und Vorverurteilungen anzunehmen, genauso wie er ist. Nun bin ich selbst von dieser Haltung noch Lichtjahre entfernt, ertappe mich täglich dabei, wie ich mir eine Meinung bilde über Menschen, die ich überhaupt nicht kenne und nur flüchtig im Vorbeigehen registriere. Aber wenn wir irgendwann dahin kommen könnten, diesen Satz zu leben, dann wäre das das Ende aller Feindseligkeiten und Kriege. Wir hätten unseren Garten Eden wieder.



Nickname 30.01.2017, 17.49

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Gudrun

Vor vielen Jahren sagte mal ein kleiner Junge meiner großen Verwandtschaft zu seiner Mutter: "Denkst Du, der liebe Gott hat mich zu Euch geschickt, damit ich immer mein Zimmer aufräumen muss?"
LG, G.

vom 31.01.2017, 02.09
Antwort von Nickname:

Ja ja, Kindermund tut Wahrheit kund...
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ÜBER MICH:Geboren vor 61 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.


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