Mitternachtsspitzen

Ausgewählter Beitrag

ALLE SIND GLEICH, ABER MANCHE SIND GLEICHER


"Der Tag mag kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihm nur von der Hand der Tyrannei vorenthalten werden. Ein voll ausgewachsenes Pferd aber oder ein Hund ist unvergleichlich verständiger und mitteilsamer als ein einen Tag oder eine Woche alter Säugling oder sogar ein Säugling von einem Monat. Doch selbst wenn es anders wäre, was würde das ausmachen? Die Frage ist nicht: Können sie verständig denken? Oder: Können sie sprechen? Sondern: Können sie leiden? Warum sollte das Gesetz irgendeinem empfindenden Wesen seinen Schutz versagen?"


(JEREMY BENTHAM

* 15. Februar 1748 in Spitalfields, London

† 6. Juni 1832 ebenda)



Bentham war ein englischer Jurist und Philosoph. Außerdem war er einer der wichtigsten Sozialreformer Englands im 19. Jahrhundert und ein Vordenker des modernen Wohlfahrtsstaats. Seiner Zeit weit voraus forderte er allgemeine Wahlen, das Frauenstimmrecht, die Abschaffung der Todesstrafe, Tierrechte, die Legalisierung der Homosexualität und die Pressefreiheit. Er gilt als Vordenker des Feminismus, als Vorkämpfer der Demokratie, des Liberalismus und des Rechtsstaats.


************************


2002 war ein wichtiges Jahr für den deutschen Tierschutz: In diesem Jahr beschloss der Deutsche Bundestag, den Schutz der Tiere als "Staatszielbestimmung" in die Verfassung aufzunehmen. Vorher gab es zwar auch schon ein vergleichsweise fortschrittliches Tierschutzgesetz, das aber rechtlich gesehen immer dann in den Hintergrund trat, wenn dem Tierschutz ein in der Verfassung garantiertes Grundrecht für Menschen entgegenstand, wie das Recht auf Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit. Eben dies sollte sich ändern.


Zwar lässt der Tierschutz hierzulande noch immer vieles zu wünschen übrig, aber immerhin beschritt Deutschland damit als erstes EU-Mitgliedsland den von Bentham vorhergesehenen Weg: Wenn es darum geht, wem wir als Menschen sowohl moralischen als auch gesetzlichen Schutz gewähren sollen, darf nicht der Unterschied zwischen Mensch und Tier zählen, sondern allein die zweifache Frage, welche Wesen leiden können und ob wir als Menschen oder Gesetzgeber dieses Leid verhindern können.


Nickname 20.09.2017, 14.27

Kommentare hinzufügen


Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden

2017
<<< Oktober >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
      01
02030405060708
09101112131415
16171819202122
23242526272829
3031     
ÜBER MICH:Geboren vor 62 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.