Mitternachtsspitzen

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Hunger

Unser tägliches Brot

Bei unserem Bäcker hängt an der Wand hinter der Verkaufstheke ein Holzschild in Form einer Stulle (für Nicht-Berliner: eine Brotscheibe oder –schnitte). Darauf steht: „Altes Brot ist nicht hart. KEIN Brot, das ist hart.“


Ich lese es und frage mich, warum er dort ausgerechnet diesen Spruch angebracht hat. Wenn seine Kunden den beherzigen und zukünftig alle ihr Brot aufessen würden, anstatt es nach zwei Tagen in den Müll zu werfen, weil die Kruste nicht mehr kracht, wäre das doch ziemlich schlecht fürs Geschäft.



Die Erzählungen meiner Mutter aus der Zeit unmittelbar nach Kriegsende fallen mir ein. Meine Großmutter war damals schwerkrank, mein Großvater befand sich in Gefangenschaft, und Mama als die Älteste von drei Geschwistern war verantwortlich für das Überleben der Familie. Oft legte sie barfuß oder in viel zu engen Schuhen fünfzehn Kilometer und mehr am Tag zurück, um irgendwo ein Brot zu ergattern. Das kam natürlich nicht frisch aus dem Backofen, wies wohl auch schon ein paar Schimmelstellen auf. Diese wurden sorgfältig entfernt. Das übrige Brot schnitt man in kleine Würfel und röstete sie mit einem Stückchen Butter – sofern vorhanden – in der Pfanne an (war keine Butter oder sonstiges Fett da, was der Regel entsprach, sahen später eben mehr Augen in die Suppe hinein als aus ihr heraus). Das Ganze wurde mit kochendem Wasser übergossen, man gab ein paar Krümel Salz oder Zucker für ein bisschen Geschmack hinzu, und fertig war das Festmahl. Satt machte so eine Brotsuppe zwar nicht, aber sie wärmte durch und besänftigte den knurrenden Magen wenigstens für kurze Zeit.


Ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein Stück Brot wegwerfen muss. Zum Glück kommt das nur selten vor. Man kann geschnittenes Brot ja wunderbar einfrieren und entnimmt dann eben immer nur so viele Scheiben, wie man auch wirklich essen will.


Übrigens gibt es einen kinderleichten Trick, um altbackenes Brot noch einmal so gut wie frisch zu bekommen: Man besprühe es leicht mit Wasser, stecke es für einige Minuten - je nach Brotsorte und Dicke der Scheiben - in den Toaster und röste es auf mittlerer Stufe an. Die Krume wird wieder weich und fluffig, die Kruste schön kross. Etwas Butter und Pflaumenmus drauf – für diese Leckerei lasse ich die feinste Sahnetorte stehen. Probieren Sie es aus, es schmeckt genial. Ich wünsche guten Appetit!

Nickname 20.01.2017, 21.30 | (0/0) Kommentare | PL

Amsel, Drossel, Fink und...ich, oder wer?

Ein ganz besonderer Gast stattete im vergangenen Winter dem Futterplatz um unser Vogelhäuschen einen Besuch ab: Meister Reinecke kam auf Stippvisite und tat sich an Erdnüssen, Rosinen und Sonnenblumenkernen gütlich. Dabei befand er sich nur knapp drei Meter von mir entfernt. Er sah mich zwar, ließ sich aber nicht beirren und fraß in aller Seelenruhe weiter. Der Hunger hatte ihn hergetrieben und jede Scheu vergessen lassen.

Da bekomme ich gleich wieder ein schlechtes Gewissen: Wann immer ich will, darf ich mich nach Herzenslust sattessen, während dieser arme Kerl nicht einmal Vogelfutter verschmäht, um seinen knurrenden Magen zu besänftigen und dabei jede Vorsicht außer Acht lässt. Es sind ja nicht nur er und seine Artgenossen; alle freilebenden Tiere müssen in strengen und langen Wintern eine bittere Zeit durchmachen. Wenn sie die denn überstehen - auch oder gerade dann, wenn der Winter eine überraschende Pause einlegt, um wenig später mit ganzer Härte noch einmal zurückzukehren. Viele Igel zum Beispiel erwachen dann entweder zu früh aus dem Winterschlaf und gehen vergeblich auf Nahrungssuche, oder sie verhungern einfach im Schlaf. Der Gedanke daran treibt mir die Tränen in die Augen. Natürlich helfe ich den Tieren nicht, wenn ich aufhöre zu essen. Ich kann sie nur füttern, wo es notwendig und angebracht ist. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass die Natur bald ein Einsehen hat und den Tisch für unsere Mitgeschöpfe wieder ausreichend deckt.

Zum Glück liegt meine Kamera immer geladen bereit, so dass mir von dem außergewöhnlichen „Model“ ein paar schnelle Schnappschüsse gelungen sind. Viel Freude damit!








Wie alle Tiere, so hat auch der Fuchs eine spezielle Botschaft für uns, wenn er unseren Weg kreuzt:


Manchmal kommt es uns vor, als würden wir nicht gesehen, als würden unsere Wünsche und Bedürfnisse einfach nicht gehört. Wir haben das Gefühl, für andere Luft zu sein, und es fehlt uns etwas in unserem Leben. Immer auf der Suche, wohin der Weg uns führen und was wohl als nächstes kommen könnte, rennen wir geduckt hin und her, kopieren andere, anstatt selbst kreativ zu sein, überleben mehr als dass wir leben und versuchen, irgendwie ein Stück vom großen Ganzen abzukriegen.


Der Fuchs führt uns zum Spiegel unserer Seele: Sieh nicht nach anderen, vergleiche dich nicht mit ihnen und sei zufrieden mit dem, was du jetzt hast und bist. Höre dir selbst zu und gib dir das, was du jetzt brauchst. Du bist einzigartig, unvergleichlich und hast deine ganz persönliche Bestimmung.


Im Fuchsbau, das heißt in unserem eigenen Inneren, finden wir alle Antworten, Geborgenheit und die Kraft, mit der unsere ureigene Energie sich entfalten kann. Alte Verletzungen und Enttäuschungen können geheilt werden und wir beginnen, selbst unseres Glückes Schmied zu werden.

Nickname 25.10.2016, 18.54 | (0/0) Kommentare | PL

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ÜBER MICH:Geboren vor 61 Jahren als waschechte Berliner Pflanze, mit reinem Spreewasser getauft und in der Heimatstadt fest verwurzelt geblieben.
Verheiratet mit dem besten aller Ehemänner und glückliches Frauchen von drei allerliebsten Fellnasen.


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Komisch! Meine Socken sind immer paarweise au
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So eine Eselsbrücke habe ich mir für Stalakmi
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Dankeschön! Heute Abend hat der Michel etwas
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Liebe Sabine,durch die Erkältung und den Hust
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Geschäftstüchtig der Mann!Gruß, G.
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Überaus schön! Herzlichen Dank für die Lach-A
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Gudrun:
Ja! Da haben die Tiere eigentlich vollkommen
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Anne:
Guten Morgen, liebe Bärliner,heute muss ich a
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Liebe Sabine,ja,sehr schön ist das geschriebe
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Karin:
Sehr schön geschrieben. Hoffentlich denkt man
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